Dr. Julia Stubenbordt und Ariane Kari vom Landwirtschaftsministerium berieten die Tierschützer am Freitag im Hotel Hirt in Deißlingen. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN – Tier­schüt­zer aus der gan­zen Regi­on tra­fen sich am Frei­tag­abend in Deiß­lin­ger Hotel Hirt, und dabei ging es um Kat­zen. Um Streu­ner­kat­zen im Beson­de­ren, und das Ziel ist klar: Eine Kas­tra­ti­ons- und Kenn­zeich­nungs­pflicht für alle Kat­zen, die frei rum­lau­fen. Also auch für die, die jeman­den gehö­ren, damit auch sie nicht wei­ter wil­den oder halb­wil­den Nach­wuchs in die Welt set­zen.

Denn ver­wil­der­te Kat­zen gibt es schon zu vie­le, sagen die Tier­schüt­zer, und die sind oft krank. Also fan­gen die Ehren­amt­li­chen sie ein, sofern sie ihrer hab­haft wer­den, und las­sen sie kas­trie­ren. Das aber kos­tet viel Geld. Und Mari­on Schmoll, die Orga­ni­sa­to­rin des Tref­fens, hat schon aller­hand erlebt. Auch Leu­te, die sagen: „Wenn ich eine ver­wil­der­te Kat­ze sehe, erschieß ich sie”, erzählt sie. Schmoll und ihre Mit­strei­ter haben sich in der Orga­ni­sa­ti­on „Kasch­ka” zusam­men­ge­tan. Das ist ein Zusam­men­schluss von Tier­schutz­ver­ei­nen, Tier­ärz­ten, der Tier­ret­tung und der Tier­schutz­par­tei, deren Ziel eben die Kas­tra­ti­ons­pflicht ist. „Wir wol­len das Leid mini­mie­ren“, so Schmoll.

Unter­stüt­zung bekom­men die Tier­schüt­zer von Dr. Julia Stu­ben­bordt, der Tier­schutz­be­auf­trag­ten der Lan­des­re­gie­rung. Sie kam mit ihrer Mit­ar­bei­te­rin Aria­ne Kari nach Deiß­lin­gen und gab hilf­rei­che Tipps. „Die Kat­ze ist das Weg­werf­tier Num­mer eins!“, beton­te Stu­ben­bordt, selbst Kat­zen­hal­te­rin. Und dass die Arbeit der Ehren­amt­li­chen im Tier­schutz uner­läss­lich ist: „Der Staat kann gar nicht leis­ten, was die Ehren­amt­li­chen leis­ten!“

Sie bot Hil­fe an, und infor­mier­te zusam­men mit Aria­ne Kari über die Schwie­rig­kei­ten, eine sol­che Kas­tra­ti­ons­pflicht durch­zu­set­zen. Auch des­halb, weil für Gefah­ren­ab­wehr das Innen­mi­nis­te­ri­um zustän­dig ist, für den Tier­schutz aber das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. Ein Rat für  die Tier­schüt­zer: Sie soll­ten doku­men­tie­ren, dass die wild­le­ben­den Kat­zen krank sind und lei­den. So könn­te im Rah­men des Tier­schutz­ge­set­zes eine sol­che Ver­ord­nung durch­ge­setzt wer­den.

Bis dahin sei es sinn­voll, Rege­lun­gen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu fin­den. So hat bei­spiels­wei­se die Gemein­de St. Bla­si­en letz­tes Jahr eine sol­che beschlos­sen, wer hier sei­ne Kat­ze nicht kas­trie­ren und mit einem Chip oder einer Täto­wie­rung ver­se­hen lässt, zahlt bis zu 1000 Euro Stra­fe. In meh­re­ren Städ­ten in Nord­rhein-West­fa­len, dar­un­ter Hil­des­heim und Ver­den, gibt es die­se Ver­ord­nun­gen schon lan­ge, in Bel­gi­en müs­sen alle Tier­hal­ter ihre Kat­zen kas­trie­ren und kenn­zeich­nen las­sen. Man darf nun gespannt sein, ob sich das auch in Baden-Würt­tem­berg durch­setzt. Eine Erleich­te­rung wür­de es auch für die Tier­hei­me bedeu­ten, die jetzt schon oft mit den vie­len Fund­kat­zen an ihre Gren­zen kom­men.