Oberndorf: Der Narrentag des Viererbunds steht kurz bevor

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„Endlich isch soweit, der Narrentag des Viererbundes steht kurz bevor!“ So freuen sich die Veranstalter der Narrenzunft Oberndorf auf die Großveranstaltung, die am 27. und 28. Januar in der Neckarstadt stattfinden und sicherlich tausende Narren und Zuschauer anlocken wird. Auf dieser Seite stellt die NRWZ die Informationen dazu zusammen.

Der Tag der isch so freudareich!

Spruch in Oberndorf
Eine Sonderveröffentlichung mit freundlicher Unterstützung durch:

Seltenes Treffen mit langer Tradition

(Oberndorf). Seit drei Jahren schon planen und arbeiten die Verantwortlichen nach eigenen Angaben an der Vorbereitung des Narrentags 2024. Vor 61 Jahren wurden die Oberndorfer erstmals zu einem närrischen Treffen eingeladen, damals seitens der Narrenzunft Überlingen. Es wurde ein großer närrischer Tag mit den Freunden aus Elzach und Rottweil. Alle vier Zünfte eint eine eigene Vorstellung von Brauchtumspflege fernab einer Kommerzialisierung oder auch einer sogenannten Karnevalisierung der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Der Grundgedanke: Die Fasnet gehört in den Heimatort, die Heimatstadt. Der Narr soll dort feiern, wo er zuhause ist. Nur alle paar Jahre, das muss dann schon sein, trifft man sich zu einem großen gemeinsamen Fest außerhalb. Aber eben wiederum innerhalb des Bundes. So hat sich eine Besonderheit innerhalb der schwäbisch-alemannischen Fasnetslandschaft entwickelt – der Narrentag des Viererbundes.

1966, 1980, 1995 und 2010 fand er bereits in Oberndorf statt, nun, 14 Jahre später, ist es wieder soweit, dann kommen die Narren aus Elzach, Überlingen und Rottweil wieder in das  beschauliche Neckarstädtchen. „Endlich“, wie sie dort sagen.

Eindrucksvolles Brauchtum

An einem Narrentag, so formulieren es die Oberndorfer Veranstalter, treffen Gastfreundschaft und Herzlichkeit, historische Narrenkleider und Lebensfreude, tiefe närrische Verbundenheit und langjährige närrische Freundschaften, sowie die Wertschätzung althergebrachter Traditionen aufeinander. „Der Kenner der überlieferten Fasnet weiß genau, wie selten die Viererbundzünfte ihre alten Fasnetstraditionen außerhalb ihrer Stadtmauern präsentieren. Und so wird an einem Narrentag unverfälschtes und eindrucksvolles Brauchtum zum Leben erweckt“, heißt es in einer Mitteilung der Narrenzunft Oberndorf dazu.  Mehr dazu weiter unten.

Programm des Narrentags 2024

Freitag, 26. Januar 2024

19.00 Uhr Öffnung der Festhütten, Zelte und Besenwirtschaften

19.30 Uhr Fasnetskonzert der Stadtkapelle Oberndorf a.N. in der Festhalle (Einlass ab 18.30 Uhr)

Samstag, 27. Januar 2024

10.30 Uhr Stellen des Narrenbaums durch die Zimmermannsgilde der Narrenzunft Überlingen, begleitet von der Stadtkapelle Oberndorf a.N.; Ausschellen des Narrentags durch die Rottweiler Ausscheller

Grußworte der Narrenzunft Oberndorf und anschließender Fassanstich des Sondersuds zum Narrentag durch den Oberndorfer Elferrat

15.00 Uhr Empfang der Stadt Oberndorf a.N. für die Vertreter der Zünfte und geladene Gäste in der Klosterkirche

19.00 Uhr Nachtumzug der Viererbund-Zünfte mit abschließendem Schuttigfeuer auf dem Schuhmarktplatz. Die Umzugsreihenfolge: Narrenzunft Rottweil, Narrenzunft Überlingen, Narrenzunft Oberndorf a. N., Narrenzunft Elzach. Die Teilnehmer finden sich ab 18 Uhr zur Aufstellung ein. Der Nachtumzug startet in der Wasserfallstraße – dort ist auch die Aufstellung für die Musiker und Narren.

Freinacht: Bewirtung und närrisches Treiben in den Besenwirtschaften, Zelten, Gaststätten und der Festhalle

Sonntag, 28. Januar 2024

08.00 Uhr Frühstück in der Festhalle

09.00 Uhr Narrenmesse in der Pfarrkirche St.Michael mit Pfarrer Martin Schwer

10.30 Uhr Frühschoppen mit den Stadtkapellen des Viererbundes in der Festhalle

14.00 Uhr Großer Umzug der Viererbund-Zünfte Elzach, Rottweil, Überlingen und Oberndorf. Die Teilnehmer ab 13 Uhr in der Wasserfallstraße zur Aufstellung ein. Umzugsreihenfolge: Narrenzunft Elzach, Narrenzunft Rottweil, Narren­zunft Überlingen, Narrenzunft Oberndorf. a. N.

