NRWZ.de, 1. April 2021, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Was tun gegen schlechtere Bezahlung für Frauen?

KREIS ROTTWEIL – Warum verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer? Darüber diskutierten die Teilnehmerinnen des überparteilichen Frauenstammtischs am Dienstagabend. Die monatlichen digitalen Treffen haben Sonja Rajsp und Turid Pfautsch von den Grünen im Kreis Rottweil initiiert, bei diesem Treffen übernahm erstmals Bundestagskandidatin Annette Reif die Moderation.

Ute Villing von der Business School Alb-Schwarzwald gab den inhaltlichen Input: Sie ist Sozialpädagogin, Supervisorin, Coach und vieles mehr, und hat regelmäßig mit dem Thema zu tun. 75 Prozent der Frauen in Deutschland sind berufstätig, verdienen aber in ihrem gesamten Erwerbsleben durchschnittlich nur halb so viel wie Männer, erzählte sie.

Ein Grund: Frauen ergreifen oft Berufe, die weniger gut bezahlt werden. „Als ich Sozialpädagogik studieren wollte, sagten alle, da würde ich nichts verdienen, aber ich wusste, dass mir das Spaß macht.“ Sie wies auch darauf hin, dass es durchaus Berufe gibt, in denen Frauen und Männer gleich verdienen – als Altenpfleger, Erzieher oder beim Discounter.

Sie empfahl, sich immer wieder die Frage zu stellen, wie man sich weiterentwickeln kann, auch um mehr zu verdienen. Und riet zum Mut zur Lücke: Frauen erwarteten von sich, einen Job 120-prozentig machen zu müssen, während Männer rangehen nach dem Motto „Ja, geht schon.“ Zudem sei es wichtig, sich zu erkundigen, was andere in dem Job verdienen und dann eine entsprechende Bezahlung einzufordern, „auch wenn es Frauen oft schwer fällt zu verhandeln.“

Dazu kommt, da war sich die Runde einig, auch die Mentalität im Ländle: „Über Geld spricht man nicht.“ Sie empfahl, vor allem in Partnerschaften offen über Finanzen zu sprechen, auch mit Blick auf Trennung oder Tod. Ihr Appell ging zudem an die Politik: „Am meisten Sorgen machen mit die Alleinerziehenden. Sie haben ein um 40 Prozent höheres Armutsrisiko.“

Frauen, die oft in Teilzeit arbeiten, Kinder erziehen oder Eltern pflegen und daher im Alter schlechter abgesichert sind: Ein deutsches Problem, „in anderen Ländern ist es ganz normal, dass Frauen Vollzeit arbeiten!“ stellte eine Teilnehmerin fest. Eine andere wies auf eine Entscheidung hin, die die Regierung geschickterweise während der WM 06 beschloss: Der eheliche Unterhalt endet seitdem schon nach drei Jahren.

Einig waren sich die Frauen, dass die schwäbische Gesellschaft noch sehr konservativ tickt. Zudem sei der Wert der Familienarbeit höher einzuschätzen, eine Sache, die allerdings am besten in der eigenen Partnerschaft geklärt werden sollte. Und dass junge Menschen viel zu wenig lernen, wie man mit Geld umgeht. Hier empfiehlt sich der Podcast von Natascha Wegelin, die als „Madame Moneypenny“ tolle Tipps gibt.

Annette Reif gehört zu denen, die es besser als viele Frauen machte: „Ich gebe zu, dass ich mich damals für die Ausbildung entschieden habe, wo ich 50 Euro mehr im Monat gekriegt hab.“ Eine Eigenschaft, die sonst eher Männer haben, wie eine Teilnehmerin erzählte: Ihre Tochter studiere aus reinem Interesse, ihr Sohn wolle wissen, was er später verdienen kann.

Diskutiert wurde auch das bedingungslose Grundeinkommen: „Manch einer würde dann vielleicht Dinge tun, die der Gesellschaft gut tun“, fand eine Teilnehmerin, eine andere gab zu bedenken, dass hier vor allem Arbeitgeber bremsten, „dann finden sie niemand mehr, der für wenig Geld arbeitet.“ Allerdings könnte so ein Grundeinkommen für viele jüngere Menschen kontraproduktiv sein, eine Empfehlung war, es erst ab 40 oder 50 Jahren möglich zu machen.

Höherer Mindestlohn anstelle von Berufen, in denen Leute ein Leben lang arbeiten und dann doch staatliche Hilfe brauchen – auch hier war sich die Runde einig. „Wir fordern im Wahlprogramm 12 Euro Mindestlohn“, betonte Annette Reif. Sie verwies auf eine Studie der Uni St. Gallen, die empfiehlt, dass jeder Mensch ein Fünftel seiner Arbeitszeit in die Gesellschaft enbringen muss, bei voller Bezahlung. „Der Staat würde dabei viel Geld sparen und die Gesellschaft wäre gesünder!“

Der nächste Frauenstammtisch findet am Dienstag, 27. April statt. Dann wird Bettina Schuler-Kargoll, Geschäftsführerin von Schuler Rohstoffe, erzählen, wie es ist, sich als Frau in einer männerdominierten Arbeitswelt durchzusetzen. Den Link dazu gibt es über [email protected].

 

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