Landgericht Rottweil. Foto: him

SCHILTACH/ROTTWEIL –   Er bleibt sei­ner Fami­lie erhal­ten – so wie es sich das Opfer einer Mes­ser­at­ta­cke gewünscht hat­te. (Wir haben berich­tet.) Die ers­te Gro­ße Straf­kam­mer des Land­ge­richts Rott­weil hat unter Vor­sitz von Rich­ter Karl­heinz Mün­zer einen 34-Jäh­ri­gen Mann wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung  zu einem Jahr und neun Mona­te Haft mit zwei Jah­ren Bewäh­rungs­frist ver­ur­teilt.

Am 2. Juli 2016 hat­ten meh­re­re Fami­li­en aus dem Raum Schram­berg-Schiltach ein Geburts­tags­fest an einem Grill­platz im Tie­fen­bach bei Schiltach gefei­ert. Es ende­te mit vier Mes­ser­sti­chen. Ein heu­te 51-Jäh­ri­ger Mann wur­de dabei lebens­ge­fähr­lich ver­letzt und litt mona­te­lang unter den Fol­gen.

Der jetzt Ver­ur­teil­te, sein Opfer und die ande­ren Geburts­tags­gäs­te hat­ten viel Alko­hol – in ers­ter Linie wohl Wod­ka –getrun­ken. So viel, dass sich bei der Haupt­ver­hand­lung weder der 34-jäh­ri­ge Ange­klag­te noch sein Opfer, aber auch die Zeu­gen an die ent­schei­den­den Momen­te wirk­lich gut erin­nern konn­ten. Die Staats­an­walt­schaft ging davon aus, dass der Ange­klag­te wegen der „hohen Alko­ho­li­sie­rung zur Tat­zeit“ nur ver­min­dert schuld­fä­hig war.

Keine Notwehr

In der Urteils­be­grün­dung hat Rich­ter Mün­zer noch ein­mal zusam­men­ge­fasst, was in die­ser Juli­nacht pas­siert war: Als alle auf­bre­chen woll­ten, hat­te es einen Streit zwi­schen dem Ange­klag­ten und sei­nem Stief­va­ter gege­ben. Der Stief­va­ter woll­te trotz erheb­li­chem Alko­hol­kon­sum mit sei­nem Auto fah­ren. Der Stief­sohn woll­te das ver­hin­dern. Es gab einen ver­ba­len Streit und ein Geran­gel. Das spä­te­re Opfer hat­te die bei­den Strei­ten­den aus­ein­an­der zu brin­gen ver­sucht. Dabei waren der Stief­va­ter, der spä­te­re Täter und sein Opfer in einen Gra­ben oder Bach neben der Stra­ße gestürzt.

Der Stief­va­ter bekam einen Biss in den Fin­ger ab, der 51-Jäh­ri­ge kam weni­ger glimpf­lich davon. Mit einem Arbeits­mes­ser stach der jetzt Ver­ur­teil­te vier Mal auf den ande­ren ein. Weil er von ihm abge­las­sen hat­te, habe kei­ne Tötungs­ab­sicht bestan­den. Viel­mehr  habe er auf­ge­hört, auf sein Opfer ein­zu­ste­chen, als die­ser ihn an  die Kin­der der bei­den erin­ner­te. Er habe dann auch gehol­fen, sein Opfer aus dem Bach zu holen.

Rich­ter Mün­zer erklär­te, wegen des vie­len Alko­hols und sei­ner Erschöp­fung habe der Ange­klag­te Angst gehabt, auch sei­en sein Denk­ver­mö­gen und die Kri­tik­fä­hig­keit ein­ge­schränkt gewe­sen. Not­wehr aller­dings schloss das Gericht aus. Der Ange­klag­te hat­te am ers­ten Pro­zess­tag behaup­tet, der ande­re habe sei­nen Kopf unter Was­ser gedrückt, er habe kei­ne Luft mehr bekom­men, des­halb das Mes­ser aus der Arbeits­ja­cke gezo­gen und zuge­sto­chen. Weder die Zeu­gen hät­ten das berich­tet, noch sei in dem Bach genü­gend Was­ser gewe­sen, um die­se Aus­sa­ge zu bestä­ti­gen.

Therapie begonnen

Weil der Ange­klag­te stark betrun­ken war, sei er in sei­ner Steue­rungs­fä­hig­keit erheb­lich ein­ge­schränkt gewe­sen. Auch ist der Ange­klag­te nicht vor­be­straft, hat eine Sucht­the­ra­pie begon­nen  und hat einen fes­ten Arbeits­platz. Das alles habe straf­min­dernd gewirkt, so das Gericht. Den­noch wird die ver­häng­nis­vol­le Juli-Nacht für den 34-Jäh­ri­gen noch lan­ge nach­wir­ken. Allein die Kran­ken­kas­se des Opfers for­dert 45.000 Euro von ihm für die Behand­lungs­kos­ten des Opfers.