Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Sabine Wölfle, informierte über die Ziele der SPD im Landtag. Torsten Stumpf moderierte die Veranstaltung. Foto: pm

Seit der ver­gan­ge­nen Land­tags­wahl vor zwei­ein­halb Jah­ren regiert in Baden-Würt­tem­berg eine Koali­ti­on aus Grü­nen und CDU. Auf Ein­la­dung des SPD-Kreis­ver­bands Rott­weil infor­mier­te die stell­ver­tre­ten­de SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Land­tag, Sabi­ne Wöl­f­le, über die Vor­stel­lun­gen der SPD-Land­tags­frak­ti­on und ver­glich dies mit der Arbeit der amtie­ren­den Regie­rung. Mode­riert wur­de die Ver­an­stal­tung vom SPD-Kreis­vor­sit­zen­den Tors­ten Stumpf. Dar­über berich­tet die SPD in einer Pres­se­mit­tei­lung:

„Halb­zeit­bi­lanz der Lan­des­re­gie­rung: Mehr Schein als Sein – Gro­ße Über­schrif­ten, kaum Inhal­te“, hat­ten die Genos­sen das The­ma über­schrie­ben. Dabei stan­den die eige­nen Lösungs­an­sät­ze im Mit­tel­punkt. „Es geht um unse­ren Ent­wurf für Poli­tik in den kom­men­den zwei­ein­halb Jah­ren“, mach­te Sabi­ne Wöl­f­le deut­lich. Und wei­ter: „Die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler inter­es­siert unser Ent­wurf für die Zukunft und nicht, was wir in der Ver­gan­gen­heit erfolg­rei­ches gemacht haben.“

Unter der Über­schrift star­ke Kom­mu­nen möch­te die SPD im Land­tag den Kom­mu­nen 500 Mil­lio­nen Euro für die Sanie­rung und Moder­ni­sie­rung der Schul­ge­bäu­de zur Ver­fü­gung stel­len. Noch­mal die glei­che Sum­me will die SPD für Kran­ken­haus- und Wohn­raum­för­de­rung sowie den ÖPNV-Aus­bau bereit­stel­len. Wöl­f­le wei­ter: „Die Kom­mu­nen dür­fen mit den Kos­ten und Her­aus­for­de­run­gen der Inte­gra­ti­on nicht allei­ne gelas­sen wer­den.“

Deut­lich mach­te die Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ke­rin Sabi­ne Wöl­f­le mit Blick auf das Han­deln der Lan­des­re­gie­rung: „Die Kran­ken­häu­ser mit einer Grö­ße von bis zu 300 Bet­ten sind alle gefähr­det.“ Auch beim Woh­nen wer­de es immer schlim­mer. Von den kom­mu­na­len Lan­des­ver­bän­den wird laut Wöl­f­le beklagt, dass es kei­nen Part­ner­schaft­li­chen Umgang der Lan­des­re­gie­rung mit den Kom­mu­nen gibt.

Bei der digi­ta­len Infra­struk­tur for­dert die SPD einen Zugang zum schnel­len Inter­net für alle Bür­ger und Unter­neh­men. Hier­zu brau­che es eine ein­fa­che­re Antrag­stel­lung und Beschleu­ni­gung des För­der­ver­fah­rens zur bes­se­ren Unter­stüt­zung der Kom­mu­nen beim Breit­band­aus­bau.

Aus­ge­baut wer­den muss nach Ansicht von Sabi­ne Wöl­f­le auch die digi­ta­le Infra­struk­tur an den Schu­len. Dane­ben brau­che man eine funk­ti­ons­fä­hi­ge Bil­dungs­platt­form. Womit sie beim Punkt star­ke Schu­len war. Die SPD for­dert eine Unter­richts­ver­sor­gung von 106 Pro­zent an jeder Schu­le, die Rück­nah­me der Strei­chung von 1074 Leh­rer­stel­len, die voll­stän­di­ge Erfas­sung des Unter­richts­aus­falls, den Aus­bau der Krank­heits­ver­tre­tun­gen von 1666 Stel­len auf 2000 Stel­len, den Aus­bau der Ganz­ta­ges­schu­len und deren pro­fes­sio­nel­le Koor­di­na­ti­on sowie eine Ent­las­tung der Schul­trä­ger an die­ser Stel­le. Der Lan­des­re­gie­rung warf sie vor, dass 2000 Gym­na­si­al­leh­rer kei­ne Stel­le haben.

Um Bil­dungs­ge­rech­tig­keit zu errei­chen for­dert die SPD den Ein­stieg in die Gebüh­ren­frei­heit bei den Kin­der­ta­ges­stät­ten, was das Land in einem ers­ten Schritt jähr­lich 120 Mil­lio­nen Euro kos­ten wür­de. Wenn alle drei Kin­der­gar­ten­jah­re kos­ten­los wer­den, bedeu­tet dies für das Land Kos­ten von 375 Mil­lio­nen Euro im Jahr, der früh­kind­li­che Berei­che macht dem­nach wei­te­re 80 Mil­lio­nen Euro aus.

