Start Land­kreis Rott­weil Kampf für die Demo­kra­tie: Das Reichs­ban­ner Schwarz-Rot-Gold Schiltach 1926–1933

Kampf für die Demokratie: Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Schiltach 1926–1933

Hans Har­ter rfe­riert zur Schilta­cher Geschich­te / Ver­an­stal­tung des SPD-Orts­ver­eins

-

Schiltach. Auf reges Inter­es­se ist die Ver­an­stal­tung des SPD-Orts­­ver­­eins Schiltach zum ”Kampf für die Demo­kra­tie. Das Reichs­ban­ner Schwarz-Rot-Gold Schiltach 1926–1933” gesto­ßen. Über den Ver­lauf der Ver­an­stal­tung infor­miert die Schilta­cher SPD in einer Pres­se­mit­tei­lung.

Am Beginn der Ver­an­stal­tung konn­te die Schilta­cher SPD-Vor­­­sit­zen­­de Frau Inge Wol­ber-Ber­t­hold zahl­rei­che Zuhö­rer aus Schiltach und auch aus den umlie­gen­den Gemein­den begrü­ßen. Sie freu­te sich, auch das der ehe­ma­li­ge Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te des Wahl­krei­ses Klaus Kir­sch­ner in den Adler-Saal gekom­men war. Nach einer kur­zen Vor­stel­lung des Refe­ren­ten Dr. Hans Har­ter über­gab Sie die­sem das Wort.

Hans Har­ter erblick­te in den Rei­hen direk­te Nach­fah­ren der frü­he­ren Reichs­ban­ner Mit­glie­der und grüß­te die­se sowie die zahl­reich erschie­nen Mit­glie­der des His­to­ri­schen Ver­eins für Mit­tel­ba­den. Der Refe­rent hat auch einen per­sön­li­chen Bezug. Sein Vater war im Reichs­ban­ner aktiv. Zur Ein­füh­rung sei­nes Vor­tra­ges stell­te er fest, das das The­ma Reichs­ban­ner auch heu­te wie­der aktu­ell ist. Sei­ne For­schun­gen zum The­ma begann Dr. Har­ter 1988 als ihm Elly Traut­wein unter ande­rem das Pro­to­koll­buch und die Fah­ne des eins­ti­gen Reichs­ban­ners über­gab. Die­se wur­den von Ihrem Vater Gott­lieb Traut­wein 1933 vor SA bezie­hungs­wei­se Poli­zei ver­steckt und über­stan­den dadurch die NS-Zeit.

Die Mit­glie­der des Reichs­ban­ners waren eher in den gro­ßen Indus­trie­städ­ten ver­tre­ten, eine
Ort­grup­pe in einer Klein­stadt wie Schiltach war eine Aus­nah­me. Die Mit­glie­der setz­ten sich aus den drei demo­kra­ti­schen Strö­mung der 1920er Jah­re zusam­men. SPD, DDP (Libe­ra­le) und Anhän­ger des poli­ti­schen Katho­li­zis­mus, in Schiltach katho­li­sche Arbei­ter aus dem Gesel­len­ver­ein. Die Mit­glie­der in Schiltach waren alle­samt Män­ner im bes­ten Alter. Die SPD stell­te mit etwa 80 Pro­zent den stärks­ten Anteil der zuletzt 73 Mit­glie­der. Die Mit­glied­schaft von Frau­en war nicht mög­lich.

Was hat die­se Män­ner bewo­gen? Der Reichs­ban­ner wur­de 1924 in Mag­de­burg gegrün­det. Die Stüt­zen waren Mit­glie­der der ver­fas­sungs­treu­en Par­tei­en SPD, DDP und vom Zen­trum. Unter dem Sym­bol der Reichs­far­ben rich­te­te sich Ihr Ein­satz gegen die Kräf­te die der neu­en demo­kra­ti­schen Repu­blik den Kampf ange­sagt hat­ten. Kom­mu­nis­ten, Mon­ar­chis­ten und Natio­nal­so­zia­lis­ten. Die­se hetz­ten gegen die Demo­kra­ten, mar­schier­ten für die Zer­schla­gung der Repu­blik auf und hat­ten kei­nen Skru­pel auch Gewalt gegen Reprä­sen­tan­ten des Staa­tes ein­zu­set­zen.

