Zünder aus Seedorf an den Golf

Junghans Microtec wirbt um Nachwuchs bei einer Ausbildungsmesse: Zünder als Schlüsselanhänger. Archiv-Foto: him

DUNNINGEN-SEEDORF/BERLIN  (him) – Jung­hans Micro­tech aus See­dorf wird 203.448 Zün­der für 40-mm-Infan­te­rie­pa­tro­nen an die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te (VAE) lie­fern. Das berich­te­te die in Ber­lin erschei­nen­de Tages­zei­tung (taz) vor Ostern. Das Blatt beruft sich auf ein Schrei­ben des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums an den Bun­des­tag. Dem­nach hat der Bun­des­si­cher­heits­rat den Export der Zün­der  geneh­migt – und das, obwohl die VAR in den Bür­ger­krieg im Jemen ver­wi­ckelt sind.

Seit 2015 sind die Emi­ra­te an der Sei­te Sau­di-Ara­bi­ens in die­sem bet­tel­ar­men Land auf der ara­bi­schen Halb­in­sel betei­ligt.  Die taz schreibt:  „Die Armee der Emi­ra­te ent­sand­te Boden­trup­pen in den Jemen und soll für den Ein­satz auch Söld­ner aus Latein­ame­ri­ka ange­heu­ert haben.“

Die 40-mm-Zün­der von Jung­hans Micro­tec kön­nen für Gra­na­ten genutzt wer­den, die von Gra­nat­wer­fern abge­schos­sen wer­den. Der Diehl­kon­zern, zu dem Jung­hans Micro­tec gehört, betreibt seit 2009 in Dubai ein Büro, des­sen Haupt­auf­ga­be dar­in bestehe, „die Akqui­si­ti­ons­be­mü­hun­gen in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten und in den ande­ren Golf-Staa­ten zu unter­stüt­zen“, wie es auf der Fir­men-Home­page des Kon­zerns heißt. Außer­dem sei es „Schnitt­stel­le zwi­schen Kun­den, Koope­ra­ti­ons­part­nern und den Unter­neh­men des Teil­kon­zerns Diehl Defence“.

Auch der inter­na­tio­na­le Dienst der Deut­schen Wel­le befasst sich mit dem Zün­der­ex­port. Der Ver­kauf zei­ge, dass Deutsch­land sei­ne Poli­tik der Auf­rüs­tung von Staa­ten im mitt­le­ren Osten fort­set­ze, „obwohl die­se direkt in den Jemen-Kon­flikt invol­viert sind und obwohl die Bun­des­re­gie­rung eigent­lich Waf­fen­ge­schäf­te  auf ihre huma­ni­tä­ren Aus­wir­kun­gen hin über­prü­fen wol­le.“ Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um habe erklärt, die deut­schen Waf­fen­ex­port­richt­li­ni­en zähl­ten zu den strengs­ten welt­weit.  Ande­rer­seits zei­ge der Ver­kauf der  gut 200.000 Zün­der aus See­dorf, dass Deutsch­land sei­ne Richt­li­ni­en oft igno­rier­te, wenn die Regie­rung glau­be, der Ver­kauf sei in Deutsch­lands „stra­te­gi­schem Inter­es­se“, so die Deut­sche Wel­le am 14. April.

Kritik von der Opposition

Der Krieg im Jemen habe bereits 10.000 Men­schen das Leben gekos­tet, so der Sen­der. Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Care hat­te gewarnt, sie­ben Mil­lio­nen Jeme­ni­ten dro­he wegen des Bür­ger­kriegs der Hun­ger­tod. Schar­fe Kri­tik an dem Zün­der­ver­kauf hat die Grü­ne-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Agniesz­ka Brug­ger laut TAZ geübt: „Wie­der ein­mal nickt die­se Bun­des­re­gie­rung beden­ken­los die Lie­fe­rung von Rüs­tungs­gü­tern an eine Kriegs­par­tei in der Golf­re­gi­on ab.“ Es sei uner­träg­lich, dass die Bun­des­re­gie­rung beim Jemen-Krieg nicht nur weg­schaue, son­dern auch noch Waf­fen lie­fe­re.

Auch der Rüs­tungs­ex­port­kri­ti­ker Jür­gen Gräss­lin nann­te es in der deut­schen Wel­le  „erschre­ckend“, dass die neue Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zypries den Han­del mit krieg­füh­ren­den Staa­ten, in die­sem Fall den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten ein­fach wei­ter füh­re.

40-Mil­li­me­ter-Muni­ti­on wird in Geschüt­zen ver­wen­det, die auf Schif­fen oder zur Flug­ab­wehr die­nen. Sie kann aber auch als Gra­na­te mit beson­de­ren Geweh­ren ver­schos­sen wer­den – Geweh­ren, die auch Heck­ler und Koch in Obern­dorf her­stellt.  Laut Gräss­lin kön­nen Sol­da­ten und Zivi­lis­ten mit die­sen Geschos­sen auf meh­re­re hun­dert Meter Ent­fer­nung getö­tet wer­den.