Zeichnung aus der Kindergruppe. Foto: Fachstelle Sucht

ROTTWEIL – Im nun vor­lie­gen­den Jah­res­be­richt der Fach­stel­le Sucht für den Land­kreis Rott­weil des bwlv (Baden Würt­tem­ber­gi­scher Lan­des­ver­band für Prä­ven­ti­on und Reha­bi­li­ta­ti­on), wird dem The­ma Kin­der aus sucht­be­las­te­ten Fami­li­en ein beson­de­rer Schwer­punkt gewid­met.

Sucht­mit­tel­ab­hän­gig­keit eines oder bei­der Eltern­tei­le stellt in Deutsch­land ein gro­ßes Risi­ko für die gesun­de Ent­wick­lung von Kin­dern und Jugend­li­chen dar. Laut den Anga­ben der Bun­des­dro­gen­be­auf­trag­ten, Mar­le­ne Mort­ler, lebt jeder sieb­te Jugend­li­che mit einem Eltern­teil zusam­men, der eine alko­hol­be­zo­ge­ne Stö­rung auf­weist, Schät­zun­gen zufol­ge stam­men etwa 60.000 Kin­der von einem opi­at­ab­hän­gi­gen Eltern­teil ab und leben teil­wei­se mit die­sem zusam­men, im Bereich des patho­lo­gi­schen Glücks­spiels geht man in etwa von 37.500 bis 150.000 mit­be­trof­fe­nen Kin­dern aus.

Um die­sen Kin­dern wirk­sam hel­fen zu kön­nen und die Wahr­schein­lich­keit des Ent­ste­hens eige­ner Sucht­bio­gra­fi­en zu ver­hin­dern, bie­tet auch die Fach­stel­le Sucht im Land­kreis Rott­weil seit 2018 ein eva­lu­ier­tes Pro­gramm an. „Bei „Tram­po­lin“ ler­nen die Kin­der alters­ge­recht was Abhän­gig­keit bedeu­tet, wie sie mit schwie­ri­gen Situa­tio­nen bes­ser umge­hen kön­nen und haben die Mög­lich­keit Stär­ken und neu­es Selbst­be­wusst­sein zu ent­wi­ckeln. „Durch den Aus­tausch mit Kin­dern aus ande­ren sucht­be­las­te­ten Fami­li­en ent­steht eine psy­chi­sche Ent­las­tung“, so Cori­na Berg­mann-Man­gels, Sozi­al­päd­ago­gin und Trai­ne­rin für das Tram­po­lin Pro­jekt an der Fach­stel­le Sucht.

Nach der erfolg­rei­chen Durch­füh­rung des Pro­gram­mes wünsch­ten sich die Kin­der eine Wei­ter­füh­rung der Grup­pe. So ent­stand die Kin­der­grup­pe. „Wir holen die Kin­der regel­mä­ßig ab, kochen, backen, essen und spie­len gemein­sam und spre­chen über den All­tag der Kin­der sowie über Pro­ble­me“, so Berg­mann-Man­gels wei­ter. Unter­stüt­zung für die Durch­füh­rung von Tram­po­lin erhielt die Fach­stel­le in Form von Stel­lung der Räum­lich­kei­ten durch das Edith-Stein-Insti­tut, außer­dem gab es eine ein­ma­li­ge För­de­rung der Bür­ger­stif­tung Rott­weil sowie eine Spen­de von der Volks­bank Rott­weil.

Um wei­ter­hin die Kin­der­grup­pe und den Fahr­dienst auf­recht­erhal­ten zu kön­nen sei man aber drin­gend auf Spen­den und Unter­stüt­zung ange­wie­sen. Ins­be­son­de­re der Trans­port der Kin­der stel­le mit zuneh­men­der Grup­pen­grö­ße mit den eige­nen PKW´s ein Pro­blem dar. „Wir sind sehr dank­bar, dass wir mitt­ler­wei­le eine ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­te­rin für die­sen Bereich gewin­nen konn­ten“, erklärt Anja Klin­gel­hö­fer die Lei­te­rin der Fach­stel­le Sucht.

Um ein gesun­des Auf­wach­sen von Kin­dern und Jugend­li­chen zu unter­stüt­zen lege man auch ein gro­ßes Augen­merk auf die Prä­ven­ti­on und der Koope­ra­ti­on mit den ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen im Land­kreis, so Ani­ta Merk­le, Prä­ven­ti­ons­fach­kraft an der Fach­stel­le Sucht Rott­weil. Sie hat­te die Prä­ven­ti­on an Schu­len 2018 von Jörg Hügel über­nom­men. Ins­ge­samt wur­den in der Prä­ven­ti­on 1089 End­adres­sa­ten erreicht, der Schwer­punkt lag bei den Schu­len mit ins­ge­samt 13 Ver­an­stal­tun­gen und über 800 Schü­lern. Eltern­aben­de fan­den wei­ter­hin statt, jedoch in gerin­ge­rem Umfang wie in den Jah­ren zuvor, führt Merk­le wei­ter aus.

Im Jahr 2018 habe man ins­ge­samt 5092 Ter­mi­ne mit 844 Men­schen durch­ge­führt, damit habe sich die Zahl der Hil­fe­su­chen­den im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren wei­ter erhöht. „Als ich vor zehn Jah­ren hier ange­fan­gen habe, hat jeder im Team durch­schnitt­lich 155 Klient*innen betreut, heu­te sind es 172“, berich­tet die Lei­te­rin der Fach­stel­le Sucht, Anja Klin­gel­hö­fer wei­ter. Die Zunah­me der Nach­fra­ge nach Bera­tung im Bereich Can­na­bis habe sich wei­ter fort­ge­setzt. Vie­le Eltern fühl­ten sich mit dem immer frü­her begin­nen­den Can­na­bis­kon­sum ihrer Kin­der über­for­dert und hät­ten Schwie­rig­kei­ten, der Ver­harm­lo­sung in den Medi­en und Inter­net etwas ent­ge­gen­zu­set­zen.

Neben vie­len wei­te­ren Unter­stüt­zern, den ehren­amt­li­chen Mitarbeitern*innen, der Bür­ger­stif­tung und der Volks­bank Rott­weil, ist es Klin­gel­hö­fer noch wich­tig, dem Lions Club Donau-Neckar e.V. für die Wei­ter­ent­wick­lung der Ange­bo­te für Ange­hö­ri­ge zu dan­ken. Der Lions Club för­dert die­sen wich­ti­gen Bereich bereits seit 2006.

Die Fach­stel­le Sucht befin­det sich in der Schram­ber­ger Str. 23 in Rott­weil. Zu errei­chen ist sie von Mo-Fr unter der Tele­fon­num­mer 074180820 oder per mail unter fs-rottweil@bw-lv.de. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es auch auf der home­page www.bw-lv.de.