Mit der gemeinsamen Aktion 'Püppchen' haben die AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg und das Gesundheitsamt des Landkreises Rottweil gezielt an Schulen Präventionsarbeit zu Essstörungen betrieben. Foto: pm

ROTTWEIL – 37 Klas­sen aus dem Land­kreis betei­lig­ten sich an der Prä­ven­ti­ons­ak­ti­on Püpp­chen der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg und des Gesund­heits­amts Rott­weil. „Mit dem Thea­ter­stück und den nach­be­rei­ten­den Gesprä­chen im Klas­sen­ver­band haben wir uns gezielt an die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Klas­sen­stu­fen fünf bis sie­ben gewandt“, erklärt Clau­dia Stahl, Mit­ar­bei­te­rin der Prä­ven­ti­ons­ab­tei­lung im Gesund­heits­amt des Land­krei­ses Rott­weil. „Dass wir damit deut­lich über 900 Schü­le­rin­nen und Schü­ler im Land­kreis erreicht haben, ist ein tol­ler Erfolg für unse­re gemein­sa­me Prä­ven­ti­ons­ar­beit.“

Auch für Ingo Marot, Lei­ter der Gesund­heits­för­de­rung bei der AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg, ist es wich­tig, tätig zu wer­den, bevor sich Erkran­kun­gen wie Mager­sucht oder Buli­mie über­haupt erst ent­wi­ckeln: „Ab einem Alter von 15 Jah­ren nimmt im Land­kreis die Dia­gno­se Ess­stö­rung stark zu. Bei 20- bis 24-Jäh­ri­gen ist dann der Anteil der Betrof­fe­nen bereits am höchs­ten unter allen Alters­grup­pen.“ Laut einer aktu­el­len AOK-Aus­wer­tung waren im Jahr 2017 im Land­kreis 241 Ver­si­cher­te wegen einer Ess­stö­rung in ärzt­li­cher Behand­lung, davon 60 Per­so­nen wegen Ano­re­xie, also Mager­sucht. Hoch­ge­rech­net auf die Gesamt­be­völ­ke­rung waren das nach AOK-Anga­ben rund 420 bezie­hungs­wei­se über 100 Betrof­fe­ne im Land­kreis Rott­weil. „Bei der aktu­el­len Aus­wer­tung für 2017 gab es einen beson­ders stei­len Anstieg der Ess­stö­run­gen von 13 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr“, so Ingo Marot. In den Jah­ren zuvor lag der Anstieg im Durch­schnitt bei drei Pro­zent jähr­lich.

Umso dring­li­cher war für die Koope­ra­ti­ons­part­ner, in die Prä­ven­ti­ons­ar­beit ein­zu­stei­gen. Die bei­den Erfin­de­rin­nen und Schau­spie­le­rin­nen des Prä­ven­ti­ons­stücks „Püpp­chen“ von Sakra­mO 3D sind bei ihren Auf­trit­ten an den Schu­len im Land­kreis auch auf The­men wie Selbst­wert­ge­fühl und sozia­le Ein­bin­dung ein­ge­gan­gen. Moni­ka Wie­der vom Thea­ter­en­sem­ble Sakra­mO 3D: „Nach unse­rer Auf­füh­rung haben die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ganz oft dar­über dis­ku­tiert, wie man mit­ein­an­der umgeht. Man­che Kom­men­ta­re im Klas­se­n­all­tag oder außer­halb der Schu­le kön­nen einem weh tun und den Selbst­wert unter­gra­ben.“ Das kön­ne sich nega­tiv auf das eige­ne Ver­hal­ten aus­wir­ken, sei es beim The­ma Ernäh­rung, aber auch in ande­ren Berei­chen. „Außer­dem ging es oft dar­um, wie man rich­tig mit den Leis­tungs­an­for­de­run­gen in der Schu­le, aber auch mit den Erwar­tun­gen der Eltern umgeht. Wir haben in den Grup­pen­dis­kus­sio­nen erar­bei­tet, wie man selbst aktiv dar­auf reagie­ren kann.“ Beson­ders hilf­reich sei gewe­sen, dass die Akti­on stets von den jewei­li­gen Schul­so­zi­al­ar­bei­tern beglei­tet gewe­sen sei.

Das ist auch an der Maxi­mi­li­an-Kol­be-Schu­le in Rott­weil der Fall gewe­sen. „An unse­rer Schu­le gab es ins­ge­samt drei Auf­füh­run­gen von Püpp­chen vor den jewei­li­gen Klas­sen­stu­fen und eine wei­te­re am Eltern­abend“, sagt Schul­lei­te­rin Ute Bren­ner. „Die Dis­kus­sio­nen mit Schü­lern wie Eltern über ein gesun­des Kör­per­bild beim Erwach­sen­wer­den und über ein natür­li­ches Selbst­be­wusst­sein waren sehr inten­siv und haben unser Mit­ein­an­der gestärkt.“

Die AOK Schwarz­wald-Baar-Heu­berg plant nun, die Akti­on auf die wei­te­re Regi­on aus­zu­wei­ten.