Die Schilta­cher Orts­grup­pe wur­de am 12. Mai 1926 gegrün­det. Wil­helm Bösch (DDP) und Chris­toph Wol­ber (SPD) bil­de­ten den Vor­stand. Die nähe­ren Umstän­de der Grün­dung kennt man nicht, viel­leicht war die­se eine Reak­ti­on auf den Grün­dungs­auf­ruf der Deut­schen Par­tei / Völ­ki­scher Block in Schiltach. Beruf­lich waren die Mit­glie­der ein­fa­che Beam­te, Werk­meis­ter oder Arbei­ter.

Die Män­ner führ­ten sport­li­che Übun­gen aus, nah­men an Auf­mär­schen und Kund­ge­bun­gen teil, waren im Saal­schutz tätig und unter­stüt­zen auch die Poli­zei gegen die Fein­de des Staa­tes. Auch die Gesel­lig­keit kam nicht zu kurz. Es gab Fami­li­en­aben­de mit Thea­ter­auf­füh­run­gen sowie Ver­eins­wan­de­run­gen. Höhe­punkt im kur­zen Leben der Orts­grup­pe war die Ban­ner­wei­he 1929, ein zwei­tä­gi­ges Fest, an dem Grup­pen aus ganz Süd­ba­den teil­nah­men. Auch zahl­rei­che Schilta­cher Ver­ei­ne wirk­ten mit. Man hielt poli­ti­sche Fest­re­den und erwarb sich Sym­pa­thie in der Bevöl­ke­rung sowie Ach­tung beim Geg­ner.

Seit 1930 ver­schärf­te sich der poli­ti­sche Kampf. Es gab ver­mehrt Appel­le sich in den Dienst der Repu­blik zu stel­len. Die 1932 gegrün­de­te „Eiser­ne Front“ sah auch die Reichs­ban­ner­leu­te in Ihren Rei­hen. Der Schilta­cher Vor­sit­zen­de Gott­lieb Traut­wein muss­te
fest­stel­len, dass das bür­ger­li­che Lager sich nicht mehr beken­nen woll­te und dem Arbei­ter den Schutz der Repu­blik über­lies.

Nach der Macht­er­grei­fung am 30. Janu­ar  1933 war die letz­te Hoff­nung die Wahl am 5. März 1933. Nach dem Sieg der NSDAP beschloss die Schilta­cher Orts­grup­pe am 12. März 1933 ihre Auf­lö­sung. Es gab noch ein Nach­spiel bei eini­gen Schilta­cher Reichs­ban­­ner-Män­­nern. Am 19./20. März 1933 erfolg­ten Haus­durch­su­chun­gen bei Gott­lieb Traut­wein und Pro­to­koll­füh­rer Fritz Fie­ser. SA und Poli­zei woll­ten die Fah­ne und Unter­la­gen sicher­stel­len. Die­se hat­te Traut­wein bei sich ver­steckt und konn­te glaub­haft machen das die Gegen­stän­de bei der Fir­ma Kar­lin in deren Heiz­an­la­ge ver­brannt wur­den. So über­leb­ten die­se die NS-Zeit. Die Unter­la­gen befin­den sich heu­te im Archiv der Stadt, die Fah­ne kann im Muse­um am Markt besich­tigt wer­den.

Zwei Reichs­ban­­ner-Mit­­­glie­­der wur­den nach dem zwei­ten Welt­krieg Bür­ger­meis­ter der Stadt
Schiltach: Gott­lieb Traut­wein 1946–1952 und Mar­tin Fritz war der bis­her ein­zi­ge Bür­ger­meis­ter aus den Rei­hen der SPD von 1952–1970.

Nach Abschluss sei­nes Vor­tra­ges zeigt Dr. Har­ter eini­ge Foto­gra­fi­en aus der Reichs­ban­ner­zeit in Schiltach. Die­se wur­den ihm teil­wei­se von den Nach­fah­ren zur Ver­fü­gung gestellt. Eine Besu­che­rin aus Schram­berg erkann­te auf einem Foto Ihren Groß­va­ter.

Zum Schluss stand Dr. Har­ter für eine Fra­ge­run­de zur Ver­fü­gung. Er beant­wor­te die zahl­rei­chen Fra­gen aus dem Publi­kum sehr fun­diert und aus­führ­lich.

 

- Adver­tis­ment -