Geplanter Neubau einer Sporthalle: ein lang gehegter Wunsch der Zimmerner

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Der Wunsch nach der Sporthalle auf der Gemarkung Zimmern ist Jahrzehnte alt. Das berichtet die Gemeindeverwaltung in einer Pressemitteilung. Bereits 1970 hat sich der Gemeinderat der damaligen Gemeinde Zimmern damit befasst. Doch die finanziellen Mittel fehlten wie so oft oder andere Maßnahmen waren dringlicher. So begleitete das Thema bereits mehrere Bürgermeister in ihrer Amtszeit, ohne dass ein Bau möglich schien. Die Gemeinde hat nun eine Rückschau veröffentlicht, wie der 9,5-Millionen-Euro-Bau nun doch Wirklichkeit werden kann. Wir veröffentlichen den Bericht im Wortlaut.

Anhand von Aktennotizen und weiteren Unterlagen lässt sich die Zeit ab 2013 genau darstellen, in der die Sporthalle konkreter wurde und in greifbare Nähe rückte – auch dank einer soliden Finanzführung und deutlich wachsenden Steuereinnahmen (unter anderem Gewerbesteuer, Anteil aus der Einkommensteuer.). Bei der Klausurtagung im Herbst 2013 kam das Thema Neubau Sporthalle auf die Agenda und der damalige Gemeinderat sprach sich mehrheitlich für die Notwendigkeit und einen möglichen Neubau einer Sporthalle aus. So folgten im Frühjahr 2014 gemeinsame Beratungen, um die Standortfrage für die Halle zu erörtern.

Ebenso wurde der Standort beim Sportplatz in Zimmern beraten, für den bereits ein rechtskräftiger Bebauungsplan besteht, der das Projekt schon vor etwa 25 Jahren am Sportplatz vorgesehen hat. Hierauf folgte das klare Bekenntnis in einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats in der Gemeinderatssitzung im April, dass die Sporthalle im Bereich des Sportgeländes angesiedelt werden soll.

Nun folgten die für den Grunderwerb notwendigen Kaufverhandlungen für die dreiteilbare Sporthalle. Im Dezember desselben Jahres schrieb der Sportverein Zimmern einen offenen Brief an die Verwaltung sowie an den Gemeinderat, in der nochmals die Dringlichkeit des Neubaus einer Sporthalle dargelegt wurde.

Im Frühjahr 2016 begann man mit einer ersten Besichtigungsfahrt von Sporthallen in der Region. Ein Gremium aus Vertretern des Gemeinderats, von Vereinen und Verwaltung machte man sich ein Bild von dem Machbaren und wirklich Notwendigen. Auch wurde beleuchtet, welche Unterschiede mit einer 2- oder 3-Feld-Sporthalle einhergehen. Im November 2016 entschied der Gemeinderat einstimmig, die Erstellung einer Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Hierfür wurde das renommierte Architekturbüro Hähnig-Gemmeke aus Tübingen ausgewählt. 

Bereits zwei Monate später – im Januar 2017 stelle der CDU-Ortsverband Zimmern einen Antrag auf Prüfung und Kostenvergleich zum Bau einer Mehrzweckhalle. In der Juli-Sitzung des Gemeinderats stellte das beauftragte Architekturbüro die Machbarkeitsstudie vor, aus dessen Empfehlung sich der Gemeinderat für das weitere Verfahren in Form eines Architektenwettbewerbs (Preisgericht) aussprach. Ebenso war man sich einig, zur Begleitung des Verfahrens einen Arbeitskreis „Sporthalle“ zu gründen, der neben Vertretern aus dem Gemeinderat und der Verwaltung auch sportlichen Vereine sowie die Jugend mit Vertretern aus deren Reihen miteinbezog. Im selben Jahr war der notwendige Grunderwerb für die Sporthalle am Sportplatz in Zimmern abgeschlossen. Hierzu und zum Antrag der CDU erfolgte eine Abfrage der Vereine über die Nutzung und den Erhalt der Festhalle für die politische Diskussion für eine Mehrzweckhalle sowie für die eventuelle Teilnahme an einem Arbeitskreis „Sporthalle“. Die Ergebnisse zum Thema „Mehrzweckhalle“ flossen in den Diskurs in der Klausurtagung im Herbst 2017 mit ein. Es wurde beschlossen, dass keine Mehrzweckhalle, sondern eine reine Sporthalle entstehen solle. Die Festhalle im Ort solle erhalten werden, da sie „im Herzen von Zimmern“ stehe und gerade für kulturelle Veranstaltung ein wichtiges Zentrum bilde. Zudem wusste man bereits, dass eine Mehrzweckhalle einige Mehrkosten, u. a. auch durch besondere Brandschutzbestimmungen und Bühnenbau, mit sich bringen.

