Heckler und Koch: Marc Roth wieder dabei

Von Scheuch gefeuerter Prokurist zurückgekehrt

Heckler und Koch in Oberndorf. Foto: him

OBERNDORF (him) – Beim Waf­fen­her­steller Heck­ler und Koch herrscht ein reges Kom­men und Gehen. Nach­dem Ende August der Vor­standsvor­sitzende Nor­bert Scheuch von einem Tag auf den anderen gefeuert wurde, ist ein ander­er promi­nen­ter HKler wieder zurück: Marc Roth, Pro­duk­ten­twick­ler und für viele der strate­gis­che Kopf des Unternehmens, sei wieder an Bord.

Das hat die NRWZ aus den  „gewöhn­lich gut unter­richteten Kreisen“ erfahren. Eine schriftliche Anfrage vom Mon­tag dazu hat das Unternehmen bis zur Stunde (Dien­stag, 19 Uhr) nicht beant­wortet.

Roth war vom dama­li­gen Fir­menchef Scheuch vor eini­gen Monat­en ent­lassen wor­den. Eine „betrieb­s­be­d­ingte Kündi­gung“ nan­nte er das im Gespräch mit der NRWZ nach der Aktionärsver­samm­lung am 15. August in Sulz-Glatt.

Roth sei für zwei Auf­gaben zuständig gewe­sen. Die eine, die Pro­duk­t­strate­gie, sei in die Ver­trieb­sabteilung ver­lagert wor­den. „Die andere, das The­ma Son­der­auf­gaben das war im wesentlichen das G 36, das ist wegge­fall­en. Wir haben den Prozess mit der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land abgeschlossen“, so Scheuch im Inter­view.  Man habe Roth gekündigt, weil seine „Arbeit wegge­fall­en“ sei, so die wenig überzeu­gende Erk­lärung. Für den langjähri­gen Mitar­beit­er Roth wäre eine sehr hohe Abfind­ung fäl­lig gewe­sen.

Gedopte Taliban brauchen dickeres Kaliber

Roth war nach eige­nen Angaben als „Prokurist in den Funk­tio­nen Leit­er Pro­duk­t­strate­gie und Leit­er Son­der­auf­gaben“ bei HK. Er beri­et seit etwa 15 Jahren mil­itärische und polizeiliche Spezialkräfte, zwis­chen 2003 und 2013 schw­er­punk­t­mäßig US Spe­cial Forces im Zusam­men­hang mit deren Anti-Ter­ror-Ein­sätzen in Afghanistan und dem Irak, wie er in  www.polizeipraxis.de über sich schrieb.

In diesem Zusam­men­hang hat er im „Info­Brief Heer“ vor fünf Jahren erk­lärt, die mil­itärischen Prob­leme mit den Tal­iban in Afghanistan hät­ten auch damit zu tun, dass Dro­genkon­sum in Afghanistan seit der Jugend „sozialüblich“ sei: „Es ist davon auszuge­hen, dass unsere Sol­dat­en im Gefecht ‚gedopte‘ Geg­n­er beschießen, deren Schmerzempfind­en durch Haschisch oder Opi­ate selb­st bei letal­en Tre­f­fern mas­siv reduziert ist.“

In der Sprache des Tech­nokrat­en erk­lärt er weit­er: “In der Folge kann daher nur ein erhöhter Energi­etrans­fer in den Geg­n­er weit­er­führen, um die Wahrschein­lichkeit sein­er Außerge­fecht­set­zung zu erhöhen. Dies kann im Gewehrbere­ich nur mit dem Kaliber 7.62 mm NATO (dop­pelte Energie der 5.56 mm NATO) aus­re­ichend real­isiert wer­den.“ (Info­brief Heer 1/2012). Kein Zufall sich­er, dass HK mit dem G27k das passende Gewehr mit Kaliber 7,62 mm anbi­etet, was Roth in besagtem Artikel denn auch gle­ich noch erwäh­nt.

Was bleibt von der neuen Unternehmensausrichtung bei Heckler und Koch?

Dieser Marc Roth ist nun mut­maßlich wieder in Obern­dorf-Lin­den­hof dabei. Mit der bei ihm so einges­parten Abfind­ung kann das Unternehmen dann die möglicher­weise fäl­lige Aus­löse für den geschas­sten Vor­stand­schef Scheuch begle­ichen. Scheuch hat­te sich dafür stark gemacht, die Unternehmen­skul­tur bei Heck­ler und Koch zu ändern.

Er hat­te durchge­set­zt, dass das Unternehmen nur noch an „grüne“ Län­der Waf­fen liefert. Umstrit­tene Staat­en wie die Türkei, Sau­di-Ara­bi­en oder Mexiko soll­ten tabu sein.  Am 12. Dezem­ber sehen sich die Parteien vor dem Landgericht Rot­tweil. Da wird Scheuchs Kündi­gungss­chutzk­lage ver­han­delt.

Nach­trag: Bis dato — Fre­itag­mit­tag — hat das Unternehmen auf eine NRWZ Anfrage vom 16. Okto­ber nicht geant­wortet. Eine zweite Quelle aus dem Unternehmen hat uns aber die Rück­kehr Marc Roths zu HK inzwis­chen bestätigt.