Scheuch gegen HK: Verschoben auf April

Wem gehört Heckler und Koch? Rätsel bleibt ungelöst

Klagt gegen seinen Rausschmiss: Ex-Heckler und Koch Chef Norbert Scheuch. Foto: him

OBERNDORF/ROTTWEIL (him) – Die gerichtliche Auseinan­der­set­zung zwis­chen dem ehe­ma­li­gen Vor­standsvor­sitzen­den von Heck­ler und Koch Nor­bert Scheuch und seinem früheren Arbeit­ge­ber ist auf April 2018 ver­schoben. Das hat der Vizepräsi­dent des Landgerichts Rot­tweil Dr. Thi­lo Reb­mann auf Nach­frage der NRWZ bestätigt.

Ursprünglich sollte das Landgericht am Dien­stag, 12. Dezem­ber über die Klage Scheuchs ver­han­deln. Dieser weht sich gegen seine frist­lose Ent­las­sung Ende August durch den Auf­sicht­srat des Unternehmens. Von der Ver­hand­lung hat­ten sich Beobachter des Obern­dor­fer Waf­fen­her­stellers ver­sprochen, Einzel­heit­en über die Lage der Fir­ma und mehr über die Hin­ter­gründe der Ent­las­sung Scheuchs zu erfahren.

Dieser hat­te eine Öffentlichkeit­sof­fen­sive ges­tartet, nach ein­er Aktionärsver­samm­lung Mitte August mit Jour­nal­is­ten des SWR und der NRWZ gesprochen und eine sehr restrik­tive Waf­fen­ex­port­poli­tik angekündigt. Zwei Wochen später war er gefeuert.

Die Ver­hand­lung über diese Ent­las­sung sei ver­schoben auf Fre­itag, 6. April 2018 um 14 Uhr, bestätigt Reb­mann. Es seien „ganz nor­male Gründe“, die zur Ver­schiebung geführt hät­ten, näm­lich Urlaub und Einar­beitung eines  Richters beim Landgericht  Rot­tweil in die Materie.

Wem gehört das Unternehmen?

Unter­dessen gehen die Speku­la­tio­nen um die wirtschaftliche Lage und die Besitzver­hält­nisse bei Heck­ler und Koch in der Wirtschaft­s­presse weit­er: Inter­im­schef Wolf­gang Hesse erk­lärte auf Anfrage der Zeitschrift „Finance“, sein Unternehmen wolle eine pri­vate Dar­lehensvere­in­barung über 60 Mil­lio­nen Euro in eine öffentlich notierte Anlei­he umwan­deln. „Was sich das Unternehmen aus Obern­dorf im Schwarzwald davon ver­spricht, ließ der Finanzchef offen“, so Desiree Back­haus in „Finance“, das zur FAZ-Medi­en­gruppe gehört.

Hin­ter­grund ist die 220-Mil­lio­nen-Euro-Anlei­he, für die Heck­ler und Koch enorm hohe Zin­sen, näm­lich 9,5 Prozent bis diesen Som­mer zahlen musste. Scheuch hat­te diese Summe  deut­lich reduziert und zwar durch neue Dar­lehen über 170 Mil­lio­nen Euro und ein­er Kap­i­taler­höhung über 50 Mil­lio­nen Euro. Die hat­te sich Großak­tionär Andreas Heeschen bei der Aktionärsver­samm­lung im Som­mer genehmi­gen lassen.

Archiv-Foto: him

Ob Heeschen über­haupt weit­er­hin Mehrheit­sak­tionär ist, hat das Wirtschafts­magazin „Bilanz“ in Frage gestellt. Ein ander­er, eben­falls  gefeuert­er, Vor­standsvor­sitzen­der will eine höhere Abfind­ung erstre­it­en: Nico­la Marinel­li beruft sich in sein­er Klage, die eben­falls in Rot­tweil ver­han­delt wird,  auf eine „Change of Control“-Klausel. Diese sichert ihm eine Abfind­ung zu für den Fall, dass ein neuer Mehrheits­ge­sellschafter ihn ent­lassen sollte. Marinel­li gibt an, nicht Heeschen habe ihn im Jahr 2016 gefeuert.

Dieser habe einen Teil sein­er Aktien an den Fran­zosen Nico­las Walews­ki verkauft. „Walews­ki kon­trol­liert die Mehrheit der Aktien. Er greift aktiv in die Geschäfte von Heck­ler & Koch ein“, sagte Marinel­li der im „Welt“-Verbund erscheinen­den Zeitschrift. Heeschens Anwalt teilte „Bilanz“ hinge­gen mit, Walews­ki habe „wed­er Funk­tion noch Ein­fluss bei Heck­ler & Koch. Melde- und Freiga­be bedürftige Erwerb­svorgänge seien dem Bun­deswirtschaftsmin­is­teri­um gemeldet und “von diesem freigegeben” wor­den. Das Min­is­teri­um wollte das auf Nach­frage von „Bilanz“ wed­er bestäti­gen noch demen­tieren.

Laut Süd­kuri­er hat vor dem Landgericht Rot­tweil bere­its eine Ver­hand­lung stattge­fun­den, allerd­ings habe ein wichtiger Zeuge gefehlt. Dieser Zeuge „war im Aus­land zu laden“, so Landgerichtsvizepräsi­dent Reb­mann auf Nach­frage der NRWZ. Er habe aber nicht geladen wer­den kön­nen. Der Richter habe den Prozess­parteien aufge­tra­gen, eine lade­fähige Adresse beizubrin­gen. Ob der Zeuge dann im Aus­land befragt wird und wie das geschieht, sei offen. Er gehe davon aus, dass sich das Ver­fahren noch eine Weile hinziehen werde, so Reb­mann.