Der Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern des Gemeinderats, nahezu aller sportlichen Vereine, der KJG sowie der Verwaltung nahm im März 2018 seine Arbeit auf. Zur Seite stand in fachlicher Sicht das beauftragte Architekturbüro Hähnig-Gemmeke mit Herrn Prof. Mathias Hähnig. Im April erfolgte mit Gemeinderat und Arbeitskreis eine weitere Besichtigungsfahrt von beispielhaften Hallen in der Region sowie weitere Sitzungen des Arbeitskreises, sodass im selben Monat bereits die Vorbereitungen der Ausschreibung gestartet werden konnten. Im Juni erarbeitete der Arbeitskreis in einer Vorberatung den Entwurf der Auslobung für den geplanten Architektenwettbewerb, sodass im selben Monat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss dazu fassen konnte. In der Gemeinderatssitzung wurden von Prof. Hähnig die wesentlichen Bestandteile der Auslobung für den geplanten Idee- und Realisierungswettbewerb (das sogenannte Preisgericht) zum Neubau einer Drei-Feld-Sporthalle sowie die Besetzung der Personen des Preisgerichts vorgestellt und diskutiert. Einstimmig erfolgte die Beauftragung des Architekturbüros Hähnig-Gemmeke zur Fertigstellung der Unterlagen, zum Start des Verfahrens sowie zur weiteren federführenden und unparteiischen Verfahrensbetreuung. Im August wurde der Ideen- und Realisierungswettbewerb veröffentlicht und fand reges Interesse in der Architektenwelt. Das Architekturbüro bereitete weiter mit den eingehenden Bewerbungen das Preisgericht vor.

Nun startete im März 2019 das mit Spannung erwartete Preisgericht in der Turn- und Festhalle in Zimmern. Die Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern (Fachpreisrichter: unabhängige Architekten aus Baden-Württemberg, Sachpreisrichter: Vertreter aus Gemeinderat, Vereinen und Verwaltung) beriet in einem streng anonymisierten Verfahren über die zum Architektenwettbewerb (Ideen- und Realisierungswettbewerb) eingereichten Pläne und Modelle und kürte die Gewinner in einer nichtöffentlichen Sitzung. Das Ergebnis wurde der Bevölkerung am 16.03.2019 vorgestellt. Dazu hatte die Turn- und Festhalle geöffnet und alle Vorschläge der Architekten konnte begutachtet werden. Den ersten Platz belegte ein Entwurf des Zimmerner Architekturbüros Broghammer-Jana-Wohlleber. Auf dem zweiten Platz kam die Planung des Reutlinger Büros Riehle und Assoziierte GmbH. Der dritte Preis ging an das Berliner Büro Scheel-Wetzel. Wenige Tage darauf wurde im Gemeinderat zum Preisgerichtsverfahren und der weiteren Vorgehensweise informiert. Nach Ablauf der Einspruchsfrist im Mai erfolgte ein Verhandlungsverfahren mit zwei der drei Preisträger (bei Absage eines Preisträgers), in dessen Ergebnis die Beauftragung des Gewinners des Preisgerichts, das Architekturbüro Broghammer-Jana-Wohlleber aus Zimmern und der Fachplaner erfolgte. Im Herbst setzte der Arbeitskreis „Sporthalle“ seine Arbeit mit dem detaillierten Raumprogramm sowie des Außenbereiches fort. Darüber wurde in der darauffolgenden Sitzung im Oktober der Gemeinderat zu den Ergebnissen in Kenntnis gesetzt. In der Haushaltsplanung für 2020 wurde für die Antragstellung eine Kostenschätzung von 9,2 Mio. € beziffert. Der Antrag auf Förderung wurde beim Regierungspräsidium Freiburg gestellt.

In der März-Sitzung 2020 des Gemeinderats wurde dieser auf den aktuellen Stand gebracht. Ebenso wurde das Architekturbüro Broghammer-Jana-Wohlleber beauftragt, mögliches Einsparpotential zu suchen. Im Mai kam dann die Nachricht: Das Regierungspräsidium Freiburg hatte den Förderantrag abgelehnt. Man schritt jedoch weiter fort: Der Arbeitskreis beriet über die vom Architekten vorgeschlagenen Einsparpotentiale in einer konstruktiven Sitzung vor. Diese wurden ebenso im Gemeinderat in einer Sitzung im Herbst beraten und gebilligt. Einsparpotentiale in Höhe von 767.000 € (z. B. andere Erschließung, Anhebung des Hallenbodens um 50 cm, Umkleiden schmaler, Haustechnik) führten zu einer neuen Kostenberechnung in Höhe von  8,49 Mio. €. Das Projekt wurde nach Beschluss des Gemeinderats wegen der coronabedingt ungewissen Weiterentwicklung auf Eis gelegt. 

