Spurensicherer der Polizei untersuchten am 19. Februar den Tatort bei Schiltach. Foto: privat

SCHILTACH/ROTTWEIL (mm) – Vier Jah­re Haft wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung und Nöti­gung, so lau­te­te heu­te das Urteil des Rott­wei­ler Land­ge­richts über den 24-Jäh­ri­gen, der am 19. Febru­ar eine arg­lo­se Jog­ge­rin auf einer Holz­brü­cke bei Schiltach mit einem Ham­mer nie­der­ge­schla­gen hat und sie danach in sein Auto zer­ren woll­te.

Karl­heinz Mün­zer, der Vor­sit­zen­de Rich­ter, beton­te, er sei eine Gefahr für die Öffent­lich­keit, wenn er wei­ter mit Dro­gen expe­ri­men­tie­re, wie er es vor der Tat mach­te. Daher muss er zunächst ein Jahr ins Gefäng­nis, danach drei wei­te­re Jah­re in einer Ent­zie­hungs­an­stalt ver­brin­gen.

Das Gericht nahm sich viel Zeit, die­se Fra­ge zu klä­ren, die sich alle stell­ten: Wie kommt ein bis dato völ­lig unbe­schol­te­ner jun­ger Mann dazu, eine sol­che Tat zu bege­hen? Jemand, der eine fes­te Bezie­hung hat, im Beruf erfolg­reich ist, in des­sen Leben kei­ne Brü­che zu erken­nen sind, der nur von klei­ne­ren Schwie­rig­kei­ten im Gym­na­si­um berich­tet, des­sen Mut­ter zuhau­se blieb, um den ein­zi­gen Sohn zu erzie­hen? Der noch bei den Eltern lebt und zur eben­falls im Haus leben­den Groß­mutter ein gutes Ver­hält­nis hat? Dro­gen, das ist wohl die Ant­wort.

Abgleiten in den Drogenwahn

Zuerst Can­na­bis im Freun­des­kreis, spä­ter beginnt er, mit här­te­ren Sachen zu experi­man­tie­ren. Sei­ne Freun­de war­nen ihn, das wür­de böse enden. Er denkt aber, er habe das im Griff, will beson­de­re Erleb­nis­se, will kom­po­nie­ren, will sich mit der Natur ein füh­len. Greift dafür nach und nach zu Amphet­ami­nen, zu Speed, zu Ecsta­sy, schließ­lich zu hal­lu­zi­no­ge­nen Pil­zen.

An dem Wochen­en­de vor dem ver­häng­nis­vol­len Sonn­tag tut er genau dies: Sich mit Dro­gen voll­dröh­nen, allei­ne, die Freun­din ist Ski­fah­ren, die Kum­pels trifft er kurz, sie sagen, er habe selt­sam gewirkt. Dann ist er wie­der allei­ne in sei­nem Zim­mer, zieht sich har­te Por­no­fil­me rein und ist davon und von den Dro­gen so geflasht, dass ihn „sei­ne sexu­el­len Fan­ta­si­en nicht mehr los­las­sen”, wie Rich­ter Mün­zer es in sei­ner andert­halb­stün­di­gen Urteils­be­grün­dung for­mu­liert.

Die Idee, die­se Sze­nen nach­zu­spie­len, lässt ihn nicht mehr los. Da ihm klar war, dass kei­ne Frau frei­wil­lig da mit­ma­chen wür­de, goo­gelt er nach Orten, die man bei einer Ver­ge­wal­ti­gung bes­ser mei­det. Und sucht sich auf Face­book Fotos von Frau­en zusam­men, die teils auch nackt vor der Kame­ra ste­hen. Erstellt einen Ord­ner „Gei­le Fot­zen”, den er immer wie­der anschaut. Eine Fla­sche Wod­ka ist wohl auch im Spiel.

Ohne Verstand brutal zugeschlagen

Am Sonn­tag­mor­gen dann setzt er sich ins Auto, um ein Opfer zu fin­den. Im Kof­fer­raum hat er neben dem Ham­mer auch einen Vibra­tor, ein mit Nadeln einer Pinn­wand bestück­tes Brett, Hand­schu­he, einen Gür­tel und Kle­be­band. Die 52-Jäh­ri­ge Jog­ge­rin sei ein zufäl­li­ges Opfer gewe­sen, ist sich das Gericht sicher, obwohl er sie vom Sehen kann­te und den Freun­den gegen­über mal erwähnt hat­te, dass er sie attrak­tiv fin­de. Doch er habe sie wohl erst erkannt, als sie im Vor­bei­lau­fen Hal­lo zu ihm sag­te.

Dann der ers­te Schlag, die Frau stürzt, denkt noch, sie sei über ihre Schnür­sen­kel gestol­pert. Als sie ver­sucht, sich wie­der auf­zu­rich­ten, schlägt er noch drei­mal zu, will ihren Wider­stand bre­chen. Und schleppt sie dann in Rich­tung sei­nes Autos, an der Jacke, an den Haa­ren. Als ihm beim Anblick des vie­len Bluts und der vor Schmer­zen wim­mern­den Frau schließ­lich klar wird, dass das nicht so abläuft wie in sei­nen Fil­men, habe er frei­wil­lig von ihr abge­las­sen, beton­te Mün­zer. „Da wur­de ihm klar, was er getan hat­te.”

Den Tod in Kauf genommen

Die Frau lei­det heu­te noch unter den Fol­gen, hat nach wie vor Schmer­zen und kann nur in Beglei­tung ihres Man­nes oder eines der bei­den Söh­ne – übri­gens im Alter des Täters – aus dem Haus gehen. Sie wirk­te bei der Urteils­ver­kün­dung erleich­tert, wohl auch, weil das Gericht mit dem Urteil dem folg­te, was ihre Anwäl­tin Miri­am Mager gefor­dert hat­te: Eine Ver­ur­tei­lung wegen beding­tem Tötungs­vor­satz. Denn, so Mün­zer, mit den Ham­mer­schlä­gen habe der 24-Jäh­ri­ge auch den Tod der Frau in Kauf genom­men. „Er war sich bewusst, dass das auch zu töd­li­chen Ver­let­zun­gen füh­ren konn­te.”