Nach Dreifachmord von Villingendorf: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage – Prozess schon im März?

Drazen D. kommt vor eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rottweil

Schüsse in Villingendorf. Die Polizei ist im Großeinsatz. Foto: Peter Arnegger

Die Staatsanwaltschaft Rottweil hat Anklage bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rottweil gegen einen 40-jährigen kroa­ti­schen Staatsangehörigen wegen des Verdachts des Mordes in drei Fällen und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz erho­ben. Dieser, Drazen D., soll am Abend des 14. Septembers in Villingendorf (Landkreis Rottweil) drei Menschen erschos­sen haben. Darunter sei­nen Sohn. Der Prozess soll so bald wie mög­lich statt­fin­den.

Die Festnahme des mut­maß­li­chen Dreifachmörders geschah in Neufra. Durch zwei Streifenpolizisten. Foto: SDMG/Maurer

Die Tat soll Drazen D. mit einem Repetiergewehr began­gen haben, das er im August 2017 in Kroatien oder in Serbien gekauft und nach Deutschland gebracht hat. Der Tat vor­aus­ge­gan­gen war nach Angaben der Ermittlungsbehörden im Februar 2017 die Trennung der dama­li­gen Lebensgefährtin. Sie und Drazen D. waren Eltern eines im Jahr 2011 gebo­re­nen Sohnes, der nach der Trennung bei sei­ner Mutter blieb.

Das Fahndungsplakat (Unkenntlichmachung durch die NRWZ).

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Kroate die Trennung nicht akzep­tiert hat. Drazen D. soll viel­mehr sei­ne frü­he­re Lebensgefährtin mehr­fach bedroht haben. Eine vor dem Amtsgericht Tuttlingen geschlos­se­ne Vereinbarung, die ein Annäherungsverbot des Vaters an sei­ne bis­he­ri­ge Familie ent­hielt, soll ernicht ein­ge­hal­ten haben.

Am Abend des 14. Septembers soll er dann  zu dem Wohnanwesen in Villingendorf gegan­gen sein, in dem sei­ne frü­he­re Lebensgefährtin mit ihrem neu­en Partner und ihrem Sohn leb­te. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeschuldigte auf der Terrasse der Wohnung auf die Mutter sei­nes Sohnes, deren neu­en 34 Jahre alten Lebensgefährten sowie des­sen 29-jährige Cousine traf.

Drazen D. soll dann unmit­tel­bar auf den 34-Jährigen und auf des­sen Cousine sowie sei­nen eben­falls anwe­sen­den Sohn meh­re­re Schüsse abge­ge­ben haben. Der Mann sowie der klei­ne Junge ver­star­ben an ihren schwe­ren Schussverletzungen unmit­tel­bar am Tatort. Die ange­grif­fe­ne jun­ge Frau konn­te von den Rettungskräften noch ins Krankenhaus gebracht wer­den, wo sie aller­dings noch am 14. September eben­falls ver­starb.

Der Tatort. Ein Wohnhaus in der Klippeneckstraße in Villingendorf. Foto: Peter Arnegger

Die Anklage erfolg­te wegen Mordes in drei Fällen, jeweils in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und des Handelns aus nied­ri­gen Beweggründen als gege­ben an.

Drazen D. war, nach­dem er am Tatabend geflüch­tet war, am Nachmittag des 19. Septembers in Rottweil-Neufra vor­läu­fig fest­ge­nom­men wor­den und befin­det sich auf­grund des vom Amtsgericht Rottweil erlas­se­nen Haftbefehls seit die­sem Zeitpunkt in Untersuchungshaft.

Nach sechs Monaten wird ein ers­ter Haftprüfungstermin vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ange­setzt, also im März. Das ist pro­zes­sua­ler Standard. Gerichte ver­su­chen grund­sätz­lich, den Prozess vor die­sem Termin zu eröff­nen, so Staatsanwalt Frank Grundke auf Nachfrage der NRWZ.

Das bestä­tig­te der Sprecher des Rottweiler Landgerichts, Thomas Geiger, eben­falls auf Nachfrage der NRWZ. Angesichts der Vielzahl der Prozessbeteiligten aber kön­ne es zeit­lich eng wer­den, mut­maß­te er. „Wir wol­len aber so bald wie mög­lich begin­nen”, sag­te der Richter.