Staatsführer, die das Wort Diplomatie nicht einmal buchstabieren können”

Ralf Ulbrich: Eindringliche Worte zum Volkstrauertag

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Bürgermeister Ralf Ulbrich und drei Schüler, hier Dario Prim, sparten nicht mit deutlichen Antikriegs-Appellen beim Volkstrauertag in Deißlingen. Foto: Moni Marcel

Deut­li­cher kann man es kaum for­mu­lie­ren, wie es Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich am Mitt­woch auf dem Deiß­lin­ger Fried­hof tat: Ein ein­dring­li­cher Appell an die Mäch­ti­gen der Welt war das, Frie­den zu hal­ten, statt auf Kriegs­trei­be­rei auf Diplo­ma­tie zu set­zen.

Tra­di­tio­nell wird der Volks­trau­er­tag in Deiß­lin­gen an Aller­hei­li­gen gemein­sam mit dem Geden­ken an die Ver­stor­be­nen abge­hal­ten. Und Ulb­rich nutz­te die son­ni­ge Stun­de auf dem Fried­hof für kla­re Wor­te: „Wohl kaum stand unse­re Welt in den ver­gan­ge­nen fünf Jahr­zehn­ten so dicht vor einem mili­tä­ri­schen Kon­fikt, des­sen Aus­maß kei­ner zu pro­gnos­ti­zie­ren wag­te.”

Der Kon­flikt zwi­schen den USA und Nord­ko­rea, zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus, zwi­schen Demo­kra­tie und Dik­ta­tur füh­re vor Augen, „wie ver­letz­lich unse­re ver­netz­te Welt ist.” Das Jahr 2017 habe vor allem gezeigt, wie schnell ver­ba­le Äuße­run­gen im digi­ta­len Zeit­al­ter ihre Wir­kung ent­fal­ten. „Wenn dann wie im jet­zi­gen Fall zwei Staats­füh­rer auf­ein­an­der pral­len, die das Wort Diplo­ma­tie nicht ein­mal buch­sta­bie­ren kön­nen und in einem Anflug von über­stei­ger­tem Selbst­be­wusst­sein mei­nen, mit dem Feu­er spie­len zu kön­nen, dann ist der Weg in die Kata­stro­phe nicht weit.”

Uralte Wor­te aus dem Tal­mud kön­ne man ihnen ent­ge­gen­ru­fen: „Ach­te auf Dei­ne Gedan­ken, denn sie wer­den Wor­te. Ach­te auf Dei­ne Wor­te, denn sie wer­den Hand­lun­gen. Ach­te auf Dei­ne Hand­lun­gen, denn sie wer­den Dein Cha­rak­ter. Ach­te auf Dei­nen Cha­rak­ter, denn er wird Dein Schick­sal.” Es blei­be zu hof­fen, dass die Cha­rak­te­re von Donald Trump und Kim Jong Un nicht zu unse­rem Schick­sal wer­den.

Ulb­rich ging aber auch auf die Kon­flik­te an so vie­len Stel­len der Welt ein, denen eines gleich ist: „Neben Macht- und Geld­gier ist es vor allem der Wil­len nach Abgren­zung und die tie­fe Über­zeu­gung, ande­ren Natio­nen und Sys­te­men oder ein­fach ande­ren Men­schen aus wel­chem Grund auch immer über­le­gen zu sein. Eine Abschot­tungs­po­li­tik bringt letzt­lich nur Nach­tei­le auf bei­den Sei­ten und ver­stärkt Neid­de­bat­ten und Ungleich­ge­wich­te.” Und: „Wir soll­ten uns bewusst dar­über wer­den, dass wir alle in einem Boot sit­zen und nur einen Pla­ne­ten haben, der uns nährt.”

Sei­ne Wor­te wur­den ver­stärkt durch die Bei­trä­ge der drei Schü­ler Dario Prim, Eric Pick­hardt und Lara Bögelspa­cher. Sie gedach­ten der Mil­lio­nen Toten der Welt­krie­ge, trau­er­ten „um Sol­da­ten, die ihre Eltern nie wie­der sahen, die ihre Frau­en und Kin­der nie wie­der sahen, deren Leben doch gera­de erst ange­fan­gen hat­te, die alle die­se Krie­ge nicht woll­ten” Um die, die auf der Flucht, in Lagern, in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern star­ben. „Wir wol­len aus dem Ver­gan­ge­nen ler­nen, den Mut auf­brin­gen, das nicht wie­der zuzu­las­sen. Weder heu­te noch in der Zukunft.”

Beein­dru­cken­de Wor­te, die von Musik­ver­ein und Lie­der­kranz umrahmt wur­den. Auch Pfar­re­rin Rose Wink­ler und Pfar­rer Edwin Stier gedach­ten der Opfer, bete­ten für die Men­schen in Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­ten und erin­ner­ten dar­an, dass wir in Frie­den und Frei­heit lebend, Ver­ant­wor­tung für Men­schen auf der Flucht hät­ten: „Herr, brich die Macht der Kriegs­trei­ber”, so Stier. Ulb­rich und Ver­tre­ter des Sozi­al­ver­bands VdK leg­ten vor der Tafel mit den Namen derer, die in den Welt­krie­gen gefal­len sind, Krän­ze nie­der.

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