FRITTLINGEN/ROTTWEIL  (him) –  Diesen Tag wird  M. D. so schnell nicht vergessen. Am 6. Mai 2015 am frühen Abend stürmte ein ausgewachsener Keiler in sein grade frisch renoviertes Wohnhaus in Frittlingen. Nach einigen Stunden erschoss der zuständige Jagdpächter das Wildschwein auf dem Dachboden des Hauses.

Weil danach Polizisten, Jäger und andere Helfer die tote, blutende Sau aus dem Haus geschleift haben, hat M.D. das Land Baden-Württemberg auf Schadensersatz verklagt.

Richter Thilo Rebmann verhandelt die Klage. Der Frittlinger Kläger möchte 16.185,03 Euro vom Land für die Beseitigung der Schäden, die durch das Blut des Wildschweins an den Böden und wänden entstanden waren, als die Helfer das erlegte Tier aus dem Haus zerrten. Sie hätten es in eine Wanne packen oder eine Plane drunter legen sollen, um Schäden zu verhindern, meint der Kläger. Außerdem habe er noch etwa 37.000 Euro weiteren Schaden wegen des ungebetenen Gastes gehabt.

Im Gerichtssaal sitzen vier Zeitungsleute, darunter die Kollegin, die im Mai vor zwei Jahren selbst vor Ort war. Wie das denn nun genau war damals, will Richter Rebmann vom Kläger wissen. Das Schwein sei ins Haus gekommen und auf dem Dachboden verschwunden. Ob es denn nicht vorher schon im Hausflur getobt habe, fragt der Richter. Das habe er nicht gesehen, sagt Kläger M.D. Wann die Polizei gekommen ist, wann der Jäger?  Die Prozessbeteiligten schauen sich Bilder an. Protokolle und Gutachten werden zitiert.

Der Kläger fragt: „Was soll ich sagen?“ – „Die Wahrheit hätte ich gern gewusst“, erwidert Richter Rebmann. Aber auf die kommt es so wirklich gar nicht an.

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Denn juristisch hat der Kläger richtig Pech. Wäre es ein Hund gewesen oder ein anderes Haustier, erläutert der Richter, würde der Halter haften. Bei Wildtieren bedingt der Jagdpächter. Da die Wildsau aber nicht in einem bejagbaren Bereich die Schäden angerichtet hat, haftet der Jagdpächter nicht.

Die angenommene Amtshaftung beim Polizisten, der den Schuss angeordnet hat, ziehe nicht. Dass der Beamte dabei war, wie der blutige Keiler aus dem Haus gezogen wurde, sei keine hoheitliche Maßnahme gewesen. Und die Tötung des Keilers anzuordnen, war korrekt, weil „eine Störung der öffentlichen Sicherheit vorlag“, so Rebmann. Alles in allem: Es sei für den Kläger „äußerst bedauerlich“, aber „Sie werden mit der Klage keine Aussicht auf Erfolg haben.“

Um den Rechtsfrieden herzustellen und als „good-will-Geste“  solle das Land dem Kläger zehn bis 15 Prozent des Schadens zahlen, schlug Rebmann vor. Nach einer Unterbrechung nahm Rechtsanwalt Hans-Peter Lange im Namen seines Mandanten den Vergleich an, dem auch der Vertreter des Landes Rechtsanwalt  Rasmus Reinhardt vorläufig zustimmte. Für den Kläger eine bittere Erfahrung, der an dem ganzen Geschehen keine Schuld habe, so Richter Rebmann. Aber ein Keiler im Haus das sei eben „schicksalhaft“.