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Freitag, 21. Februar 2020

SeppDeppSeptett: Virtuoses Blödelblech

DEISSLINGEN – Das SeppDeppSeptett ist eine Klasse für sich. Am Sonntagabend begeisterte die (achtköpfige!) bayrisch-schwäbische  Truppe das Publikum in der rappelvollen Deißlinger Halle.

Wer sich unter Blasmusik Walzer, Polka und bayrische Meldodien, vielleicht auch die eine oder andere adaptierte Film- oder Popmelodie oder  vorstellt, liegt richtig. Denn das ist auch, was diese  Truppe aus ehemaligen Trossinger Musikstudenten macht, die aber schon mit ihrem Namen klarmachen: Ernst zu nehmen ist das nicht. Und es ist etwas völlig Eigenes, ein Genre, das man vielleicht Blödelblech nennen könnte. Virtuoses Blödelblech.

Denn drauf haben die sechs Jungs und zwei  Mädels ihre Instrumente, und wie. Als Affen über die Bühne zu  hüpfen , mit Bananen zu schmeißen und dabei hochkarätig Musik zu machen, das ist schon beeindruckend. Oder in rosa Röckchen, auf einem Bein, die Augen weit aufgerissen und die Mundwinkel nach unten gezogen die Flamingos zu geben – da  war das Publikum nicht mehr zu halten, der Lachmuskelkater vorprogrammiert.

 Ihre verrückten Ideen haben die Seppdeppler in die Geschichte ihres Namensgebers gepackt, den Sepp eben, der sich mit seiner Trompete auf eine Weltreise macht, und mit seinen Versuchen, seine geliebte bayrische Volksmusik an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen, meist scheitert. Dafür ständig in abstruse Situationen kommt, versehentlich mit einer Sojus-Rakete startet oder in ein Sergio Leone-Duell gerät.

Letzteres wird mit einer Gurke und einer Banane ausgetragen, untermalt von Ennio Morricone-Klängen. In Afrika schließt er sich der Elefanteparade aus dem Dschungelbuch an, in Rumänien besiegt er Graf Nikola im Trompetenduell – aus zweien davon lässt sich nämlich auch ein Kreuz bilden. Ganz köstlich die skurrile Talentshow, bei der Lokalmatador Robin Nikol mit Hornist Jonathan Baur zu „Something Stupid“ ein Liebespaar gibt. Oder wenn der Sepp die amerikanischen Marschbläser so aus ihrem Tritt bringt, dass alle durcheinanderpurzeln und dann aber am Boden weiterspielen – das ist genial. Ebenso die herrliche Anbetung der Blockflöte in ihrer König der Löwen-Persiflage.

Singen können sie auch, das beweisen sie nicht erst in der ersten Zugabe mit dem traurigen „In einem kühlen Grunde“, der weitere, fröhlichere folgen, bis die acht schließlich klarmachen, dass die Kehlen jetzt so ausgedörrt sind, dass jetzt nur noch das Feierabendbier hilft. Für die Ankündigung von Musikvereinsvorsitzendem Thomas Grimm, das werde sicher nicht das letzte Mal sein, dass die Truppe in Deißlingen auf der Bühne steht, gab´s dann nochmal großen Applaus. Offenbar hatten alle hier noch lange nicht genug von diesem herrlichen Blödsinn.

Mehr unter www.SeppDeppSeptett.com.

 

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