Hannes Oesterle (dritter von rechts) informiert die Besuchergruppe der Grünen auf dem Gelände der Firma Alba in Dunningen. Foto: pm

Einen unge­wöhn­li­chen Betriebs­be­such haben die Grü­nen im Kreis Rott­weil orga­ni­siert: Die Son­der­ab­fall­an­la­ge der Fir­ma ALBA in Dun­nin­gen. Dar­über berich­ten sie in einer Pres­se­mit­tei­lung:

„Bit­te nichts anfas­sen“, bit­tet Geschäfts­füh­rer Han­nes Oes­ter­le die etwa 20 Inter­es­sier­ten, dar­un­ter auch drei Kreis- und Gemein­de­rä­te der Grü­nen, „wir behan­deln vie­le ver­schie­de­ne Abfall­stof­fe.“ Da kön­ne man nicht wis­sen, was man da gera­de an die Hand bekom­me. Das Gelän­de sei „kom­plett gekap­selt“ und wer­de stän­dig von Exper­ten aus dem Regie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg über­wacht.

Aus Schrägle wurde Alba

Oes­ter­le streift kurz die Geschich­te des Fami­li­en­un­ter­neh­mens Alba aus Ber­lin, das die Fir­ma U‑plus vor über zehn Jah­ren von der EnBW gekauft hat­te. U‑plus sei­ner­seits hat­te den Dun­nin­ger Abfall­ent­sor­ger Schräg­le gekauft.  Die Alba Süd, zu der der Dun­nin­ger Betrieb gehö­re beschäf­ti­ge etwa 360 Leu­te an acht Stand­or­ten. Vom Lage­ris­ten über den che­misch-tech­ni­schen Assis­ten­ten bis hin zum pro­mo­vier­ten Che­mi­ker rei­chen die Qua­li­fi­ka­tio­nen.

Vor einem gro­ßen Tank­fahr­zeug  schil­dert Oes­ter­le die Auf­ga­ben des Ent­sor­gers und Recy­cling­spe­zia­lis­ten. Gefahr­stof­fe, die in der Pro­duk­ti­on der Indus­trie anfal­len, sam­meln und auf­be­rei­ten. „Wäh­rend nicht stoff­lich ver­wert­ba­res oder che­misch-phy­si­ka­lisch behan­del­ba­res Mate­ri­al in der Son­der­ab­fall­ver­bren­nung einer schad­lo­sen und umwelt­ge­rech­ten Ent­sor­gung zuge­führt wird“, wie das Unter­neh­men erklärt.

Mit dem Saug­fahr­zeug wür­den bei­spiels­wei­se Bohr­emul­sio­nen, Säu­ren, Lau­gen, Spül­wäs­ser oder ande­re flüs­si­ge Stof­fe abge­holt. „Die Fah­rer sind beson­ders geschult für Gefahr­gut­trans­port und Che­mie“, so Oes­ter­le. Vom Lage­ris­ten über den che­misch-tech­ni­schen Assis­ten­ten bis hin zum pro­mo­vier­ten Che­mi­ker rei­chen die Qua­li­fi­ka­tio­nen der Alba-Fach­leu­te.

Alles unter Unterdruck

Die Grup­pe geht eine Zufahrts­ram­pe hin­auf und betritt die „Hal­le Nord.“ Hier wer­den fes­te Abfäl­le gela­gert.  Ein schar­fer Löse­mit­tel­ge­ruch steigt in die Nase. „Drau­ßen haben Sie nichts gero­chen, oder?“ Stimmt. „Das liegt dar­an, dass wir hier immer einen Unter­druck erzeu­gen.“ Gro­ße Ven­ti­la­to­ren sau­gen die Luft an und geben sie, nach­dem sie gefil­tert ist, über das Dach ins Freie.

Die Stof­fe hier wer­den sor­tiert und – je nach­dem mit Säge­mehl ver­setzt – zu einem pastö­sen Mate­ri­al gemischt, das je nach Zusam­men­set­zung in der Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge oder in eine spe­zi­el­le Son­der­müll­ver­bren­nung gebracht und ver­brannt wird.  Aus der hie­si­gen Metall­ver­ar­bei­tung kom­men vie­le Abfäl­le aus der Gal­va­nik. Chrom und ande­re hoch­wer­ti­ge Metal­le wür­den in spe­zi­el­len Auf­be­rei­tungs­an­la­gen rück­ge­won­nen.

Von der Hal­le Nord geht es hin­über in die Hal­le Süd, in der flüs­si­ge Stof­fe gela­gert sind. Vor einem gro­ßen grau­en Kas­ten bleibt Oes­ter­le ste­hen. Die Vaku­um­ver­damp­fungs­an­la­ge ist eine der neu­es­ten Alba-Errun­gen­schaf­ten in Dun­nin­gen. „Hier kön­nen wir Bohr­emul­sio­nen und Kühl­mit­tel wie­der in Was­ser und Öl tren­nen“, erläu­tert er. „Das ist wie eine Rie­sen­de­stil­le.“ Am Ende kommt Was­ser her­aus und ein kon­zen­trier­tes Öl, das als Ersatz­brenn­stoff ein­ge­setzt wer­den kann.

25.000 Tonnen pro Jahr

Im Labor zeigt Oes­ter­le der Grup­pe, wel­che Gerät­schaf­ten bereit ste­hen, um die ange­lie­fer­ten Stof­fe auf ihre Zusam­men­set­zung zu über­prü­fen. „Hier kommt das pral­le Leben an…“, wit­zelt er. Da die Dun­nin­ger Anla­ge eine von weni­gen der­ar­ti­gen Sam­mel­stel­len im Baden-Würt­tem­berg ist, kom­men die Trans­por­te teil­wei­se von weit her. Im Jahr darf die Anla­ge 25.000 Ton­nen umschla­gen.

Im Gespräch beant­wor­tet Oes­ter­le eine Rei­he Fra­gen zur Müll­ent­sor­gung und zum Recy­cling, etwa von moder­nen Lithi­um-Ionen-Bat­te­ri­en wie sie auch in E‑Autos ein­ge­setzt wer­den.

Im Namen der Grü­nen bedankt sich Hubert Nowack für den infor­ma­ti­ven Nach­mit­tag – und Oes­ter­le betont, dass sein Unter­neh­men jeder­zeit für Besu­cher­grup­pen offen ste­he.