Heckler&Koch: Statt Rathaus nun Badhaus

Heckler & Koch Aktionäre versammeln sich in Rottweil / Neue belastende Verträge zum Mexikogeschäft aufgetaucht?

Archiv-Foto: him

Völ­lig über­ra­schend hat­te der Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­ler Heck­ler und Koch sei­ne für Ende Juni  im Obern­dor­fer Rat­haus ange­kün­dig­te Aktio­närs­ver­samm­lung abge­bla­sen. Im Juni teil­te das Unter­neh­men vier Tage vor dem Ter­min sei­nen Aktio­nä­ren mit, wegen einer „uner­war­tet hohen Anmel­de­zahl”  kön­ne die Ver­an­stal­tung nicht, wie geplant, am 26. Juni im Obern­dor­fer Rat­haus statt­fin­den.

Der Vor­stand wer­de „neu­er­lich” ein­la­den. Das ist offen­bar inzwi­schen gesche­hen. Dazu hat sich der Waf­fen­her­stel­ler eine „apar­te Loca­ti­on“ aus­ge­sucht: das Bad­haus im Rott­wei­ler Neckar­tal. Das hat die „Welt“ berich­tet.

Auf Nach­fra­ge der NRWZ gab sich Bad­haus­be­trei­ber Alt­frid Weber zunächst ahnungs­los. Er habe gra­de sei­nen Kalen­der nicht da, er wer­de mal nach­schau­en. „Heck­ler und Koch – das sind doch die mit dem G 3?“

Nach­dem die NRWZ  Weber den Welt-Bericht zukom­men ließ, kam wenig spä­ter die­se Ant­wort von Weber: „Tat­säch­lich, wie im Bun­des­an­zei­ger nach­zu­le­sen, lädt Fa. Heck­ler & Koch am 21.9.2018 zur Haupt­ver­samm­lung ins Bad­haus ein.“ Auch auf der HK-Home­page unter „Inves­tor Rela­ti­ons“ ist das Ein­la­dungs­schrei­ben zu fin­den. Es ist mit „im August“ datiert.

Das „Bad­haus“ wur­de im ers­ten Welt­krieg in der Rott­wei­ler Pul­ver­fa­brik gebaut. Laut  Bad­haus-Home­page  erhiel­ten die Betrei­ber, der Pia­nist Alt­frid Weber und die Sän­ge­rin Chris­ti­na Jäni­chen den Denk­mal­schutz­preis der Würt­tem­ber­gi­schen Hypo und des Schwä­bi­schen Hei­mat­bun­des 1999 für Kul­tur­denk­mä­ler. Die bei­den ver­an­stal­ten im Bad­haus Kon­zer­te, Vor­trä­ge und Thea­ter­aben­de. Für Fir­men und Gesell­schaf­ten kön­nen laut Home­page „in allen Räu­men Exklu­siv-Ver­an­stal­tun­gen aus­ge­rich­tet wer­den.“   Neu­er Kun­de nun also Heck­ler und Koch.

Verbotene Staaten in Lieferverträgen?

Neue Doku­men­te, die der SWR und die TAZ, am Diens­tag ver­öf­fent­licht haben, wer­fen ein neu­es Licht auf den der­zeit in Stutt­gart lau­fen­den Pro­zess um ille­ga­le Waf­fen­lie­fe­run­gen nach Mexi­ko. Es han­delt sich um die Lie­fer­ver­trä­ge zwi­schen dem Unter­neh­men und dem mexi­ka­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um. “Als Emp­fän­ger der Waf­fen sind in den Doku­men­ten aus dem Jahr 2006 unter ande­rem die Bun­des­staa­ten Chia­pas und Guer­re­ro auf­ge­führt – zwei Staa­ten, in die Heck­ler & Koch mut­maß­lich nicht lie­fern durf­te“, so die TAZ.

Die Bun­des­re­gie­rung hat­te damals  aus­drück­lich Lie­fe­run­gen in vier mexi­ka­ni­sche Bun­des­sta­ten ver­bo­ten, dar­un­ter Chia­pas und Guer­re­ro. Heck­ler und Koch und die der­zeit in Stutt­gart vor Gericht ste­hen­den fünf ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer und Mit­ar­bei­ter hat­ten stets erklärt, sie hät­ten nicht gewusst, dass die Mexi­ka­ner die Waf­fen in die vier „ver­bo­te­nen“ Regio­nen wei­ter ver­schickt hät­ten. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te sich mit End­ver­bleibs­er­klä­run­gen zufrie­den gege­ben, in denen ande­re Bun­des­staa­ten genannt wur­den. Dazu hat­te Heck­ler und Koch in Mexi­ko neue Erklä­run­gen erbe­ten, in denen Guer­re­ro, anders als in einer ers­ten Ver­si­on, nicht mehr auf­tauch­te.

Versammlung hinter verschlossenen Türen

Anders als beim letz­ten Mal in Sulz soll­te  die­ses Mal die Pres­se bei der Aktio­närs­ver­samm­lung zuge­las­sen sein. Das hat­te jeden­falls der dama­li­ge HK Chef Nor­bert Scheuch ver­spro­chen. Doch Scheuch ist inzwi­schen Geschich­te – er wur­de zwei Wochen nach der Haupt­ver­samm­lung Ende August 2017 gefeu­ert – und so sind es auch sei­ne Ver­spre­chen für mehr Offen­heit. Eine Anfra­ge auf Akkre­di­tie­rung der NRWZ beant­wor­te­te die Pres­se­stel­le von HK heu­te mit­tag knapp:

Wir bit­ten um Ver­ständ­nis, dass es sich um eine Haupt­ver­samm­lung han­delt, die nicht öffent­lich und auch nicht pres­se-öffent­lich ist. Zutritt haben aus­schließ­lich Aktio­nä­re unse­res Unter­neh­mens. Mit freund­li­chen Grü­ßen Pres­se­stel­le Heck­ler & Koch GmbH

Wem gehört das Unternehmen?

Bei der Aktio­närs­ver­samm­lung ste­hen eini­ge wich­ti­ge The­men an: die wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me und die schlech­ten Urtei­le der Rating-Agen­tu­ren, der geplan­te Abgang des Finanz­vor­stands Wolf­gang Hes­se. Span­nend wohl nicht nur für die Aktio­nä­re, wer denn nun der Haupt­an­teils­eig­ner ist: wei­ter­hin Andre­as Heeschen oder doch der fran­zö­si­sche Invest­ment­fonds­ma­na­ger Nico­las Walew­ski.

Das jeden­falls behaup­tet der ehe­ma­li­ge HK-Chef Nico­la Mari­nel­li. Der Scheuch-Vor­gän­ger wehrt sich gegen sei­nen Raus­wurf und will wegen eines Eigen­tü­mer­wech­sels eine hohe Abfin­dung kas­sie­ren. Sein Fall soll im Okto­ber vor dem Land­ge­richt Rott­weil ver­han­delt wer­den. Als Zeu­gen ver­sucht das Gericht Heeschen zu errei­chen. Eine Adres­se in der Schweiz hat­te das Gericht wohl, doch die Ladung kam „unzu­stell­bar” zurück. Viel­leicht ist Heeschen ja dem­nächst im Bad­haus, sozu­sa­gen ums Eck.