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Rottweil
Montag, 24. Februar 2020

Krätze auch im Kreis Rottweil auf dem Vormarsch

ROTTWEIL – Wie auch im Rest der Bundesrepublik, ist laut Gesundheitsamt im Landkreis Rottweil eine Zunahme der Krätzefälle zu verzeichnen. Während dem Gesundheitsamt im letzten Jahr nur vereinzelt Ausbrüche von Krätze in Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet wurden, ging bislang im Jahr 2017 beinahe täglich eine Meldung im Gesundheitsamt ein.

Obwohl es für Einzelfälle aktuell noch keine gesetzliche Meldepflicht gibt, besteht bei gehäuftem Auftreten in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen für die Einrichtungsleitung die Verpflichtung, dies dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Es muss daher von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Auch der Dermatologe Dr. Michael Eisfelder aus Rottweil berichtet von einer starken Häufung von Krätzefällen in seiner Praxis. Im Jahr 2015 behandelte er 69 Patienten aus dem Landkreis Rottweil wegen Krätze, im Jahr 2016 waren es 221 und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres bereits 51 Fälle.
Die Krätze (medizinisch Scabies) ist eine parasitäre Hautkrankheit, die durch die Krätzemilbe hervorgerufen wird.

Übertragen werden Parasiten durch Kontaktinfektion von Mensch zu Mensch, aber auch eine Weitergabe durch infizierte Wäsche ist möglich. Die ca. 0,4 mm großen Weibchen der Krätzmilben graben sich in die obere Hornschicht der Haut ein und bilden dort kleine Gänge. Die Milbenabsonderungen führen zu entzündlichen Hautreaktionen in Form von Hautrötungen und stecknadelgroßen Knötchen. Bei Erwachsenen treten die Hautveränderungen in erster Linie zwischen Fingern und Zehen sowie im Genitalbereich und in der Achselgegend auf. Säuglinge und Kleinkinder werden auch im Bereich der behaarten Kopfhaut und an den Innenflächen von Händen und Füßen befallen.

Die Betroffenen leiden unter starkem Juckreiz und haben das Gefühl, sich ständig kratzen zu müssen, was auch der Krätze ihren Namen gegeben hat. Dennoch deuten viele Erkrankte die Anzeichen einer Krätze nicht richtig und warten zu lange bis sie einen Arzt aufsuchen. Der typische Juckreiz bei Krätze wird durch Wärme gefördert und ist deswegen vor allem nachts durch die Bettwärme besonders ausgeprägt. Wenn sich der Juckreiz auf nahestehende Personen (z. B. Familienmitglieder) ausbreitet, ist dies ein weiterer Hinweis auf Krätze.

Oft wird eine Krätze jedoch auch übersehen, weil die typischen Symptome erst zwei bis fünf Wochen nach dem Befall auftreten. Bei erneuten Übertragungen können sich die ersten Krankheitsanzeichen bereits nach wenigen Tagen bemerkbar machen.

Die Erkrankung tritt immer wieder sporadisch in Erscheinung, bevorzugt in Einrichtungen, in denen viele Menschen zusammen leben. Mit mangelnder Hygiene kann ein Krätzebefall jedoch nicht gleichgesetzt werden. Die Milben sind unempfindlich gegenüber Wasser und Seife und überstehen sogar mehrere Badegänge am Tag.

Wichtig ist es bei Krätzeverdacht rasch einen Dermatologen aufzusuchen, denn normalerweise kann die Krätze gut behandelt werden. Zur lokalen Therapie stehen mehrere Anti-Milben-Mittel in Form von Cremes oder Salben zur Verfügung. Ferner ist seit über einem Jahr in Deutschland ein Medikament in Tablettenform zur Krätzebehandlung zugelassen. Wichtig sind auch regelmäßige Wechsel und richtige Reinigung der getragenen Kleidung und der Bettwäsche. Über die Ansteckungsfähigkeit der Betroffenen und die Dauer der Therapie wie auch der Begleitmaßnahmen entscheidet der behandelnde Arzt.
Nachdem die Milben abgetötet sind, können aber noch einige Wochen vergehen, bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind.

Für weitere Fragen steht ein Merkblatt des Gesundheitsamtes zur Krätze zur Verfügung, dies ist auch über die Homepage des Gesundheitsamtes abrufbar.

 

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