DIETINGEN – Für die dies­jäh­ri­ge Haupt­übung hat­te sich die Gesamt­feu­er­wehr Die­tin­gen das Hof­gut Hohen­stein aus­er­ko­ren. Das geschah aus gut über­leg­ten Grün­den: Der Gebäu­de­kom­plex liegt außer­halb der Orts­la­ge und die Was­ser­för­de­rung bringt eini­ge Her­aus­for­de­run­gen mit sich.

Alar­miert wur­den alle Gemein­de­weh­ren um 13.30 Uhr per Funk­mel­de­emp­fän­ger und Sire­ne. Bereits sie­ben Minu­ten nach der Alar­mie­rung erreich­te die Die­tin­ger Orts­wehr das Gelän­de, wel­ches zwi­schen der A81 und dem Neckar­tal liegt. Nach einer knap­pen Vier­tel­stun­de waren die wei­ter ent­fern­ten Abtei­lun­gen Irs­lin­gen, Göss­lin­gen, Böh­rin­gen und Roten­zim­mern eben­falls vor Ort.

Die Die­tin­ger Wehr simu­lier­te eine Ver­puf­fung in der Hack­schnit­zel­hei­zung, wel­che in der Fol­ge einen Brand in der Maschi­nen­hal­le aus­ge­löst hat. Eine unbe­kann­te Anzahl an Per­so­nen wur­de bei die­ser Ver­puf­fung ver­letzt, da sie sich zum Unglücks­zeit­punkt zur Instand­set­zung einer Maschi­ne in der Hal­le befun­den hat­ten. Die Ver­letz­ten wur­den von der Jugend­feu­er­wehr Die­tin­gen gestellt.

Die Her­aus­for­de­rung der Feu­er­wehr lag in zwei Berei­chen: Der Men­schen­ret­tung und der Brand­be­kämp­fung. Bei­de Berei­che waren bei die­ser Haupt­übung beson­ders schwie­rig gestal­tet. Durch eine star­ke Rauch­ent­wick­lung wur­de die Men­schen­ret­tung erschwert, wes­halb die Feu­er­wehr mit Atem­schutz­ge­rä­te­trä­gern zur Ein­satz­stel­le vor­rü­cken muss­te.

Zudem wur­den die Ver­letz­ten durch umfal­len­de Gegen­stän­de teil­wei­se stark ein­ge­klemmt. So wur­de eine Per­son unter einem Trak­tor ein­ge­klemmt und muss­te mit einem Hebe­kis­sen befreit wer­den. Drei wei­te­re Ver­letz­te wur­den auf Anhän­gern gefun­den und muss­ten scho­nend über die hohe Lade­kan­te geret­tet wer­den. Gut 20 Minu­ten nach der Alar­mie­rung konn­te der ers­te Ver­letz­te dem Ret­tungs­dienst über­ge­ben wer­den. Die rest­li­chen Per­so­nen konn­ten in den dar­auf­fol­gen­den Minu­ten in Sicher­heit gebracht wer­den.

Zur Brand­be­kämp­fung muss­te eine mehr­stu­fi­ge Was­ser­ver­sor­gung auf­ge­baut wer­den. Das Hof­gut befin­det sich außer­halb des Die­tin­ger Was­ser­net­zes, wes­halb die Feu­er­wehr kei­ne Hydran­ten zur Was­ser­ent­nah­me ver­wen­den konn­te. Statt­des­sen ver­fügt der Hohen­stein-Gebäu­de­kom­plex über einen 180 Kubik­me­ter gro­ßen Was­ser­be­häl­ter, in dem Lösch­was­ser gespei­chert wird. Die­ser Spei­cher ist im Brand­fall von beson­de­rer Wich­tig­keit, damit die Feu­er­wehr direkt nach dem Ein­tref­fen mit der Brand­be­kämp­fung begin­nen kann. So hat die Wehr par­al­lel zur Men­schen­ret­tung mit dem Auf­bau einer Was­ser­ver­sor­gung aus dem Spei­cher begon­nen.

Der Was­ser­vor­rat des Spei­chers ist jedoch begrenzt und reicht je nach Brand­si­tua­ti­on für etwa eine Stun­de Lösch­zeit. Daher muss­te die Feu­er­wehr eine par­al­le­le Was­ser­ver­sor­gung vom Neckar hoch zum Übungs­ob­jekt auf­bau­en. Dabei galt es einen Höhen­un­ter­schied von etwa 70 Metern zu über­win­den. Dabei setz­te die Feu­er­wehr auf eine vor­han­de­ne Stei­glei­tung sowie den Auf­bau einer eige­nen Schlauch­lei­tung.

Die Feu­er­wehr posi­tio­nier­te zwei Ein­satz­fahr­zeu­ge mit Pum­pe am Neckar. Ein Ein­satz­fahr­zeug ver­sorg­te die cir­ca 500 Meter lan­ge Stei­glei­tung bis zum Hof­gut. Für eine rei­bungs­lo­se Was­ser­ver­sor­gung muss­te am Ende der Stei­glei­tung eine zwei­te Pum­pe instal­liert wer­den. Die­se stell­te einen für die Lösch­ar­bei­ten aus­rei­chend hohen Was­ser­druck sicher. Etwa 30 Minu­ten nach der Alar­mie­rung war die­se Lei­tung was­ser­füh­rend und konn­te mit in die Brand­be­kämp­fung inte­griert wer­den.

Für den Auf­bau der Schlauch­lei­tung vom Neckar bis zum Hof­gut war viel Mus­kel­kraft nötig. Die Lei­tung hat­te eine Län­ge von gut 1400 Metern und wur­de ent­lang der Stra­ße gelegt, die eigens für die Übung gesperrt wur­de. Der Auf­bau war not­wen­dig, da der Druck der Stei­glei­tung nicht für einen grö­ße­ren Lösch­an­griff aus­reicht. Für das Betrei­ben die­ser XXL-Lei­tungs­stre­cke waren vier leis­tungs­star­ke Pum­pen der Feu­er­wehr nötig. Ein­satz­be­reit war sie 45 Minu­ten nach Ein­tref­fen der Wehr.

Mit die­ser mehr­stu­fi­gen Was­ser­ver­sor­gung konn­te eine lücken­lo­se Was­ser­ver­sor­gung über den kom­plet­ten Übungs­ver­lauf sicher­ge­stellt wer­den. In Sum­me hat die Feu­er­wehr bei die­ser Übung gut 1800 Meter an Schlauch­lei­tun­gen ver­legt. Mit die­sem Kon­zept soll auch im Fal­le eines Groß­ereig­nis­ses eine zeit­in­ten­si­ve Brand­be­kämp­fung ermög­licht wer­den.

Um eine rei­bungs­lo­se Kom­mu­ni­ka­ti­on über das weit­läu­fi­ge Ein­satz­ge­biet sicher­stel­len zu kön­nen, wur­de der Funk­ver­kehr in meh­re­re Kanä­le auf­ge­teilt. Somit konn­ten die Anwei­sun­gen und Rück­fra­gen bes­ser kana­li­siert und aus­schließ­lich den aus­füh­ren­den Ein­satz­kräf­ten zugäng­lich gemacht wer­den. Bei der Übung waren 62 Ein­satz­kräf­te auf sechs Ein­satz­fahr­zeu­gen vor Ort. Übungs­en­de konn­te um 14.50 Uhr ver­mel­det wer­den.