Landgericht Rottweil Archiv-Foto: him

SCHILTACH/ROTTWEIL (mm) – Der Staats­an­walt for­der­te letz­te Woche drei Jah­re und zehn Mona­te Haft für den 24-Jäh­ri­gen, der im Febru­ar eine Jog­ge­rin bei Schiltach mit einem Ham­mer nie­der­ge­schla­gen hat­te. Das ist zuwe­nig, fin­det die Anwäl­tin des Opfers.

Denn im Gegen­satz zum Staats­an­walt sieht sie eine Tötungs­ab­sicht: Der unter Dro­gen ste­hen­de Mann sei immer­hin in der Lage gewe­sen, dar­über nach­zu­den­ken, dass er die Frau weni­ger schwer ver­let­ze, wenn er die fla­che Sei­te des Ham­mers für den Angriff nut­ze, was er tat. „Dann weiß man auch, dass man mit Ham­mer­schlä­gen auf den Kopf einen Men­schen töten kann!”

Der Mann sei in der Lage gewe­sen, einzusehen,was er tut, ist sie über­zeugt. Und ver­wies auf die Fol­gen für ihre Man­dan­tin: Glück­li­cher­wei­se sei­en die kör­per­li­chen Schä­den nicht so dra­ma­tisch, „man kann von Glück reden, dass nichts Schlim­me­res pas­siert ist.” Aber die psy­chi­schen Fol­gen sei­en es. So kann die 52-Jäh­ri­ge auch heu­te, zehn Mona­te nach der Tat, nicht allei­ne das Haus ver­las­sen, nicht ein­mal in den Gar­ten gehen. „Sie hat die gesam­te Lebens­qua­li­tät ver­lo­ren.”

Die Anwäl­tin stell­te auch klar, dass nach ihrer Ansicht der Täter nicht frei­wil­lig von sei­nem Opfer abge­las­sen hat, son­dern weil er beob­ach­tet wur­de. Der Mann habe zwar ver­sucht, Reue zu zei­gen, aber doch immer wie­der die Schuld bei ande­ren gesucht, bei der Erzie­hung durch sei­ne Mut­ter und die Pil­ze, die er ein­ge­nom­men hat­te.

Verteidiger: Tiefe Reue

Ver­tei­di­ger Wolf­gang Burk­hardt hin­ge­gen sieht es ganz anders: Für ihn ist klar, dass sein Man­dant von der Frau abließ, als ihm klar wur­de, dass das, was sich abspiel­te, kei­ne Film­sze­ne, son­dern Rea­li­tät war, als er das Blut am Kopf der Frau und an sei­nen Hän­den sah. „Er hat­te zu kei­ner Sekun­de vor, sie zu töten!”

Auch den Ver­such einer Ver­ge­wal­ti­gung sieht der Ver­tei­di­ger nicht, er habe nur dar­stel­len wol­len, was er in den Por­no­fil­men gese­hen hat­te, die er sich zuvor das gan­ze Wochen­en­de über samt den Dro­gen rein­ge­zo­gen hat­te. Der 24-Jäh­ri­ge bereue die Tat zutiefst und kom­me nicht damit klar, was er da getan habe. Auch sei er immer koope­ra­tiv gewe­sen, habe sogar bei der Rekon­struk­ti­on der Tat mit­ge­wirkt, weil er bei der Auf­klä­rung mit­hel­fen woll­te – immer­hin haben bei­de, der 24-Jäh­ri­ge und sein Opfer, Gedächt­nis­lü­cken, was an die­sem ver­häng­nis­vol­len Febru­ar­sonn­tag auf der Holz­brü­cke tat­säch­lich pas­siert ist.

Der Ange­klag­te selbst nutz­te sei­ne Chan­ce, nach den Plä­doy­ers noch ein­mal das Wort an sein Opfer zu rich­ten: „Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich das alles bedaue­re, wie leid es mir tut.” Und er ver­sprach, nach sei­ner Frei­las­sung aus Schiltach weg­zu­zie­hen, „damit ich Ihnen nicht noch ein­mal unter die Augen kom­me.” Die Frau hör­te sich das unter Trä­nen an, ihr Mann nicht: Er hat­te zuvor türen­knal­lend den Gerichts­saal ver­las­sen.