Im Kreis Rott­weil gibt es, wie bun­des­weit, immer weni­ger Heb­am­men. Haus­ge­bur­ten macht kei­ne mehr, das liegt vor allem an der hohen Haft­pflicht-Ver­si­che­rungs­sum­me, die dafür nötig wäre. 7500 Euro im Jahr sind das, für die meis­ten nicht leist­bar. Die Fol­ge ist eine Unter­ver­sor­gung im Kreis Rott­weil.

Ani­ta Frank, einst Vor­sit­zen­de des Kreis­heb­am­men­ver­bands, den es heu­te nicht mehr gibt, führt es etwa dar­auf zurück, dass immer mehr Papier­kram zu erle­di­gen ist. „Wir müs­sen viel mehr doku­men­tie­ren als frü­her. Was einst ein Traum­be­ruf für vie­le Frau­en war, fin­det heu­te immer weni­ger Inter­es­se”, sagt sie. Da bei den Kran­ken­kas­sen gespart wer­de, „ist der Job ein­fach nicht mehr attrak­tiv“, so Frank. Sie war die letz­te Heb­am­me, die im Kreis noch Haus­ge­bur­ten mach­te, doch das geht nicht mehr. Allein, um die hohe Ver­si­che­rungs­sum­me auf­zu­brin­gen, müss­te sie 14 Kin­der zur Welt brin­gen. „Aber mehr als 20 Gebur­ten im Jahr, das geht eigent­lich nicht.“ Ohne­hin bedeu­te der Beruf eine 70- bis 80-Stun­den-Woche.

Warnung vor Zunahme an Kaiserschnitten

Aber auch die Kli­ni­ken spa­ren: Heb­am­men wer­den gekün­digt und dann frei­be­ruf­lich wei­ter beschäf­tigt. Bis zu 40 Pro­zent der Kin­der kom­men an man­chen Orten per Kai­ser­schnitt zur Welt. „Das ist für sie wirt­schaft­li­cher“, sagt Frank. Dabei warnt sogar die WHO vor der dras­ti­schen Zunah­me von Kai­ser­schnit­ten und emp­fiehlt den Län­dern, die Frau­en wäh­rend der Schwan­ger­schaft zu betreu­en – durch Heb­am­men, ver­steht sich.

Dass es davon immer weni­ger gibt, bestä­tigt auch Kat­rin Klei­ner, die mit ihrer Kol­le­gin Kath­rin Burg­ba­cher zusam­men die Heb­am­men­ge­mein­schaft Rott­weil managt, die die Diens­te im Kreiß­saal der Heli­os-Kli­nik orga­ni­siert. Dort sind näm­lich nicht, wie bei­spiels­wei­se in Tutt­lin­gen, die Heb­am­men fest ange­stellt, son­dern frei­be­ruf­lich tätig.

Immer mehr hören auf

Vor­teil: „Wir ent­schei­den selbst, wie­viel wir arbei­ten“, so Klei­ner. Doch auch sie betont, dass es immer weni­ger Heb­am­men gibt, dass immer mehr Kol­le­gin­nen auf­hö­ren. Immer schwie­ri­ger wer­de es für die Schwan­ge­ren, jemand für Vor- und Nach­sor­ge zu fin­den. „Und die, die noch frei­be­ruf­lich tätig sind, könn­ten theo­re­tisch 24 Stun­den am Tag arbei­ten.“ Man­che Gegen­den, bei­spiels­wei­se die Regi­on Schram­berg, sei­en inzwi­schen ganz schlecht ver­sorgt.

Und es wer­de nicht bes­ser: Aktu­ell stei­gen die Gebur­ten­ra­ten, vie­le aus­län­di­sche Frau­en sind dar­un­ter. „An man­chen Tagen haben wir sie­ben ver­schie­de­ne Natio­na­li­tä­ten“, erzählt eine wei­te­re Heb­am­me.

Glückliche Lage” in Rottweil

Ein Pro­blem sieht man bei der Heli­os-Kli­nik dar­in nicht: „Wir sind in der glück­li­chen Lage, dass es bei der Heb­am­men­ge­mein­schaft nur sehr wenig per­so­nel­le Wech­sel gibt; bis­lang ist es den Heb­am­men auch immer gelun­gen, ihr Team wie­der zu ergän­zen, etwa im Fal­le von Eltern­zeit oder Krank­heit. Der­zeit sind alle Stel­len besetzt, so dass unser Kreiß­saal unein­ge­schränkt ver­füg­bar ist, so dass alle wer­den­den Müt­ter hier bes­tens betreut sind,“ sagt Andrea Schmi­der, Pres­se­spre­che­rin bei Heli­os.

Dass es zu weni­ge Heb­am­men gibt und Schwan­ge­re immer schlech­ter ver­sorgt sind, sieht inzwi­schen auch die Lan­des­re­gie­rung und will des­halb einen run­den Tisch ein­be­ru­fen, der spä­tes­tens ab Janu­ar Lösun­gen fin­den will. Ein Ver­sor­gungs­kon­zept soll da erar­bei­tet wer­den, denn an der Haft­pflicht­prä­mie kann das Land nichts ändern, das sei Bun­des­sa­che, sagt Bärbl Mie­lich, Staats­se­kre­tä­rin im Sozi­al­mi­nis­te­ri­um.