Wer an Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln wie Zöliakie oder Laktoseintoleranz leidet, muss beim Einkaufen genau hinschauen.Foto: Dietmar Waesche/AOK

War­me Milch mit Scho­ko­la­de oder Plätz­chen – immer mehr Men­schen im Land­kreis Rott­weil ver­zich­ten auf sol­che Genüs­se. Der Grund: Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­keit. Bei Lak­to­se­into­le­ranz, also der Unver­träg­lich­keit von Milch und Milch­pro­duk­ten, gab es laut einer Pres­se­mit­tei­lung der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren eine Stei­ge­rung von acht Pro­zent pro Jahr.

Dies geht aus einer Aus­wer­tung von Dia­gno­se­da­ten der AOK-Ver­si­cher­ten im Land­kreis her­vor. Im ver­gan­ge­nen Jahr waren des­we­gen fast 900 Men­schen in ärzt­li­cher Behand­lung, 70 Pro­zent davon Frau­en.

Der Anstieg der Fall­zah­len kann man zum Teil dar­auf zurück­füh­ren, dass Betrof­fe­ne, aber auch Ärz­te sen­si­bler für das The­ma Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­kei­ten gewor­den sind“, erklärt Hei­drun Zel­ler-Thorn, Ernäh­rungs­ex­per­tin bei der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg. Daher wer­den Erkran­kun­gen inzwi­schen schnel­ler erkannt. „Anzei­chen für Lak­to­se­into­le­ranz sind unter ande­rem ein auf­ge­bläh­ter Bauch, Völ­le­ge­fühl, Unter­bauch­schmer­zen, Durch­fall bis hin zu Übel­keit und Erbre­chen und manch­mal auch Ver­stop­fung“, so die AOK-Ernäh­rungs­ex­per­tin Zel­ler-Thorn.

Hei­drun Zel­ler-Thorn, Ernäh­rungs­ex­per­tin bei der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg. Foto: pm

Die Beschwer­den tre­ten auf, kurz nach­dem man Milch oder Milch­pro­duk­te zu sich genom­men hat.“ Wel­che Lak­to­se­men­ge Beschwer­den aus­lö­sen kann, sei von Per­son zu Per­son unter­schied­lich und müs­se indi­vi­du­ell aus­pro­biert wer­den. Eine Lak­to­se­into­le­ranz kön­ne nicht geheilt wer­den. „Wenn man sei­ne Ernäh­rung anpasst, kann man beschwer­de­frei leben. Wich­tig ist aber, aus­rei­chend Kal­zi­um zu sich zu neh­men. Bei­spiels­wei­se mit lak­to­se­frei­er Milch ist das sicher­ge­stellt.“

Zöliakie ist eher selten

Eine wei­te­re Nah­rungs­mit­te­lun­ver­träg­lich­keit ist Zölia­kie, also die Unver­träg­lich­keit von Glu­ten. Glu­ten ist laut AOK ein Eiweiß, das in vie­len Getrei­de­sor­ten vor­kommt, bei­spiels­wei­se in Wei­zen, Din­kel und Rog­gen. Von die­ser Erkran­kung sind weni­ger Men­schen betrof­fen als von Lak­to­se­into­le­ranz, aller­dings stei­gen auch hier die Fall­zah­len an. Im Land­kreis Rott­weil waren 2016 88 AOK-Ver­si­cher­te wegen Zölia­kie in Behand­lung. Fünf Jah­re zuvor waren es erst 53 Per­so­nen.

Die Sym­pto­me kön­nen je nach Alter sehr unter­schied­lich sein. „Klei­ne Kin­der bekom­men oft einen auf­ge­bläh­ten Bauch und Durch­fall, wenn sie zum ers­ten Mal Getrei­de­pro­duk­te essen“, sagt Zel­ler-Thorn. Bei älte­ren Kin­dern und Erwach­se­nen sei­en die Beschwer­den viel schwä­cher aus­ge­prägt und gleich­zei­tig viel­fäl­ti­ger. Bei ihnen kön­nen bei­spiels­wei­se Durch­fall, star­ke Erschöp­fung, eine ver­min­der­te Kno­chen­dich­te und Eisen­man­gel, aber auch Depres­sio­nen, Unfrucht­bar­keit oder Gelenk­schmer­zen auf eine Zölia­kie hin­wei­sen. Die Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit bestehe in der Regel lebens­lang. „Mit einer glu­ten­frei­en Ernäh­rung kann mit die Zölia­kie in den Griff bekom­men und beschwer­de­frei leben“, so die AOK-Exper­tin.