Wulf Wager und Alice Schwarzer werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN – Der Abend hät­te Ali­ce Schwar­zer kei­nen Spaß gemacht: Wulf Wager gas­tier­te am Don­ners­tag in Deiß­lin­gen, und der selbst­er­nann­te Super-Schwob brach­te sein Publi­kum mit jeder Men­ge Wit­ze weit unter­halb der Gür­tel­li­nie zum Lachen. Ein­ge­la­den hat­te den Kaba­ret­tis­ten, Mode­ra­tor, Musi­ker und Her­aus­ge­ber einer Zeit­schrift Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich, und zwar anläss­lich des fünf­ten Jah­res des Senio­ren­fo­rums Brü­cken­bau­er – ein Geburts­tags­ge­schenk, das es in sich hat­te.

Des­halb gabs ein­gangs auch gleich eine Vor­war­nung: Für lang­jäh­ri­ge Ehe­frau­en und über­ge­wich­ti­ge Lebens­ab­schnitts­ge­fähr­tin­nen sowie die­je­ni­gen, die des Schwä­bi­schen nicht mäch­tig sind sei der Abend nix, da die Moral­gren­zen über­schrit­ten wür­den. Oder bes­ser gesagt unter­schrit­ten: Die Eman­zi­pa­ti­on sei nur dafür gemacht wor­den, damit auch häss­li­che Frau­en ihren Platz in der Gesell­schaft hät­ten. Und hei­ra­ten? Bloß nicht, das schränkt den wil­den Mus­tang doch nur ein, und Zäu­ne, wer mag das schon? Wulf Wager ganz sicher nicht, der betont, schon zum zwei­ten Mal ver­hei­ra­tet zu sein.

Sei­ne Frau hat offen­bar kein Mit­spra­che­recht, zumin­dest nicht, was das Büh­nenout­fit angeht, und das gibt er auch zu. Erscheint daher in rotem Anzug samt pas­sen­der Kra­wat­te, dazu ein schwar­zes Hemd – eine Sty­lis­tin hät­te ihm ver­mut­lich etwas ande­res emp­foh­len. Und reiht sein Publi­kum ein zwi­schen Hosasch­ei­ßer, Bloa­tra, Schafs­eckel und Spi­nat­wach­teln, Bür­ger­meis­tern und Samen­spen­dern, wo es sich sicht­lich wohl fühlt.

Sei­ne Zun­gen­bre­cher übt, den vom Papst und sei­nem Besteck bei­spiels­wei­se, oder mit­singt, auch wenn es nur „duf da duf da“ ist. Der Mann muss sei­ne Eman­zi­pa­ti­on nach­ho­len, das wird offen­sicht­lich, wenn Wager davon erzählt, dass Frau­en einen Mann brau­chen, mit dem sie ver­schie­de­ne Sachen machen kön­nen, Män­ner hin­ge­gen vie­le Frau­en, mit denen sie eine Sache machen kön­nen.

War­um Vege­ta­rie­rin­nen am ehes­ten einen Orgas­mus vor­spie­len? Weil sie sich nicht vor­stel­len kön­nen, dass so ein klei­nes Stück Fleisch soviel Spaß machen kann. Wor­an man einen evan­ge­li­schen und einen rich­ti­gen Pfar­rer unter­schei­den kann? Beim evan­ge­li­schen hän­gen die Win­deln hin­term Haus, beim katho­li­schen im gan­zen Dorf.

Und das kür­zes­te Mär­chen ist das von der wun­der­schö­nen Prin­zes­sin, die dem statt­li­chen Prin­zen einen Korb gibt, und der dar­auf­hin glück­lich sein Jung­ge­sel­len­le­ben wei­ter­le­ben kann: sau­fen, fur­zen, rülp­sen und sich aus­gie­big am Sack krat­zen.

Ja, so sind die Män­ner halt, wenn man sie nur lässt. Als Frau. Kose­na­me Schnegg­le? Den kriegt die, die nicht die schnells­te ist, aber ein Häus­le mit­ge­bracht hat. Und dann die Venus von Schel­klin­gen: viel Kör­per, kein Kopf. Wit­ze von der Hau­se­re vom Pfar­rer, die auch Zöli­ba­tes­se genannt wird, Witz­le vom Bau­er, der der Kuh, weil sie so  unru­hig ist, die Bei­ne zusam­men­bin­det und ihr dann, als kein Strick mehr da ist, den Schwanz mit dem Gür­tel hoch­bin­det. Als dann die Hose rutscht und die Frau zur Tür rein kommt – man kann es sich den­ken, und wenn nicht: Wager hat´s auch gra­fisch dar­ge­stellt an die Wand gewor­fen.

Män­ner hei­ra­ten nicht, sie wer­den gehei­ra­tet. Und die  Frau ist die ein­zi­ge Beu­te, die ihrem Jäger auf­lau­ert. Aber auch die Schwa­ben krie­gen ihr Fett ab: Die schlimms­ten Krank­hei­ten sind Cho­le­ra, Mala­ria und von dr Alb ra. Ein Abend voll der­bem Humor, den man mögen muss. Die Deiß­lin­ger Zuschau­er moch­ten es.