Ich dachte, ich verrecke hier jetzt wie ein Tier”

Versuchter Mord an Joggerin in Schiltach: Opfer leidet noch immer

Spurensicherer der Polizei untersuchten am 19. Februar den Tatort bei Schiltach. Foto: privat

SCHILTACH/ROTTWEIL (mm) – Sie kann kaum reden, bricht immer wie­der in Trä­nen aus: Am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag beim Pro­zess um den Über­fall von Schiltach kam am Frei­tag das Opfer, die Frau, die im Febru­ar beim Jog­gen bru­tal über­fal­len wur­de, zu Wort. Der 24-Jäh­ri­ge mut­maß­li­che Täter sitzt seit­dem in Unter­su­chungs­haft und wird mit Fuß­fes­seln in den Gerichts­sal geführt.

 

Wäh­rend die Frau sicht­lich damit kämpft, den Fall zu schil­dern, ver­deckt der blon­de jun­ge Mann sein Gesicht, als ob er sich schä­me. Immer wie­der schaut der die zwei­fa­che Mut­ter an, die heu­te noch sehr unter der Tat lei­det, das Haus nicht allei­ne ver­las­sen kann, nach wie vor Schmer­zen hat. Sie hin­ge­gen wagt kei­nen Blick zur Ankla­ge­bank. „Ich kann ihn nicht anschau­en”, sagt sie lei­se. Dabei waren die bei­den für den­sel­ben Arbeit­ge­ber tätig, kann­ten sich womög­lich.

 

Überfall auf Joggingstrecke


Doch zur Tat: Vier­mal die Woche ging die Mut­ter zwei­er erwach­se­ner Söh­ne jog­gen, immer die glei­che Stre­cke, immer unge­fähr zur sel­ben Uhr­zeit, vor­mit­tags nach dem Früh­stück. An die­sem Febru­ar­tag fiel ihr das Auto des Ange­klag­ten auf, sie sah ihn an der Fah­rer­tür ste­hen. Aber das sei für sie nichts Auf­fäl­li­ges gewe­sen, hier sei­en auch oft Hun­de­be­sit­zer unter­wegs.

 

Dann sei sie auf die Brü­cke gelau­fen, und dort sei er gestan­den. Auch das nichts Auf­fäl­li­ges, sie habe „Hal­lo” sagen wol­len, doch dann sei sie gefal­len. Den Schlag mit dem Ham­mer habe sie gar­nicht bemerkt, erzählt sie unter Trä­nen, habe gedacht, über ihre Schnür­sen­kel gestol­pert zu sein. Habe sich auf­ge­rich­tet, dann habe er zwei­mal mit dem Ham­mer auf ihren Kopf geschla­gen. „Er war dann ganz nah bei mir, hat mir den Ham­mer gezeigt. Ich dache, ich muss ruhig blei­ben, darf jetzt nicht hys­te­risch wer­den.” Sie sag­te dann zu ihm, sie habe Angst, dar­auf­hin habe er noch ein­mal zuge­schla­gen. „Dir zeig ichs jetzt!”, sei­en sei­ne Wor­te gewe­sen.

 

Und dann habe er sie schließ­lich an den Haa­ren und der Jacke gepackt und von der Brü­cke zu sei­nem Auto geschleift. Schrei­en ging nicht, sag­te sie auf Nach­fra­ge des Vor­sit­zen­den Rich­ters Karl­heinz Mün­zer, der Hals war zuge­schnürt. „Ich dach­te, ich verreck‘ jetzt hier wie ein Tier!” Schließ­lich habe sie sich hoch­ge­zo­gen, an sei­nen Hosen, „an allem, wo ich mich hal­ten konn­te”, und plötz­lich fest­ge­stellt, dass er sie nicht mehr fest­hielt, sie sich umdre­hen und weg­lau­fen konn­te.

 

Sie habe gehört, wie er mit dem Auto weg­ge­fah­ren sei, dann an der nahe­lie­gen­den Stra­ße Hil­fe gesucht. Dabei habe es lan­ge gedau­ert, bis end­lich ein Auto ange­hal­ten habe und den Not­arzt hol­te. Ob der 24-Jäh­ri­ge nach Alko­hol gero­chen habe, woll­te Rich­ter Mün­zer von ihr wis­sen, doch das ver­nein­te sie. Aller­dings habe er einen irgend­wie „irren Blick” und gerö­te­te Augen gehabt.

 

Sie leidet bis heute


Wochen­lan­ge Schmer­zen, „ich konn­te nur im Sit­zen schla­fen”, auch heu­te noch kön­ne sie sich selbst nicht die Haa­re käm­men, und dazu die psy­chi­schen Pro­ble­me – sie ist heu­te noch schwer gezeich­net von der Tat. Wenn sie das Haus ver­lässt, muss ihr Mann oder einer ihrer Söh­ne sie beglei­ten, allei­ne schafft sie es nicht. Wes­halb sie auch nach wie vor nicht arbei­ten kann. Ihr The­ra­peut habe ihr Hoff­nung gemacht, dass es ihr bes­ser gehen könn­te, wenn der Pro­zess vor­bei ist.

Zu die­sem sind ins­ge­samt 41 Zeu­gen und zwei Sach­ver­stän­di­ge gela­den, er wird am Mon­tag um 9 Uhr im Rott­wei­ler Land­ge­richt fort­ge­setzt.