Ghassan Adwan und Robert Benz mit Cria Julietta beim Wiegen

Vor vier Jah­ren zogen die ers­ten Alpa­kas nach Lau­ter­bach – und mit ihnen Robert Benz, Züch­ter aus Würz­burg. Im Gespräch mit der NRWZ erzählt er, wie es ihm ergan­gen ist.

Lan­ge habe er gesucht nach einem Grund­stück wie die­sem im Hin­ter­bach­tal in Lau­ter­bach, so Benz. Viel Platz sei Pflicht gewe­sen, Durch­gangs­ver­kehr uner­wünscht, und Aus­bau­mög­lich­kei­ten für Stäl­le habe er auch gebraucht. „Das ist gar nicht so leicht zu fin­den“, erzählt der End­vier­zi­ger. So sei das gro­ße Gelän­de mit zir­ka acht Hekt­ar ein Glücks­tref­fer gewe­sen.

Die ers­ten Jah­re ver­brach­te Benz mit dem Ein­zäu­nen des Ter­rains, dem Bau von zwei Stäl­len, und neben­her reno­vier­te er das Haupt­haus. Dort ist im Ober­ge­schoss eine Feri­en­woh­nung ent­stan­den, die ab sofort zu mie­ten sei – eigent­lich. Denn es hapert noch am Per­so­nal. „Ich fin­de nie­mand, der putzt“, klagt Benz. Auch bei den Alpa­kas braucht er Hil­fe. Die hat er zum Glück aber in Ghassan Adwan gefun­den, der regel­mä­ßig vor­bei­kommt und mit den Tie­ren hilft. Da gibt es viel zu tun.

Zur­zeit ist Hoch­sai­son bei den Gebur­ten. 25 jun­ge Alpa­kas erwar­tet Benz die­ses Jahr, 19 sind schon da. Er ist bei jeder Geburt dabei und sieht nach dem Rech­ten. Übri­gens auch bei jeder Zeu­gung – denn „nicht alle Hengs­te stel­len sich geschickt an“. Ein Alpa­ka-Baby heißt im Fach­jar­gon nicht Foh­len, son­dern Cria. Das kom­me aus Süd­ame­ri­ka, wo die Tie­re her­stam­men.

Die Cri­as wer­den jeden Tag gewo­gen, denn am Gewicht sehe man am ehes­ten, ob es den Klei­nen gut­geht. Außer­dem wird mit geüb­tem Griff der Cria-Schweif gelupft und geschaut, ob es Anzei­chen von Durch­fall gibt – auch das ein Indi­ka­tor für eine Krank­heit. Ansons­ten sei das mit dem Kot kein gro­ßes Putz-Pro­blem. „Die Tie­re sind sehr rein­lich“, erzählt Benz. „Sie machen ihr Häuf­chen immer an die glei­che Stel­le“.

An die hun­dert Alpa­kas leben mitt­ler­wei­le im Alpa­ca Vil­la­ge. Sein Geld ver­dient Benz vor allem mit dem Ver­kauf von Tie­ren. Der Markt sei rie­sig: „Mei­ne Alpa­kas wer­den zur Zucht gekauft oder als Hob­by-Tie­re, im Tou­ris­mus und für Trek­king-Tou­ren.“ Auch Eier-Pro­du­zen­ten sei­en dank­ba­re Abneh­mer, da Alpa­kas Füch­se abweh­ren. Zudem ver­mie­tet Benz sei­ne teils hoch­prä­mier­ten Deck­hengs­te und ver­mark­tet die Wol­le.

Alpaka-Wolle: etwas ganz Besonderes

Ein­mal im Jahr wer­den die Tie­re gescho­ren. Anti-all­er­gen, sehr gut wär­mend und kusche­lig: Alpa­ka-Wol­le ist ein Super-Pro­dukt.

Die Lau­ter­ba­cher Wol­le geht nach Öster­reich. Dort wird sie zu Alpa­ka-Kis­sen und -bett­de­cken ver­ar­bei­tet. Ein Teil davon kommt wie­der zurück nach Lau­ter­bach. Denn auf dem Alpa­ka­hof soll bald auch ein Hof­la­den ent­ste­hen – „die Bau­ge­neh­mi­gung habe ich schon“, so Benz. Außer den eige­nen Pro­duk­ten wol­le er auch aus Peru impor­tie­ren: Socken, Decken, Jacken, Schals – die Pro­dukt­pa­let­te ist groß.

Fotos: sra

Aller­dings müs­se er eins nach dem ande­ren machen, als Ein­zel­kämp­fer habe er nur beschränk­te Kapa­zi­tä­ten. „Wenn das mit der Feri­en­woh­nung läuft, dann will ich auch Trek­king-Tou­ren anbie­ten, viel­leicht auch etwas mit den hie­si­gen Kin­dern“, so sei­ne Idee. Bis alles soweit ist und die Visi­on vom Drei­klang aus Zucht, Tou­ris­mus und Han­del Wirk­lich­keit wird, dau­ert es noch ein biss­chen. Doch der Weg ist das Ziel, und „ein­mal in die Augen eines Alpa­kas geschaut, und man ist ruhig und geer­det“.                                             sra

Info: Alpa­ca Vil­la­ge, Hin­ter­bach 7 in Lau­ter­bach. info@alpaca-village.de