Manipulierte Fakten aus Zimmern

Fernsehen: ZDF-Film verschweigt die volle Wahrheit über den Bürgermeister-Wahlkampf

124
Bitter für den Unterlegenen: Dieter E. Albrecht (Mitte) unterlag deutlich seiner Konkurrentin Carmen Merz bei der Wahl zum Nachfolger von Emil Maser (links). Bild: Ausschnitt aus Dokumentation "Der Bürgermeister-Macher" (ZDF)

Die ZDF-Rei­he „37 Grad“ (diens­tags, 22.15 Uhr) ist eine Sen­dung mit einem gewis­sen jour­na­lis­ti­schen Anspruch, den sie in der Regel auch erfüllt. Am Diens­tag ver­gan­ge­ner Woche ging es um einen „Bür­ger­meis­ter-Macher“: Klaus Abber­ger aus Rot­ten­burg. An zwei Bei­spie­len soll­te der Film auf­zei­gen, wie er aus Kan­di­da­ten Bür­ger­meis­tern macht. Einer die­ser Fäl­le war der Wahl­kampf in Zim­mern ob Rott­weil. Die Repor­ta­ge erzähl­te nicht die gan­ze Geschich­te.

Der „renom­mier­te Fil­me­ma­cher” Klaus Stern habe ihm vier Mona­te lang „über über die Wahl­kampf-Schul­ter geschaut“ berich­tet Klaus Abber­ger. Der heu­te 49-Jäh­ri­ge hat­te sich nach fünf Jah­ren als Zei­tungs­re­dak­teur selbst­stän­dig gemacht und eine Mar­ke­ting-Agen­tur gegrün­det. Inzwi­schen hat er nach eige­nem Bekun­den mehr als 150 Bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten bera­ten.

Fil­me­ma­cher Stern pro­du­zier­te ein frag­wür­di­ges Film­chen über Zim­mern ob Rott­weil, wo zwei Kan­di­da­ten antra­ten: Car­men Merz aus Schöm­berg und Die­ter E. Albrecht aus Rott­weil. Die Zuschau­er erle­ben zu Beginn eine erstaun­lich unsi­che­re Car­men Merz. „Mir war klar, dass ich’s mit Coach mache“, sagt sie. „Es ist kein bil­li­ger Spaß … Wenn ich auf dem Rat­haus ange­ru­fen hät­te und da was gefragt, hät­ten die mich ja aus­ge­lacht.“

So rich­tig wird nicht klar, wor­in das Erfolgs­ge­heim­nis des Bür­ger­meis­ter-Machers liegt, der angeb­lich zwei von drei Bewer­bern „durch­bringt“. Klar ist, dass er die Reden sei­ner Kun­den kom­plett schreibt und sie mit ihnen rhe­to­risch ein­übt. Car­men Merz gibt er noch die Rat­schlä­ge, im Zwei­fels­fall Ver­ständ­nis für bei­de Sei­ten („bla-bla-bla“) zu zei­gen und „ein biss­chen mehr Krei­de zu fres­sen als spä­ter im Amt“. Der Preis: zwei Euro pro Ein­woh­ner, macht unterm Strich 12.000 Euro für Car­men Merz.

Gegen­kan­di­dat Die­ter E. Albrecht kommt in die­ser ZDF-Repor­ta­ge, die ohne Kom­men­tar, dafür mit knap­pen Unter­ti­teln arbei­tet, nur mit zwei kur­zen Sät­zen zu Wort. Ein­mal, als er sei­ne eige­ne Rede authen­tisch und die von Car­men Merz „weich­ge­spült” nennt, „die man an jedem ande­ren Ort so hal­ten kann“ bezeich­net. Und ein­mal, als er selbst­be­wusst ankün­digt, er wer­de den ers­ten Wahl­gang mit „50 plus 1“ gewin­nen. Das ist natür­lich eine pri­ma Vor­la­ge für den Fil­me­ma­cher und sein Kon­zept „Bür­ger­meis­ter-Macher“.

Der ent­schei­den­de und bun­des­weit viel­leicht ein­zig­ar­ti­ge Aspekt die­ser Wahl in Zim­mern ob Rott­weil aber wird völ­lig aus­ge­blen­det: dass hier mit Albrecht ein Kan­di­dat antritt, um Zim­mern bin­nen eines Jah­res nach Rott­weil ein­zu­ge­mein­den und damit das Amt des Bür­ger­meis­ter abzu­schaf­fen. Dass damit die Chan­cen eines Kan­di­da­ten gegen null sin­ken, lag auf der Hand. Da braucht der Geg­ner kei­nen Bür­ger­meis­ter-Macher mehr.

Waren das im ZDF nun Fake News oder alter­na­ti­ve Fak­ten oder bei­des? Auf jeden Fall war es nicht die vol­le Wahr­heit, son­dern eine mani­pu­lier­te. Und das ist in einem öffent­lich-recht­li­chen Sen­der zu Zei­ten von „Lügen­pres­se“ durch­aus ein ver­hee­ren­des Zei­chen.

Ins Bild passt auch der zwei­te Fall, der in Isprin­gen bei Pforz­heim spiel­te. Hier tipp­te der Amts­in­ha­ber auf 60 Pro­zent für sich. Es gewann der Her­aus­for­de­rer, betreut von Klaus Abber­ger, mit 53 Pro­zent.

Am Schluss durf­te noch ein Beob­ach­ter eine spe­zi­el­le Wahl­emp­feh­lung für den „Bür­ger­meis­ter-Macher“ abge­ben: „Sie sind Ihr Geld wert!“