Das von SPD-Bun­des­mi­nis­te­rin für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, Fran­zis­ka Gif­fey, vor­ge­leg­te Gute-Kita-Gesetz brin­ge den Län­dern eine Ent­las­tung von 3,5 Mil­li­ar­den Euro, die die­se in Qua­li­tät und/oder Bei­trags­frei­heit inves­tie­ren kön­nen. Der grü­ne Minis­ter­prä­si­dent von Baden-Würt­tem­berg wol­le das Geld aber nicht haben.

Im Bereich der inne­ren Sicher­heit for­dert die SPD-Land­tags­frak­ti­on eine vor­aus­schau­en­de Per­so­nal­pla­nung zur Ver­hin­de­rung von Eng­päs­sen. Neben guten Aus- und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten müs­se bei Poli­zei und Ret­tungs­kräf­ten in neue Tech­nik und eine moder­ne Aus­stat­tung inves­tiert wer­den.

Für die Poli­zei­prä­si­di­en brau­che es eine aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Aus­stat­tung. Von 2016 bis 2021 schaf­fe es die aktu­el­le Lan­des­re­gie­rung gera­de ein­mal unter dem Strich lan­des­weit 232 Poli­zis­ten mehr zu haben, als vor­her.

Um dem Fach­kräf­te­man­gel zu begeg­nen, müs­se die dua­le Aus­bil­dung gestärkt wer­den und die Meis­ter­aus­bil­dung kos­ten­frei sein. Drin­gend not­wen­dig sei hier auch das Ein­wan­de­rungs­ge­setz. Für gut inte­grier­te Flücht­lin­ge for­dert Sabi­ne Wöl­f­le ein Blei­be­recht. Dar­über hin­aus gehe es um bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen. Sach­grund­lo­se Befris­tun­gen müss­ten die abso­lu­te Aus­nah­me sein. Deut­lich mach­te sie, dass das Land über den Min­dest­lohn des Bun­des hin­aus­ge­hen kann.

Geht es nach der SPD, dann gibt es bis 2025 in Baden-Würt­tem­berg 500.000 neue Woh­nun­gen. Für min­des­tens zehn Pro­zent müs­se eine sozia­le Bin­dung gel­ten. Hier­zu will die SPD eine Ver­dop­pe­lung der Lan­des­wohn­bau­för­de­rung auf 500 Mil­lio­nen Euro pro Jahr errei­chen. Außer­dem müs­se eine Lan­des­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft ein­ge­rich­tet wer­den.

Ein wei­te­res Ziel der SPD ist es, die haus­ärzt­li­che Ver­sor­gung im länd­li­chen Raum zu ver­bes­sern und die Kran­ken­haus­för­de­rung ab 2019 von 438 Mil­lio­nen Euro auf 493 Mil­lio­nen Euro im Land zu erhö­hen. Außer­dem for­dert sie ein Son­der­pro­gramm zur Digi­ta­li­sie­rung der Kran­ken­häu­ser.

Wolfang Wes­ner (Deiß­lin­gen) leg­te in der Dis­kus­si­on den Fin­ger in die Wun­de: „Unse­re Land­tags­frak­ti­on ist sicher nicht untä­tig. Außen wird es aber zu wenig wahr­ge­nom­men.“ Wer tat­säch­lich inter­es­siert ist, was die SPD-Land­tags­frak­ti­on tut, müs­se zusätz­li­che Tages­zei­tun­gen abon­nie­ren, so der Tenor bei der Ver­an­stal­tung.

Grund hier­für sei, dass man bei der größ­ten Tages­zei­tung im Kreis Rott­weil nicht erfah­re, was die SPD im Land­tag tut, wie mehr­fach kri­ti­siert wur­de. Sabi­ne Wöl­f­le infor­mier­te, dass man ver­su­che, über ande­re Wege die SPD-Mit­glie­der zu infor­mie­ren, und die Infor­ma­tio­nen auf ande­ren Wegen an die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler zu brin­gen.

Kri­tik übte Klaus Schätz­le (Sulz) am Umgang vie­ler Kom­mu­nen mit der Kin­der- und Jugend­be­tei­li­gung. Er ver­wies dar­auf, dass dies eine Pflicht­auf­ga­be sei. Her­bert Zinell (Schram­berg) sah die Pri­va­ti­sie­rung, wie etwa bei Tele­kom und Bahn als „rie­sen Feh­ler“. Dies sei eine Fra­ge der Daseins­vor­sor­ge. Von der SPD for­dert er eine pro­gram­ma­ti­sche Aus­sa­ge zur Digi­ta­li­sie­rung. Sabi­ne Wöl­f­le mach­te mit Blick auf die Bun­des-SPD deut­lich: „Wir brau­chen ein neu­es Grund­satz­pro­gramm.“