17.30 Uhr Abschlusskonzert der Viererbund-Kapellen vor dem „Alten Rathaus“

Die Umzugsstrecken

Umzugsstrecken und Sprungreihenfolge. Grafiken: Narrenzunft Oberndorf

Bewirtungsplan

Der Bewirtungsplan. Grafik: Narrenzunft Oberndorf

Der Viererbund

Text: Günter Danner, Zunftarchivar der Narrenzunft Oberndorf

Die Narrenzunft Oberndorf, die 1924/26 wie Rottweil und Elzach Gründungsmitglied der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte gewesen ist, trat 1958 aus dieser Vereinigung aus.

1953 hatten schon Elzach, Rottweil, Überlingen und Villingen die Vereinigung verlassen. Gründe für den Austritt waren fundamentale Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Bewahrung der historischen Tradition, der Gefahr der Kommerzialisierung, der Flut von Narrentreffen und der Aufnahme neuer Zünfte. Villingen beschloss, seine Fasnet nur noch in den Mauern der eigenen Stadt zu begehen, ist aber den Viererbund-Zünften nach wie vor freundschaftlich verbunden.

Im Jahr 1963 lud dann die Narrenzunft Überlingen die Oberndorfer zu ihrem Narrentag mit Rottweil und Elzach ein, was von diesen auch gerne angenommen wurde. Damit war aus einem „Dreierbund“ der „Viererbund“ geworden, der in dieser Zusammensetzung bis heute Bestand hat und sich nur alle drei bis vier Jahre an sogenannten „Narrentagen“ in den Viererbundstädten trifft.

Es gibt keine Satzung und keinerlei schriftliche Vereinbarungen oder finanzielle Abmachungen und Verpflichtungen. Man vereinbart lediglich per Handschlag der Präsidenten bzw. Zunftmeister eine neue Runde, sobald die Narrentage einen Durchlauf durch die vier Narrenstädte gemacht haben.

Ein Erfolgsmodell, das inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert Bestand hat und in dieser Form an spätere Generationen weitergegeben wird. In Oberndorf findet der Narrentag nach 1966, 1980, 1995, 2010 nun 2024 zum fünften Male statt.

Matthias Winter, Bürgermeister der Stadt Oberndorf a.N. und Marco Pfisterer, Zunftmeister der Narrenzunft Oberndorf. Grafik: Narrenzunft Oberndorf

Grußwort zum Narrentag 2024

Text: Matthias Winter, Bürgermeister der Stadt Oberndorf a.N. und Marco Pfisterer, Zunftmeister der Narrenzunft Oberndorf

Der Dag, der isch so freudereich … so heißt es in einem alten Oberndorfer Narrenspruch. Und freudenreich und heiter begehen wir den nun endlich in Oberndorf a.N. wieder stattfindenden Narrentag des Viererbundes.

Ein herzliches Willkommen wünschen wir allen Freunden und Narren des Viererbundes genauso wie allen närrischen Besuchern. Lange schon arbeiten, planen, engagieren und freuen sich die Mitglieder des Oberndorfer Elferrates, diverse Fest-Ausschüsse und vor allem die vielen Oberndorfer Hansel, Narro und Schantle auf dieses besondere Ereignis. Nach 1966, 1980, 1995 und 2010 darf endlich das Neckarstädtchen Oberndorf wieder Ausrichter dieser außerordentlichen Veranstaltung sein.

Die Kenner der überlieferten Fasnet wissen genau, wie selten die Viererbund- Zünfte ihre alten Fasnetstraditionen außerhalb ihrer Stadtmauern präsentieren. Und so wird an einem Narrentag unverfälschtes und eindrucksvolles Brauchtum zum Leben erweckt. Bald schon werden die Oberndorfer Gassen und Straßen bevölkert werden von lebendigen und historischen, erhaben hinkenden und freudig juckenden und juchzgenden Narren aus den Städten des Viererbundes.

Mit dem Stellen des Narrenbaums durch die Überlinger Zimmermannsgilde und dem Ausrufen des Narrentags durch die Rottweiler Ausscheller wird der Narrentag 2024 als Zeichen einer tief verbundenen närrischen Freundschaft offiziell beginnen. Mit dem Nachtumzug am Samstagabend wird das Mystische unserer alten Fasnetsbräuche noch besonders hervorgehoben – hier werden die Zuschauer vor allem von unseren Gästen vom Bodensee und aus dem Schwarzwald begeistert sein. Mit der Freinacht bieten wir allen Besuchern viele Stunden Gelegenheit, die über 60 Besenwirtschaften sowie die Festhalle zu besuchen und die Nacht närrisch zu feiern, bevor sich am Sonntag mit dem großen Festumzug die Ober- und Talstadt mit Narren und Besuchern füllen wird.

