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Montag, 21. September 2020

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Landkreis Rottweil: Tourismus-Minus von 50 Prozent im ersten Halbjahr 2020

Die seit 2010 andauernde Erfolgsserie der Tourismuswirtschaft Baden-Württembergs ist im März 2020 jäh unterbrochen worden. Wegen der global um sich greifenden Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu deren Eindämmung kamen im Zeitraum Januar bis Juni 2020 nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamtes in den geöffneten Beherbergungsbetrieben mit 10 und mehr Schlafgelegenheiten oder Stellplätzen insgesamt 5,7 Millionen oder 54 Prozent weniger Gäste an als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Übernachtungen ging im ersten Halbjahr 2020 um 12,4 Millionen oder 48,3 Prozent zurück. Auch den Landkreis Rottweil hat der Lockdown hart getroffen.

Während die Zahl der ankommenden Gäste sowohl im Januar (+5,6 %) als auch im Februar 2020 (+4,3 %) jeweils noch deutlich über dem Vorjahresergebnis lag, waren im März (-60,4 %), April (-94,0 %), Mai (-85,0 %) und im Juni 2020 (-52,0 %) massive Einbußen zu verzeichnen. Die Zahl der Übernachtungen durchlief im ersten Halbjahr eine ähnliche Entwicklung: Lagen die Werte im Januar und im Februar im Vergleich zum Vorjahr noch im Plus (+3,2 % beziehungsweise +6,7 %), so schlug der Zeiger dann im März (-50,7 %), April (-88,3 %), Mai (-79,1 %) und im Juni (-45,5 %) stark in den negativen Bereich aus. Insgesamt wurden von Januar bis Juni 2020 rund 4,9 Mill. Ankünfte und 13,3 Mill. Übernachtungen gemeldet. Die Messlatte der Ergebnisse für denselben Zeitraum im Vorjahr lag mit 10,6 Mill. Ankünften und 25,8 Mill. Übernachtungen etwa doppelt so hoch.

Zugpferd der ab Mai 2020 einsetzenden Erholungsprozesse ist klar der Inlandstourismus: Wie vielfach bereits vermutet und von der Branche erhofft, erhöhte sich der Marktanteil der von Gästen aus Deutschland gebuchten Übernachtungen nach dem absoluten Tiefpunkt der Tourismuskonjunktur im April 2020 deutlich und trug im weiteren Verlauf mehr zu Erholungstendenzen in der Tourismuswirtschaft bei als der Anteil ausländischer Reisender: Wurden im Vorfeld der Corona-Krise bei geringfügigen saisonalen Schwankungen durchschnittlich 8 von 10 Übernachtungen von Inländern gebucht, so erhöhte sich der Inländeranteil im Verlauf der Hochphase der Pandemie deutlich und lag im Juni 2020 bei 9 von 10 Übernachtungen. Die Zahl der Inländer-Übernachtungen lag im Juni 2020 „nur“ noch 38,0 % unter dem Vorjahreswert, während der Anteil ausländischer Buchungen mit 74,9 % noch deutlich stärker unter den Erwartungen blieb.

Auch was die Betriebsarten betrifft zeigen sich in der Tourismusbilanz des 1. Halbjahres 2020 Verschiebungen bei der Verteilung des Übernachtungskuchens: Vor allem die Gruppe der Hotels – mit dem traditionell größten Marktanteil – musste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Federn lassen: Sie kam nur noch auf einen Marktanteil von 36,2 %, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Minus von 4,8 Prozentpunkten entspricht. Dem gegenüber trotzten die Vorsorge- und Rehabilitationskliniken (16,9 %, +4,1 Prozentpunkte) und die Anbieter von Ferienzentren, Ferienhäusern und Ferienwohnungen (8,4 %, +1,9 Prozentpunkte) der Krise und konnten in puncto Marktanteil sogar Boden gutmachen.

Zieht man mit Stand Abschluss des Berichtsmonats Juni 2020 anhand der Übernachtungszahlen eine erste punktuelle Zwischenbilanz zum Grad des Wiederaufschließens der verschiedenen Betriebsarten auf das Vor-Krisenniveau, dann zeigt sich ein starkes Auseinanderdriften des Feldes: Während die Spitzenreiter »Ferienzentren, Ferienhäuser und Ferienwohnungen« und »Campingplätze« im Juni 2020 nur noch 15,5 % beziehungsweise 17,6 % unter ihrem Vorjahresergebnis im Juni 2019 blieben, war vor allem die Lage der Jugendherbergen und Hütten, der Erholungs- und Ferienheime und der Schulungsheime nach wie vor relativ prekär (-88,2 % beziehungsweise -76,0 % und -62,7 %). Aber auch die Hotels verbuchten im Juni noch satte 54,9 % weniger Übernachtungen als im selben Monat des Vorjahres.

Das regionale Bild ist in der Gesamtschau ebenfalls gezeichnet von den gravierenden Auswirkungen der Pandemie, die alle Landkreise Baden-Württembergs zeitgleich erfasst hat und für die Beherbergungsbetriebe nach wie vor eine starke Verschlechterung der Ertragslage mit sich bringt: Im ersten Halbjahr 2020 schaffte es keines der neun Reisegebiete des Landes, seine Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu halten. Die Einbußen bei den Übernachtungen betrugen landesweit 48,3 %. Nach Reisegebieten zeigt sich folgende Abfolge:

  • das Hegau (-38,3 %),
  • das Württembergische Allgäu-Oberschwaben (-41,2 %),
  • der Südliche Schwarzwald (-46,1 %),
  • das Gebiet Bodensee (-48,2 %),
  • der Nördliche Schwarzwald (-48,3 %),
  • die Schwäbische Alb (-49,5 %),
  • das Nördliche Baden-Württemberg (-49,9 %),
  • der Mittlere Schwarzwald (-50,0 %),
  • die Region Stuttgart (-51,0 %).

Um 52,4 % nachgelassen haben nach den Zahlen des Statistischen Landesamts die Übernachtungen im Landkreis Rottweil. Damit liegt der Landkreis leicht über dem Landesschnitt und auf den hinteren Plätzen im Land insgesamt. Nur in Stuttgart, Rastatt, dem Rhein-Neckar-Kreis, in Heidelberg und Heilbronn sind die Zahlen noch stärker zurückgegangen. Die Daten wurden erhoben in geöffneten Beherbergungsbetrieben / auf Campingplätzen mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten beziehungsweise Stellplätzen.

Angesichts der globalen Ausbreitung des Corona-Virus wurden in Baden-Württemberg Mitte März 2020 zunächst unter anderem Messen, Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und Freizeitangebote eingeschränkt oder ganz abgesagt. Hinzu kamen weltweit Reisewarnungen für Touristen sowie Grenzschließungen. Mit Inkrafttreten der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg zum 17. März 2020 wurde dann der Betrieb von Beherbergungsbetrieben, Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen für touristische Zwecke im Land vorübergehend untersagt. Eine Beherbergung durfte ab diesem Stichtag lediglich noch ausnahmsweise zu geschäftlichen, dienstlichen oder in besonderen Härtefällen zu privaten Zwecken erfolgen. Bereits im Verlauf des März und verstärkt dann im April und im Mai 2020 waren deshalb zahlreiche Betriebe im Land aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen – im April 2020 auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise rund 45 %.

 

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