Klares Statement pro Gemeinschaftsschule

Andreas Schwarz und Martina Braun in Deißlingen

Der grüne Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz (rechts) nahm in Deißlingen allerlei Anregungen mit nach Stuttgart. Neben ihm Bürgermeister Ralf Ulbrich, gegenüber die Abgeordnete Martina Braun. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN – Das The­ma Gemein­schafts­schu­le ist nach wie vor ein hei­ßes. Am Don­ners­tag besuch­ten des­halb der grü­ne Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Andre­as Schwarz und die Abge­ord­ne­te Mar­ti­na Braun die Schu­le in Deiß­lin­gen, sie woll­ten wis­sen, wo der Schuh drückt. Und der drückt, das mach­te Rek­tor Peter Sin­ger den bei­den deut­lich.

Die Stär­kung der Real­schu­len sei für die Gemein­schafts­schu­len fatal, eben­so die Tat­sa­che, dass in den Medi­en offen­bar Stim­mung gegen die neue Schul­form gemacht wer­de. „Den Eltern macht das Angst!“ Dabei hät­ten er und sein über­aus enga­gier­tes Team unglaub­lich viel inves­tiert, bis hin zum selbst­ge­mach­ten Unter­richts­ma­te­ri­al. „Die Ver­la­ge hat­ten ja nichts!“ Und die bei­den Gemein­den, Deiß­lin­gen und Nie­der­schach, die die Schu­le gemein­sam betrei­ben, hät­ten Mil­lio­nen inves­tiert.

Die Idee, dass schwä­che­re und stär­ke­re Schü­ler von­ein­an­der pro­fi­tier­ten, habe sie begeis­tert, es sei ihm und sei­nem Team nicht vor­ran­gig dar­um gegan­gen, den Stand­ort zu erhal­ten, als Beam­te hät­ten sie ja trotz­dem einen siche­ren Job. Doch nun schei­ne die domi­nie­ren­de CDU ein vier­glied­ri­ges Sys­tem ver­kau­fen wol­len, die Hete­ro­ge­ni­tät sei in Gefahr, Eltern woll­ten ihre guten Schü­ler doch lie­ber in Real­schu­len und Gym­na­si­en schi­cken. Da bestehe die Gefahr, dass die Gemein­schafts­schu­le aus­blu­te. „Das hat uns ziem­lich frus­triert!“ Doch Schwarz beru­hig­te, die Regie­rung ste­he klar zum Modell Gemein­schafts­schu­le, das sich ja bereits bewährt habe. In Ver­gleichs­stu­di­en schnit­ten die Gemein­schafts­schü­ler gut ab, „Sie müs­sen den Wett­be­werb nicht scheu­en!“

Aber auch um den ÖPNV ging es beim Besuch in Deiß­lin­gen. Hier gab es Lob für die Abge­ord­ne­ten und die Macher in den Land­rats­äm­tern Rott­weil und Schwarz­wald-Baar: Immer­hin hält der Ring­zug jetzt im Stun­den­takt in Deiß­lin­gen, und Hei­ke Kopp von der Rott­wei­ler Behör­de ließ durch­bli­cken, dass es auch mit dem Halt in Lauf­fen klap­pen könn­te. Ihr Vil­lin­ger Kol­le­ge Ulrich Gros­se mach­te den Poli­ti­kern klar, dass man bald Gewiss­heit haben müs­se, ob die Ring­zug­stre­cke zwi­schen Rott­weil und Vil­lin­gen elek­tri­fi­ziert wer­de. Denn 2024 brau­che man neue Züge, und die müss­ten lan­ge vor­her bestellt wer­den. Schwarz sag­te zu, dass es dann kei­ne Die­sel mehr auf der Schie­ne brau­che: Bat­te­ri­en, Ober­lei­tun­gen oder Brenn­stoff­zel­len – die Grü­nen ste­hen hin­ter der Elek­tro­mo­bi­li­tät auch auf der Schie­ne, so Schwarz.

50 Mil­lio­nen stün­den im Haus­halt zur Ver­fü­gung für bes­se­re Nah­ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, so Schwarz, da neh­me er ger­ne Vor­schlä­ge mit nach Stutt­gart. Man­ches davon ist schon in Pla­nung: Die Ver­län­ge­rung des Ring­zugs bis St. Geor­gen bei­spiels­wei­se, und auch eine Bus­ver­bin­dung im Stun­den­takt zwi­schen Nie­dere­schach und Rott­weil. Aller­dings geht die dann wohl über Hor­gen und nicht über Deiß­lin­gen. Dafür kann man dem­nächst wohl von Dau­ch­in­gen zum Tros­sin­ger Staats­bahn­hof bei Deiß­lin­gen fah­ren. „Ich habe gehört, man­che Leu­te lau­fen da zu Fuß, weil sie kein Auto haben!“, so Ulrich Gros­se. Vom Staats­bahn­hof aus kann man dann auch nach Deiß­lin­gen fah­ren. Und noch viel wei­ter.

Dis­ku­tiert wur­de schließ­lich noch eine Libe­ra­li­sie­rung des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­set­zes, um bei­spiels­wei­se das Pro­jekt Spur­wech­sel mit sei­nen ehren­amt­li­chen Fah­rern zu schüt­zen. „Das stammt noch aus den 30er-Jah­ren, als noch Drosch­ken fuh­ren!“, so Schwarz. Nie­dere­schachs Bür­ger­meis­ter Mar­tin Ragg kri­ti­sier­te die brö­ckeln­de Ver­trau­ens­ba­sis zwi­schen Land und Kom­mu­nen, „die Selbst­ver­wal­tung wird immer mehr aus­ge­höhlt, wir steu­ern auf Kon­flik­te zu!“ Doch auch hier gab es beru­hi­gen­de Wor­te von Andre­as Schwarz: Ein gutes Ver­hält­nis zwi­schen Land und Kom­mu­nen sei sehr wich­tig, „ich glau­be, dass wir die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen nur zusam­men hin­krie­gen.“