NRWZ.de, 29. September 2020, Autor/Quelle: Peter Arnegger (gg)

Rettungshundestaffel hat Aussicht auf Übungsgelände bei Zimmern

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs haben sich auf der Stettener Höhe bei Zimmern ob Rottweil sowohl eine Flak-Kaserne als auch ein großes Flak-Beständelager befunden. Heute ist das ein verwaistes, kaum nutzbares Grundstück. Obwohl: Für die Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau wäre es offenbar ideal.

Der Verein, der Hunde etwa für Sucheinsätze nach Vermissten ausbildet, ist immer auf der Suche nach Grundstücken. Gerne dürfen sie aufgelassen, vergessen, verwildert sein – denn im Ernstfall suchen die Hunde etwa auch in Trümmern nach Überlebenden. Eine Anfrage der Rettungshundestaffel bei der Gemeinde Zimmern könnte nun zum Ziel führen.

Das Ziel, das liegt auf der Gemarkung des Zimmerner Teilorts Flözlingen, auf der sogenannten Stettener Höhe. Der Villingendorfer Matthias Müller hat sich mit der Geschichte des Geländes befasst, hat alte Bilder und Beschreibungen beigebracht. Demnach befanden sich dort eine Flak-Kaserne und ein Flak-Beständelager. „Während des Krieges war dort auch ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet“, so Müller auf seiner Webseite „Spuren der Zeitgeschichte in und um Rottweil„. Die Rottweiler Pulverfabrik sollte nach Müllers Erkenntnissen aus der Höhe vornehmlich vor feindlichen Fliegerangriffen geschützt werden.

Auf einem Teil des Grundstücks ist Anfang der 1940-er Jahre eine mechanisch-biologische Kläranlage errichtet worden. Am 19. Januar 1942 sei sie von der Ministerialabteilung für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung Stuttgart genehmigt und wohl 1943 in Betrieb genommen worden. Das berichtet Heiko Gutekunst, Wirtschaftsförderer des interkommunalen Gewerbegebiets Inkom Südwest. Denn das ehemalige Flak-Gelände, das gehört jetzt zum Inkom. „Diese Flächen wurden am 28. Mai 2002 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zum Grünlandpreis erworben“, so Gutekunst.

Das Flurstück, um das es geht, sei für die Erschließung des Gebietes essenziell, da dort der damalige und jetzige Regenwasserkanal verläuft. Aber darüber hinaus: schwer nutz- und bebaubar.

Kurzer Blick zurück: Laut Gutekunst hatten die Leute von der Rettungshundestaffel bereits 2018 bei der Gemeinde Zimmern nach einem Grundstpück angefragt. Zwei Jahre später kam der Wirtschaftsförderer darauf zurück: „Da der Römerhof 3 seit Juni 2020 im Eigentum des Inkom Südwest ist und leer steht, hat die Verbandsverwaltung den Kontakt zur Rettungshundestaffel gesucht“, so Gutekunst. Da der Verein im zivilen Katastrophenschutz tätig sei, habe der Zweckverband ihm, im Rahmen der Amtshilfe, das ungenutzte Wohngebäude gegen eine Haftungsfreistellung überlassen.

Im Rahmen einer Objektbesichtigung habe man allerdings auch die übrigen Liegenschaften des Zweckverbands besucht.

Seit 1988 unterhält der Verein im Berner Feld bei Rottweil ein Trümmerübungsgelände. Dieses hat er von der Stadt Rottweil gepachtet, allerdings laufe der Pachtvertrag in absehbarer Zeit aus, so der Inkom-Vertreter. Daher sei der Verein derzeit auf der Suche nach einem anderen Trümmerübungsplatz.

Anfang September 2020 habe der Verein wiederum bei der Verbandsverwaltung angefragt: Man möchte die alte Kläranlage als Trümmerübungsplatz pachten und entsprechend herrichten. Es geht um ein Gelände von gut 2500 Quadratmetern.

Im Rahmen der Liegenschaftsüberprüfung, so Gutekunst, hätte bereits im Frühjahr 2020 eine Begehung mit einem Fachbüro stattgefunden. Ergebnis: „Das Flurstück kann nach Einschätzung des Büros nicht wirtschaftlich mit Ökopunkten aufgewertet werden“, so der Wirtschaftsförderer. Da das Gelände seit Jahren nicht genutzt wird, hätten sich darauf „sehr wahrscheinlich“ Reptilien und Amphibien mit ihren Winterquartieren angesiedelt.

Der Hobby-Historiker Müller formuliert es so: „Über das Kasernengelände ist wortwörtlich (reichlich) Gras gewachsen und es ist kaum noch etwas von dem Gelände erkennbar.“

Eine fachgerechte Sanierung und Wiederherstellung der Kläranlage erachtet die Verbandsverwaltung laut Gutekunst als wenig wirtschaftlich. Allerdings müsse der Zaun ums Gelände dringend repariert werden, um die Verkehrssicherungspflicht gewährleisten zu können. „Daher könnte die langfristige Verpachtung an die Rettungshundestaffel eine gangbare Lösung für den Zweckverband sein“, so der Wirtschaftsförderer. Denkbar sei, dass der Verein den Zaun nach seinen Bedürfnissen herstellt und die Pflege des Geländes übernimmt. „Dafür erhält er das Gelände vom Zweckverband pachtfrei.“

Eine Anfrage beim Denkmalamt sei bereits erfolgt. Dieses führe die alte Kläranlage nicht als Denkmal. „Dies ist“, so der Wirtschaftsförderer, „allerdings nur eine Momentaufnahme und kann sich ändern.“

Außerdem verursacht das Gelände Kosten – die der Verein offenbar vorwiegend durch Eigenleistung übernehmen würde. Die alte Kläranlage wurde 2018 für rund 3000 Euro von Bäumen und Sträuchern befreit. Um den Platz für die Rettungshundestaffel nutzbar zu machen, müsste nochmals der Bewuchs für etwa 2000 Euro entfernt werden. Zusätzlich sei der Zaun zu ertüchtigen. Hier schätzt die Verwaltung den Aufwand auf 5000 bis 12000 Euro. „Eine unentgeltliche Verpachtung mit der Übertragung der Pflegeleistung und der Verkehrssicherung würde den Verband daher entlasten“, rechnet Gutekunst vor.

Entscheiden kann nicht er das, das wird die Verbandsversammlung am 5. Oktober ab 17.30 Uhr tun. Übrigens: in der Turn- und Festhalle Flözlingen, sozusagen am Fuße des Geländes.

Rettungshundestaffel hat Aussicht auf Übungsgelände bei Zimmern