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Samstag, 7. Dezember 2019
Start In Kür­ze Kur­se & Vor­trä­ge „Für Depres­sio­nen muss man sich nicht schä­men“

„Für Depressionen muss man sich nicht schämen“

Kran­ken­kas­se infor­miert am 9. Juli in Schram­berg über psy­chi­sche Erkran­kung

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SCHRAMBERG – Die Chan­ce, bes­ser die Gefahr, an einer Depres­si­on zu erkran­ken, ist groß: Rein sta­tis­tisch gese­hen trifft es wohl jeden fünf­ten Deut­schen ein­mal im Leben. Grund genug für die AOK, sich die­ser psy­chi­schen Erkran­kung inten­siv zu wid­men. Am 9. Juli ver­an­stal­tet die Kran­ken­kas­se in Schram­berg dazu einen Infor­ma­ti­ons­abend mit Fach­leu­ten und Betrof­fe­nen.

Die Kran­ken­kas­se hat ihre Sta­tis­tik durch­fors­tet und kommt auf erschre­cken­de Zah­len:  Im Jahr 2017 erkrank­ten im Kreis Rott­weil gut 10.000 AOK-Ver­­­si­cher­­te an einer Depres­si­on, hoch­ge­rech­net wären das etwa 18.000 Erkrank­te im  Kreis oder etwa 13 Pro­zent, so Corin­na Groß von der AOK. Zwei Drit­tel davon sei­en Frau­en.

Es sei ähn­lich wie beim Zahn­arzt auch bei Depres­sio­nen: „Die Leu­te gehen erst dann zum Arzt, wenn es weh tut“, sagt Dr. Andrea Fetz­ner, Ärz­tin für psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin und Psy­cho­the­ra­pie aus Bad Dür­rheim. Dabei gebe es wie bei den Zäh­nen auch für die See­le vie­le Mög­lich­kei­ten, vor­beu­gend etwas zu tun. Beson­ders wich­tig sei die schnel­le Hil­fe. Bei der AOK daue­re es nur zwei Wochen, bis man einen Ter­min  bei einem Psych­ia­ter bekom­me, andern­falls schon mal sechs Mona­te.

Am 9. Juli wer­den zwei selbst Betrof­fe­ne über ihre Erfah­run­gen mit Depres­sio­nen spre­chen: Ste­fan Plaaß  lei­det seit gut einem Jahr­zehnt unter Depres­sio­nen. Er hat in St. Geor­gen eine Selbst­hil­fe­grup­pe gegrün­det. Er  will am Infor­ma­ti­ons­abend von sich berich­ten, wie  er sich selbst hilft und wie die Selbst­hil­fe­grup­pe arbei­tet. Was nicht klappt, sei die Hoff­nung: „Du kommst aus der Kli­nik und bist geheilt. Pus­te­ku­chen.“ Man müs­se die Krank­heit anneh­men und posi­tiv den­ken.

Eben­falls schon lan­ge lei­det Andy Feind an einer chro­ni­schen Depres­si­on. Er habe sehr lan­ge gewar­tet, bis er sich behan­deln ließ: „Bis der Lei­dens­druck so hoch war, dass es nicht mehr ging.“ Schließ­lich schrieb er ein Buch über sei­ne Erkran­kung, das habe wie eine Selbst­the­ra­pie gewirkt. Wich­tig sei ihm auch, dass dar­über gespro­chen wer­de, dass vie­le an Depres­sio­nen erkrank­te Men­schen Selbst­mord­ge­dan­ken  hegen. Dr. Fetz­ner bestä­tigt dies. Bis zu 15 Pro­zent der Betrof­fe­nen wür­den sich tat­säch­lich das Leben neh­men.

Haupt­sym­pto­me einer Depres­si­on sei­en nie­der­ge­drück­te Stim­mung, Antriebs­stö­run­gen und Freud­lo­sig­keit. Hin­zu­kom­men Neben­sym­pto­me  ­wie Schuld­ge­füh­le, Ängs­te, sozia­ler Rück­zug und Selbst­mord­ge­dan­ken. Ganz wich­tig für die Betrof­fe­nen sei zu erken­nen: „Depres­sio­nen sind nichts, wofür man sich schä­men muss.“

Corin­na Groß und Lisa Hezel von der Kon­­takt- und Infor­ma­ti­ons­stel­le für gesund­heits­be­zo­ge­ne Selbst­hil­fe bei der AOK haben die Info­ver­an­stal­tung orga­ni­siert. „Wir wol­len Betrof­fe­ne, aber auch Ange­hö­ri­ge und Freun­de auf­klä­ren und infor­mie­ren“, erläu­tert Hezel die Zie­le des Abends.“Wir wol­len sie ermu­ti­gen, sich hel­fen zu las­sen.“

Info: Die Info-Ver­­an­stal­­tung zu Depres­sio­nen ist am Diens­tag, 9. Juli, im „Sub­ia­co“ in der Majo­li­ka in Schram­berg. Sie beginnt um 18 Uhr mit Info­stän­den. Ab 19 Uhr fol­gen die Vor­trä­ge.

 

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