„Für Depressionen muss man sich nicht schämen“

Krankenkasse informiert am 9. Juli in Schramberg über psychische Erkrankung

SCHRAMBERG – Die Chance, besser die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, ist groß: Rein statistisch gesehen trifft es wohl jeden fünften Deutschen einmal im Leben. Grund genug für die AOK, sich dieser psychischen Erkrankung intensiv zu widmen. Am 9. Juli veranstaltet die Krankenkasse in Schramberg dazu einen Informationsabend mit Fachleuten und Betroffenen.

Die Krankenkasse hat ihre Statistik durchforstet und kommt auf erschreckende Zahlen:  Im Jahr 2017 erkrankten im Kreis Rottweil gut 10.000 AOK-Versicherte an einer Depression, hochgerechnet wären das etwa 18.000 Erkrankte im  Kreis oder etwa 13 Prozent, so Corinna Groß von der AOK. Zwei Drittel davon seien Frauen.

Es sei ähnlich wie beim Zahnarzt auch bei Depressionen: „Die Leute gehen erst dann zum Arzt, wenn es weh tut“, sagt Dr. Andrea Fetzner, Ärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Bad Dürrheim. Dabei gebe es wie bei den Zähnen auch für die Seele viele Möglichkeiten, vorbeugend etwas zu tun. Besonders wichtig sei die schnelle Hilfe. Bei der AOK dauere es nur zwei Wochen, bis man einen Termin  bei einem Psychiater bekomme, andernfalls schon mal sechs Monate.

Am 9. Juli werden zwei selbst Betroffene über ihre Erfahrungen mit Depressionen sprechen: Stefan Plaaß  leidet seit gut einem Jahrzehnt unter Depressionen. Er hat in St. Georgen eine Selbsthilfegruppe gegründet. Er  will am Informationsabend von sich berichten, wie  er sich selbst hilft und wie die Selbsthilfegruppe arbeitet. Was nicht klappt, sei die Hoffnung: „Du kommst aus der Klinik und bist geheilt. Pustekuchen.“ Man müsse die Krankheit annehmen und positiv denken.

Ebenfalls schon lange leidet Andy Feind an einer chronischen Depression. Er habe sehr lange gewartet, bis er sich behandeln ließ: „Bis der Leidensdruck so hoch war, dass es nicht mehr ging.“ Schließlich schrieb er ein Buch über seine Erkrankung, das habe wie eine Selbsttherapie gewirkt. Wichtig sei ihm auch, dass darüber gesprochen werde, dass viele an Depressionen erkrankte Menschen Selbstmordgedanken  hegen. Dr. Fetzner bestätigt dies. Bis zu 15 Prozent der Betroffenen würden sich tatsächlich das Leben nehmen.

Hauptsymptome einer Depression seien niedergedrückte Stimmung, Antriebsstörungen und Freudlosigkeit. Hinzukommen Nebensymptome  ­wie Schuldgefühle, Ängste, sozialer Rückzug und Selbstmordgedanken. Ganz wichtig für die Betroffenen sei zu erkennen: „Depressionen sind nichts, wofür man sich schämen muss.“

Corinna Groß und Lisa Hezel von der Kontakt- und Informationsstelle für gesundheitsbezogene Selbsthilfe bei der AOK haben die Infoveranstaltung organisiert. „Wir wollen Betroffene, aber auch Angehörige und Freunde aufklären und informieren“, erläutert Hezel die Ziele des Abends.“Wir wollen sie ermutigen, sich helfen zu lassen.“

Info: Die Info-Veranstaltung zu Depressionen ist am Dienstag, 9. Juli, im „Subiaco“ in der Majolika in Schramberg. Sie beginnt um 18 Uhr mit Infoständen. Ab 19 Uhr folgen die Vorträge.

 

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