NRWZ.de, 16. November 2021, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Sicher Planen – ein Ding der Unmöglichkeit

Klausurtagung des Kreisvorstands der Grünen

ROTTWEIL – Rot. Nur wenn es einen einzelnen roten Strich im kleinen Anzeigefenster des Teststreifens gibt, ist der Coronatest negativ verlaufen. Bei allen sechs Mitgliedern des Kreisvorstands der Grünen war dies der Fall. Die Klausurtagung im Rottweiler „Hasen“ konnte coronafrei beginnen. Eine Tagung unter „2G+“-Bedingungen, denn alle Teilnehmer waren auch geimpft.

Dennoch zog sich die Pandemie wie ein roter Faden durch die rund achtstündige Tagung. Vieles, was besprochen wurde, stand unter einem Coronavorbehalt. Veranstaltungen, wie beispielsweise den traditionellen Neujahrsempfang des Kreisverbandes zu planen, war dadurch nahezu unmöglich. Am Ende waren die Flipcharts und Tafeln mit Ideen und Planungen zwar vollgeschrieben, doch was sich dadurch in den nächsten Monaten auch tatsächlich umsetzen lässt, hängt weniger vom Engagement der Grünen ab, als von der Entwicklung der Pandemie.

Ein Rückblick auf die Bundestagswahl und deren Ergebnisse stand am Anfang der Tagung. Selbstkritisch wurde festgestellt, dass beim Ergebnis im Kreis noch deutlich Luft nach oben gewesen wäre. An der Bundestagskandidatin Annette Reif lag das eher schwache Abschneiden bei der Wahl allerdings nicht, wurde einhellig festgestellt.

Der Blick ging nach vorne, und nach der Mittagspause stieß auch Pascal Haggenmüller, Sprecher von QuerGrün von Baden-Württemberg, zur Klausur dazu. Haggenmüller wird mit großer Wahrscheinlichkeit in zwei Wochen zum neuen Landesvorsitzenden der Grünen/Bündnis 90 gewählt werden. Jetzt war er in Rottweil, moderierte den Nachmittag und gab Einblicke in die Pläne der Landesgrünen. So sollen in den kommenden Jahren vor allem die Strukturen der Grünen im ländlichen Raum gestärkt werden. Wurde bei den letzten Wahlen doch ein klares Gefälle zwischen städtischen Zentren wie Stuttgart, Freiburg oder Karlsruhe gegenüber ländlich strukturierten Regionen wie dem Kreis Rottweil deutlich.

Dies war eine Aussage, welche die Kreisgrünen gerne vernahmen. Denn gerade hier gibt es Problemfelder, die es in Zentren derart ausgeprägt nicht gibt. Beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung oder auch beim ÖPNV. Durch die Pandemie wurde offenkundig, dass die Gesundheitsversorgung im Kreis schon seit Jahren auf einem verbesserungswürdigen Level ist. Vielerorts fehlen Arztpraxen, Facharzttermine sind schwer zu bekommen. Dazu kommt ein privatwirtschaftlich geführtes Krankenhaus, bei dem Gewinnmaximierung und Patientenwohl manchmal kollidieren. Am Rande wurde dabei deutlich, dass Landesmittel, die für eine bessere ärztliche Versorgung in der Fläche führen könnten, oft nicht abgerufen werden.

Als ein Verkehrskonzept von vorgestern wurde das geplante Parkhaus in Rottweil bezeichnet. Weiter darauf zu setzen, dass vermehrt Autos durch und nach Rottweil fahren, sei der falsche Weg.

Dies waren nur zwei von zahlreichen Themen, die besprochen wurden. Auch organisatorische Fragen zum Kreisverband wurden aufgeworfen. Beispielsweise dazu, wie Neumitglieder, von denen es in den letzten Monaten doch zahlreiche gab, gut in die Arbeit der Kreisgrünen mit eingebunden werden können.

Bemängelt wurde, dass der Kreisverband weder in Stuttgart, noch in Berlin oder Brüssel durch eigene Mandatsträger vertreten ist. Um hier nicht abgehängt zu werden, sei eine intensive Zusammenarbeit mit dem Landesverband erforderlich. Diese sicherte Pascal Haggenmüller auch zu. Und er fand am Ende der Klausur auch anerkennende Worte für die Rottweiler. Es sei immens, was sich der Kreisverband an Vorhaben für die nächsten anderthalb Jahre ausgewählt habe. Und es sei sehr positiv festzuhalten, wie harmonisch die Diskussionskultur und die Zusammenarbeit in diesem Kreisvorstand sei.

Sicher Planen – ein Ding der Unmöglichkeit