Arbeit im Homeoffice. Foto: aok

KREIS ROTTWEIL – Im Durch­schnitt war im ers­ten Halb­jahr 2019 jeder Beschäf­tig­te im Land­kreis Rott­weil 9,5 Tage krank­ge­schrie­ben. Dabei gin­gen 36 Pro­zent aller Fehl­ta­ge auf das Kon­to von Lang­zeit­er­kran­kun­gen mit mehr als sechs Wochen Dau­er. Dies hat die AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg auf Grund­la­ge von 44.000 AOK-ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mern im Land­kreis ermit­telt. Wei­te­res Ergeb­nis: Die Mit­ar­bei­ter in den hie­si­gen Fir­men sind deut­lich gesün­der als im Bun­des­schnitt. Die Anzahl der Fehl­ta­ge im Land­kreis Rott­weil liegt sie­ben Pro­zent unter dem bun­des­deut­schen Wert.

Auf­fäl­lig ist, dass psy­chi­sche Erkran­kun­gen mit 12 Pro­zent aller Krank­heits­ta­ge fast so häu­fig zu Arbeits­aus­fäl­len füh­ren wie Atem­wegs­er­kran­kun­gen mit 15 Pro­zent, meint Klaus Herr­mann, Geschäfts­füh­rer der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg: „Wenn psy­chi­sche Belas­tun­gen fast so viel Fehl­ta­ge ver­ur­sa­chen wie Erkäl­tun­gen, muss gegen­ge­steu­ert wer­den, im Inter­es­se der Fir­men, ins­be­son­de­re aber auch der Betrof­fe­nen.“ Eine Ursa­che in den stei­gen­den Arbeits­aus­fäl­len auf­grund von psy­chi­schen Erkran­kun­gen sehen man­che Beob­ach­ter in Trends wie Arbeits­ver­dich­tung und zuneh­men­den Anfor­de­run­gen an die per­sön­li­che Fle­xi­bi­li­tät. Zu den fle­xi­blen Arbeits­for­men gehört dank digi­ta­ler Ver­net­zungs­tech­nik auch das Home­of­fice. Laut dem Bran­chen­ver­band Bit­kom bie­ten bereits vier von zehn Unter­neh­men Home­of­fice an. „Wir mer­ken bei unse­rer Bera­tung zum betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment, dass vie­le Fir­men in der Regi­on den rich­ti­gen Umgang mit die­sem Instru­ment suchen“, sagt AOK-Chef Herr­mann. Zu dem sub­jek­ti­ven Befin­den der Betrof­fe­nen hat die AOK eine bun­des­wei­te Stu­die erstellt, die heu­te (17.9.) ver­öf­fent­licht wur­de.

Dem­nach sind vie­le Befrag­te mit Home­of­fice-Arbeits­platz mit ihrer Arbeit zufrie­de­ner und sehen Vor­tei­le dar­in. Neben einer höhe­ren Auto­no­mie gehört für mehr als zwei Drit­tel (67 Pro­zent) dazu, dass sie zu Hau­se mehr Arbeit bewäl­ti­gen kön­nen und drei Vier­tel (74 Pro­zent) schät­zen dar­an, dass sie kon­zen­trier­ter arbei­ten kön­nen als am Arbeits­platz. Den­noch fühl­ten sich laut der Befra­gung 73 Pro­zent der Befrag­ten, die häu­fig im Home­of­fice arbei­ten, in den letz­ten vier Wochen erschöpft. Bei Beschäf­tig­ten, die aus­schließ­lich im Büro tätig sind, waren es nur 66 Pro­zent. Über Wut und Ver­är­ge­rung klag­ten 70 Pro­zent der Beschäf­tig­ten im Home­of­fice gegen­über 59 Pro­zent ohne Heim­ar­beits­platz; bei Ner­vo­si­tät und Reiz­bar­keit waren es im Home­of­fice 68 Pro­zent im Ver­gleich zu 53 Pro­zent. Auch Lust­lo­sig­keit, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me und Schlaf­stö­run­gen unter­schei­den sich deut­lich zwi­schen den bei­den Grup­pen. Fazit der Stu­die: Arbei­ten im Home­of­fice führt zu höhe­rer Arbeits­zu­frie­den­heit, aber auch zu höhe­ren psy­chi­schen Belas­tun­gen.

„Wahr­schein­lich ist es bei vie­len ande­ren For­men fle­xi­blen Arbei­tens ähn­lich“, sagt Klaus Herr­mann. „Die Digi­ta­li­sie­rung bie­tet eben Chan­cen und zugleich Her­aus­for­de­run­gen für Wirt­schaft und Arbeit­neh­mer.“ Der Schlüs­sel lie­ge dar­in, den betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten Ein­fluss auf die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung fle­xi­bler Arbeits­for­men zu geben und als Arbeit­ge­ber einen gesund­heits­be­wuss­ten Umgang mit digi­ta­len Tools zu för­dern. „Am bes­ten beleuch­ten bei­de Sei­ten gemein­sam die jewei­li­ge per­sön­li­che Situa­ti­on und tref­fen kla­re Ver­ein­ba­run­gen, wie man die Chan­cen gesund­heits­ge­rech­ter, ver­ant­wor­tungs­vol­ler Fle­xi­bi­li­tät nut­zen kann. Dann bleibt man auch in der digi­ta­len Arbeits­welt gesund.“ So ver­fährt die AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg auch bei ihren eige­nen über 550 Beschäf­tig­ten in der Regi­on. Auch die­se kön­nen bei­spiels­wei­se in bestimm­ten Lebens­si­tua­tio­nen teil­wei­se von Zuhau­se aus arbei­ten, etwa um Fami­lie und Beruf bes­ser zu ver­ein­ba­ren.

Der­zeit sind es bei der AOK in der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg rund 20 Per­so­nen, die (teil­wei­se) von Zuhau­se aus arbei­ten. Tele­ar­beit kann unter ande­rem – auch von Teil­zeit­be­schäf­tig­ten – zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf genutzt wer­den, wenn eine durch­gän­gi­ge Anwe­sen­heit am Arbeits­platz nicht not­wen­dig ist.

Ob ein Home­of­fice in der aktu­el­len Lebens­si­tua­ti­on und bei der gegen­wär­ti­gen Tätig­keit genutzt wer­den kann, ver­ein­ba­ren die Betrof­fe­nen mit der jewei­li­gen Füh­rungs­kraft. Auch zur Über­brü­ckung von kurz­fris­ti­gen Not­la­gen, etwa bei einem aktu­el­len Pfle­ge­fall in der Fami­lie oder bei einem Aus­fall der Kin­der­be­treu­ung in den Feri­en, kann teil­wei­se von Zuhau­se aus gear­bei­tet wer­den. Die Erhö­hung der Arbeits­zeit beim Wech­sel vom Büro ins Home­of­fice ist auf Wunsch des Mit­ar­bei­ters grund­sätz­lich eine mög­li­che Kon­stel­la­ti­on, sofern die Art der Arbeit dies zulässt.