Regiobus Schiltach-Rottweil: 17 Prozent mehr Fahrgäste

Zuschussbedarf sinkt um 100.000 Euro / Ministerium weist Kritik wegen Verwaltungsaufwand zurück

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Prominenter Fahrgast: Landesverkehrsminister Winfried Hermann im August im Regiobus. Busfahrer Waldemar Leis kassiert. Foto: him

KREIS ROTTWEIL (him) –  Was sich im Som­mer bei einem Besuch von Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann  andeu­te­te, das bele­gen jetzt die Zah­len des Land­krei­ses: Die Regio­bus-Linie 7478 von Schiltach über Schram­berg nach Rott­weil ist ein Erfolg.

In einem Zwi­schen­be­richt für den Kreis­tag schreibt die Lei­te­rin des Dezer­nats für Öffent­li­che Sicher­heit, Ver­kehr und Recht, Mar­ti­na Bit­zer, der Lini­en­ver­kehr sei „im Rah­men eines Lan­des­för­der­pro­gramms zum Regio­bus-Stan­dard auf­ge­wer­tet” wor­den. Als eine der ers­ten Regio­bus-Lini­en in Baden-Würt­tem­berg ging die Linie am 13. Dezem­ber 2015 in Betrieb.

Seit­her ver­keh­ren die Regio­bus­se stünd­lich von früh­mor­gens bis spät in die Nacht annä­hernd im inte­gra­len Takt zwi­schen Schiltach, Schram­berg und Rott­weil. In Rott­weil besteht Bahn­an­schluss an die Gäu­bahn, in Schiltach an die Kin­zig­tal­bahn. Die SBG  setzt Bus­se ein, die mit WLAN aus­ge­rüs­tet sind. Als der Regio­bus star­te­te, rech­ne­te der Kreis mit einer hal­ben Mil­li­on Euro Ver­lust, den sich das Land und der Kreis tei­len soll­ten.

Land fordert zu viele Daten

Bit­zer beklagt, dass das Land „stän­dig neue Daten vom Land­kreis gefor­dert“ habe. Des­halb habe sich die Abrech­nung für 2016 bis in den Spät­som­mer hin­ge­zo­gen.

Auch die Betrei­ber­fir­ma SBG Süd­ba­den­bus ist sau­er. Die SBG habe „trotz mona­te­lang aus­blei­ben­den Zah­lun­gen den­noch den Ver­kehr auf­recht­erhal­ten“. Ange­sichts der schlep­pen­den Abrech­nung mit dem Land habe die SBG aber wenig Inter­es­se, sich um wei­te­re Regio­bus­se zu bemü­hen. Soll­te die Regio­bus­li­nie über das Jahr 2018 hin­aus wei­ter geführt wer­den, wer­de die SBG die Kos­ten für den Ver­wal­tungs­auf­wand kri­tisch über­prü­fen. Auch beim Kreis sei „mit der Ein­füh­rung der Regio­bus-Linie 7478 der Ver­wal­tungs­auf­wand erheb­lich gestie­gen.“

Ministerium wehrt sich: Alles klar geregelt

Die Kri­tik am Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um mag man dort nicht so ste­hen las­sen. In einer Stel­lung­nah­me, die die NRWZ erbe­ten hat­te, weist das Minis­te­ri­um dar­auf hin, dass die För­de­rung der Regio­bus­se ist ein neu­es För­der­pro­gramm sei. „Rott­weil gehör­te zu den ers­ten Antrag­stel­lern. Alles muss zwi­schen den Betei­lig­ten erst ein­ge­übt wer­den.”

Auch für den Land­kreis und die Ver­kehrs­un­ter­neh­men sei nicht gleich klar gewe­sen, was sie an Unter­la­gen ein­rei­chen müss­ten. Dies sei aller­dings im För­der­be­scheid bereits klar gere­gelt und es habe „kei­ne Nach­for­de­run­gen des Lan­des” gege­ben. „Wir gehen davon aus, dass sich die Abläu­fe in den kom­men­den Jah­ren ein­spie­len wer­den und dar­aus dann eine Rou­ti­ne wird”, so der Spre­cher des Minis­te­ri­ums Edgar Neu­mann.

Zahlen stimmen „verhalten optimistisch”

Inzwi­schen habe der Kreis die Zah­len des Lan­des für 2016 und die stimm­ten „ver­hal­ten opti­mis­tisch“, so die Dezer­nen­tin. Dem­nach sind die Fahr­gast­zah­len 2016 gegen­über 2015 um fast 83.000 auf etwa 568.000 Ein­stei­ger oder um 17 Pro­zent gestie­gen. Beson­ders an den Wochen­en­den hät­ten sich die Zah­len von etwa 31.000 auf über 66.000 mehr als ver­dop­pelt.

Gra­fik: Land­kreis Rott­weil

Bit­zer schließt dar­aus, dass sich für die Fahr­gäs­te durch das stünd­li­che Ange­bot, die damit ver­bun­de­ne erhöh­te Ver­füg­bar­keit der „Wert“ die­ses Frei­zeit-Ange­bo­tes merk­lich erhöht habe. Aller­dings blei­be der Schü­ler­ver­kehr auch auf der Regio­bus­li­nie der domi­nie­ren­de Fak­tor. Es fah­ren nach wie vor sechs Mal mehr Schü­ler als Berufs­tä­ti­ge, Leu­te zum Ein­kau­fen oder in der Frei­zeit mit dem Bus.

Dank der guten Fahr­gast­zah­len betra­gen die Ein­nah­men das Vier­fa­che des­sen, was die Ver­wal­tung ursprüng­lich geschätzt hat­te: 120.000 Euro statt 30.000 Euro. Das Land hat für 2016 ein Defi­zit von gut 393.000 Euro errech­net, 100.000 Euro weni­ger als geplant. Das heißt, dass sich der Zuschuss für den Land­kreis um 50.000 Euro ver­min­dert.

Dezer­nen­tin Bit­zer sieht die Ent­wick­lung der Regio­bus-Linie 7478 „ins­ge­samt posi­tiv“. Es blei­be aber abzu­war­ten, ob sich die Fahr­gast­stei­ge­run­gen fort­set­zen. Sie schlägt dem Kreis­tag vor, über 2018 hin­aus eine „Fort­füh­rung für zunächst wei­te­re fünf Jah­re zu avi­sie­ren.“ Der Kreis­tag hat dem dann auch bei einer Ent­hal­tung so zuge­stimmt.

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