Wie bei solch einer großen Veranstaltung notwendig, gibt es viele Helfer, die im Hintergrund und in aller Stille in die Vorbereitungen involviert sind – seien es die vielen Gastgeber privater Quartiere oder die Betreiber der Besenwirtschaften, aber auch die Mitarbeitenden der Verwaltung und des Werkhofs. Ihnen allen danken wir mit einem herzlichen „Vergelt‘s Gott“ für das enorme bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt!

Aus der Amtsstube des Bürgermeisters sowie aus der Narrenstube der Narrenzunft ergehen zu diesem großen Heimatfest närrische Willkommensgrüße an alle Wirtsleute und Mäschgerle, Zuschauer und Teilnehmer, alte und junge Narren, Musiker und alle am Narrentag aktiven Helfer. Auf dass es den Oberndorfer Hansel, Narro und Schantle gelingt, getreu dem alten Oberndorfer Narrenruf, allen Gästen „freudenreiche und heitere Tage“ in unserem Städtle zu schenken. In diesem Sinne rufen wir allen Gästen ein närrisches Juhuhu und Rohoho zu und freuen uns auf einen unvergesslichen Narrentag in Oberndorf a.N.!

Grafik: Narrenzunft Oberndorf

Die Oberndorfer Fasnet

Text: Günter Danner, Zunftarchivar der Narrenzunft Oberndorf 

Es ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit der fastnächtlichen Tradition, die dieses jährlich in der „fünften Jahreszeit“ wiederkehrende Ereignis zu einem Fest des Wiedersehens, der unbeschwerten Freude und der Identifikation mit der Heimat macht.

Erklärbar ist dies nur aus der jahrhundertealten Geschichte der Oberndorfer Fasnet, die das närrische Bewusstsein der Oberndorfer bis heute geprägt hat. Der älteste Hinweis auf fastnächtliche Bräuche findet sich in der berühmten Zimmerschen Chronik, nach der 1502 Johann Werner von Zimmern einen „freien markt“ in Oberndorf ausrufen ließ, gleichbedeutend mit einer Art Narrengericht, welches sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte verloren hat.

Exemplarische Nachweise für eine fastnächtliche Tradition im 17. Jahrhundert finden sich in der Chronik des Oberndorfer Augustinerklosters und in der Darstellung des Wunnibald Roggenburger aus dem Jahr 1690.

Die eigentliche Geburtsstunde unserer heutigen Fasnet steht aber wohl im Zusammenhang mit dem Wirken eines aus Villingen stammenden städtischen Beamten, der 1786 Oberndorfer Bürgersöhne zum sogenannten „Narrenlaufen“ ermuntert haben soll.

Nachdem Oberndorf, das jahrhundertelang zum katholischen Vorderösterreich gehört hatte, 1806 zu Württemberg kam, geriet die Fasnet mehr und mehr unter den Druck der Obrigkeit und so wurden bereits 1809 per Erlass aus Stuttgart Narrenzünfte und Narrengerichte aufgelöst.

Gewachsene Traditionen lassen sich allerdings nicht einfach per Dekret im Bewusstsein der Bevölkerung auslöschen, und so existierte trotz aller neu geschaffenen Fastnachtsspiele und Maskenbälle die noch weitgehend unorganisierte aber ursprüngliche Straßenfasnet weiter. 1908 kam es schließlich zur Gründung der „Narrenzunft Oberndorf“, deren Ziel von Beginn an die „Förderung des Dienstagnarrenzuges“ war.

Trotz erneuter Verbote in den Notjahren, trotz zweier Weltkriege, trotz Nationalsozialismus und Besatzungszeit hat sich die Fasnet bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten und so stellt die Narrenzunft Oberndorf mit weit über 2000 Mitgliedern heute den mit Abstand größten Verein in der Stadt Oberndorf.

Wenn am Fasnetsdienstag um 8.30 Uhr der Narrenmarsch erklingt, bildet die Stadt die Kulisse für ein atemberaubend farbenprächtiges Gesamtbild an rund 2500 Narren und Musikern. Hauptfiguren der Oberndorfer Fasnet sind der Hansel mit Schirm und Körbchen, der Narro mit seiner Brezelstange und der Schantle mit Wurstangel und Korb. Ausdruck der obrigkeitlichen Gewalt ist die Einzelfigur des Polizeischantle, der traditionell das Ende des Zuges bildet.

Die Oberndorfer Narren gelten als besonders freigebig und so werden besonders die Zuschauer, die die alten Narrensprüche aufsagen, reich mit Brezeln, Orangen, Würsten und Bonbons beschenkt.

Weitere Infos

Infos zum Narrentag, zum Bustransfer, zu Zuschauerbändeln und Plaketten sowie allen weiteren Themen hat der Veranstalter, die Narrenzunft Oberndorf, hier zusammengestellt: nz-oberndorf.de/narrentag

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