Im Rahmen der Anträge für den Haushalt 2022 wurde durch zehn Zimmerner Gemeinderäte am 20.10.2021 unter anderem festgestellt, dass „die Sanierung der „alten Festhalle“ im Ort gegenüber einer neuen Halle „außerhalb“ zu priorisieren“ sei, „da für die Finanzplanung der Gemeinde  die Hallensituation die größte ungeklärte Variable“ sei. 

In der Klausurtagung am 22.10.2021 wurde der von der Verwaltung vorbereitete Tagesordnungspunkt „3-Feld-Sporthalle“ (Darstellung von  Alternativen eine Mehrzwecknutzung, Beratung über den mittelfristigen Zeitplan…) daher nur kurz angesprochen, jedoch nicht weiter diskutiert. Eine weitere Beratung sollte in der öffentlichen Haushaltssitzung erfolgen.   

Mit Verweis auf die gute Einnahmenentwicklung der Gemeinde in 2021 und der getroffenen Grundsatzbeschlüsse erfolgte am 10.11.2021 ein Antrag des GR Guntram Ober auf Wiederaufnahme des Bauvorhabens, der Einstellung von Geldern in den Haushalt 2022 und der Antragstellung für Fördermittel. 

In der öffentlichen Haushaltsberatung am 23.11.2021 wies der Gemeinderat diesen Antrag einstimmig bei Enthaltung der Bürgermeisterin ab. Es wurden demzufolge keine Gelder in den Haushalt oder den Finanzplan eingestellt.  Die Wiederaufnahme des Projektes „Neubau Sporthalle“ sollte nach diesem Beschluss jedes Jahr neu abgewogen werden. Eine Überrechnung der Kosten erfolgte daher nicht. Ein Baubeginn wurde nicht festgelegt.

Anfang Dezember erfolgte ein erneuter Antrag von fünf Zimmerner Gemeinderäten, die die Wiederaufnahme des Projektes in den Haushalt 2022 sowie die erneute Beantragung der Fördermittel für 2022 beim Regierungspräsidium Freiburg forderten. Diesem Antrag wurde noch in der nächsten Sitzung im Dezember 2021 mehrheitlich stattgegeben.

Stand der Planungen in Zahlen und Fakten (Stand 12/2021):

Kostenschätzung für den Bau der Halle nach DIN 276 Sporthalle: 8.496.114,23 € 

Grunderwerb und Planungen (bereits investiert) ca. 400.000 €

Zuschusshöhe:    636.000 € (beantragt)

Der Antrag für 2022 wurde noch im Dezember 2021 gestellt. Mit einer Entscheidung ist im Mai/Juni 2022 zu rechnen.

Weitere Zuschüsse sind nicht zu erwarten.

Bewirtschaftungs- und Unterhaltsaufwendungen:

Zu den Bewirtschaftungs- und Unterhaltsaufwendungen der Sporthalle liegen Vergleichszahlen anderer Sporthallen vor. Es wird mit Betriebskosten in Höhe von 150.000 Euro pro Jahr gerechnet. Darin enthalten: Energie- und Heizungskosten, Gebäudereinigung, Wartungen, Unterhaltung, Hausmeister und so weiter.

Für eine Sporthalle wird (je nach Bauweise) eine Abschreibungsdauer von 40 bis 60 Jahren (hier: „teil-massiv“) angegeben. Somit kann man von 50 Jahren ausgehen, was bei Kosten – abzüglich möglicher Zuweisungen – von gerundet 9,5 Millionen Euro eine jährliche Belastung des Haushaltes mit 190.000 Euro bedeuten würde. 

Unter Annahme notwendiger Kreditfinanzierungen in Höhe von 5 Millionen Euro müssten, bei einer angenommenen Laufzeit von 30 Jahren und einem Zinssatz von 0,50 Prozent, noch mit jährlichen Zinsaufwendungen von beginnend 25.000 Euro – dann sinkend, grob 800 Euro/Jahr – gerechnet werden.

Dies sind aktuell grobe Planzahlen und durchschnittliche Beträge. Konkretere Berechnungen können erst nach detaillierterer Planung der Halle errechnet werden. Welche Kosten im Zuge einer 50-jährigen Nutzung auf die Gemeinde dann tatsächlich zukommen, kann die Verwaltung natürlich nicht abschließend abschätzen. 

Weiteres mögliches Vorgehen: 

  1. Entwurfsplanung
  2. Bauantrag
  3. Fachplanung von den einzelnen Ingenieurbüros
  4. Ausschreibung
  5. Rahmenterminplanung
  6. Baubeginn

Info: Bürgerinnen und Bürger, die Fragen zum Thema Neubau einer Sporthalle in Zimmern haben, können sich im Rathaus melden unter Tel. 0741/9291-12 oder eine E-Mail an [email protected] senden. Bürgermeisterin Carmen Merz lädt zudem auch persönlich oder virtuell zu einem Gespräch (hierzu bitte Termin vereinbaren).

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