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Mittwoch, 5. August 2020
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    Tötungsvorsatz: Junger Schiltacher muss ins Gefängnis

    Schiltacher Hammer-Angreifer bekommt wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung vier Jahre / Ohne Therapie "eine Gefahr für die Öffentlichkeit"

    SCHILTACH/ROTTWEIL (mm) – Vier Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung, so lautete heute das Urteil des Rottweiler Landgerichts über den 24-Jährigen, der am 19. Februar eine arglose Joggerin auf einer Holzbrücke bei Schiltach mit einem Hammer niedergeschlagen hat und sie danach in sein Auto zerren wollte.

    Karlheinz Münzer, der Vorsitzende Richter, betonte, er sei eine Gefahr für die Öffentlichkeit, wenn er weiter mit Drogen experimentiere, wie er es vor der Tat machte. Daher muss er zunächst ein Jahr ins Gefängnis, danach drei weitere Jahre in einer Entziehungsanstalt verbringen.

    Das Gericht nahm sich viel Zeit, diese Frage zu klären, die sich alle stellten: Wie kommt ein bis dato völlig unbescholtener junger Mann dazu, eine solche Tat zu begehen? Jemand, der eine feste Beziehung hat, im Beruf erfolgreich ist, in dessen Leben keine Brüche zu erkennen sind, der nur von kleineren Schwierigkeiten im Gymnasium berichtet, dessen Mutter zuhause blieb, um den einzigen Sohn zu erziehen? Der noch bei den Eltern lebt und zur ebenfalls im Haus lebenden Großmutter ein gutes Verhältnis hat? Drogen, das ist wohl die Antwort.

    Abgleiten in den Drogenwahn

    Zuerst Cannabis im Freundeskreis, später beginnt er, mit härteren Sachen zu experimantieren. Seine Freunde warnen ihn, das würde böse enden. Er denkt aber, er habe das im Griff, will besondere Erlebnisse, will komponieren, will sich mit der Natur ein fühlen. Greift dafür nach und nach zu Amphetaminen, zu Speed, zu Ecstasy, schließlich zu halluzinogenen Pilzen.

    An dem Wochenende vor dem verhängnisvollen Sonntag tut er genau dies: Sich mit Drogen volldröhnen, alleine, die Freundin ist Skifahren, die Kumpels trifft er kurz, sie sagen, er habe seltsam gewirkt. Dann ist er wieder alleine in seinem Zimmer, zieht sich harte Pornofilme rein und ist davon und von den Drogen so geflasht, dass ihn „seine sexuellen Fantasien nicht mehr loslassen“, wie Richter Münzer es in seiner anderthalbstündigen Urteilsbegründung formuliert.

    Die Idee, diese Szenen nachzuspielen, lässt ihn nicht mehr los. Da ihm klar war, dass keine Frau freiwillig da mitmachen würde, googelt er nach Orten, die man bei einer Vergewaltigung besser meidet. Und sucht sich auf Facebook Fotos von Frauen zusammen, die teils auch nackt vor der Kamera stehen. Erstellt einen Ordner „Geile Fotzen“, den er immer wieder anschaut. Eine Flasche Wodka ist wohl auch im Spiel.

    Ohne Verstand brutal zugeschlagen

    Am Sonntagmorgen dann setzt er sich ins Auto, um ein Opfer zu finden. Im Kofferraum hat er neben dem Hammer auch einen Vibrator, ein mit Nadeln einer Pinnwand bestücktes Brett, Handschuhe, einen Gürtel und Klebeband. Die 52-Jährige Joggerin sei ein zufälliges Opfer gewesen, ist sich das Gericht sicher, obwohl er sie vom Sehen kannte und den Freunden gegenüber mal erwähnt hatte, dass er sie attraktiv finde. Doch er habe sie wohl erst erkannt, als sie im Vorbeilaufen Hallo zu ihm sagte.

    Dann der erste Schlag, die Frau stürzt, denkt noch, sie sei über ihre Schnürsenkel gestolpert. Als sie versucht, sich wieder aufzurichten, schlägt er noch dreimal zu, will ihren Widerstand brechen. Und schleppt sie dann in Richtung seines Autos, an der Jacke, an den Haaren. Als ihm beim Anblick des vielen Bluts und der vor Schmerzen wimmernden Frau schließlich klar wird, dass das nicht so abläuft wie in seinen Filmen, habe er freiwillig von ihr abgelassen, betonte Münzer. „Da wurde ihm klar, was er getan hatte.“

    Den Tod in Kauf genommen

    Die Frau leidet heute noch unter den Folgen, hat nach wie vor Schmerzen und kann nur in Begleitung ihres Mannes oder eines der beiden Söhne – übrigens im Alter des Täters – aus dem Haus gehen. Sie wirkte bei der Urteilsverkündung erleichtert, wohl auch, weil das Gericht mit dem Urteil dem folgte, was ihre Anwältin Miriam Mager gefordert hatte: Eine Verurteilung wegen bedingtem Tötungsvorsatz. Denn, so Münzer, mit den Hammerschlägen habe der 24-Jährige auch den Tod der Frau in Kauf genommen. „Er war sich bewusst, dass das auch zu tödlichen Verletzungen führen konnte.“

     

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