Zum Tod von Franz Sauter

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Franz Sau­ter ist tot. Der ehe­ma­li­ge, lang­jäh­ri­ge Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, der über Jahr­zehn­te hin­weg die CDU im Kreis wesent­lich mit­ge­prägt hat und sich bun­des­po­li­ti­sches Renom­mee erwor­ben hat, ist im Alter von 91 Jah­ren in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de Epfen­dorf gestor­ben.

Mit 25 Jah­ren, im Jah­re 1953 trat Franz Sau­ter in die CDU ein, war der ers­te Kreis­vor­sit­zen­de der Jun­gen Uni­on und führ­te von 1964 bis 1977 den CDU-Kreis­ver­band.

Zusam­men mit Weg­be­glei­tern wie Hei­ner Geiß­ler, mit dem er zusam­men das Jesui­ten­kol­leg in St. Bla­si­en besucht hat­te, mit Erwin Teu­fel und Josef Reb­han über­nahm er Ver­ant­wor­tung für die CDU in der jun­gen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.
Aus sei­ner christ­li­chen Über­zeu­gung her­aus, auf dem Hin­ter­grund und aus der Erfah­rung des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unrechts­re­gimes und zwei­er Krie­ge in der ers­ten Hälf­te des Jahr­hun­derts, ging es ihm dar­um, ein neue, demo­kra­ti­sche und rechts­staat­li­che Repu­blik auf­zu­bau­en. Und zwar auf nahe­zu jeder poli­ti­schen Ebe­ne: in Epfen­dorf als Vor­sit­zen­der des CDU-Orts­ver­bands, im Kreis­tag, dort auch als Vor­sit­zen­der der CDU-Kreis­tags­frak­ti­on. So war es nicht ver­wun­der­lich, dass Franz Sau­ter im Jah­re 1972 über die Lan­des­lis­te erst als Nach­rü­cker für den aus­ge­schie­de­nen Edu­ard Ador­no in den Deut­schen Bun­des­tag kam, danach das Man­dat über die Lan­des­lis­te Baden-Würt­tem­berg erwarb und nach dem Aus­schei­den von Bru­no Heck ab dem Jahr 1976 jeweils mit gro­ßer Mehr­heit im Wahl­kreis Rott­weil-Tutt­lin­gen in den Bun­des­tag gewählt wor­den ist.

Zei­chen der hohen Wert­schät­zung und der Aner­ken­nung für einen Poli­ti­ker, der nie in sei­nem Leben die Boden­haf­tung ver­lo­ren hat, son­dern der sich stets in der Gebor­gen­heit sei­ner Fami­lie und sei­ner Hei­mat zu Hau­se wuss­te. Dort wo ihn auch Hel­mut Kohl besuch­te und wo er sich immer wie­der mit Hei­ner Geiß­ler traf, mit dem er sich ein Leben lang freund­schaft­lich ver­bun­den wuss­te.

Wohl kaum etwas sagt so viel aus über die Per­sön­lich­keit Franz Sau­ter wie sein Satz in der Fest­schrift zum 50-jäh­ri­gen Bestehen der Jun­gen Uni­on im Kreis Rott­weil. Er schrieb: „Als Staats­bür­ger und als Chris­ten müs­sen wir auch im eige­nen Land für die Men­schen­rech­te und Men­schen­wür­de ein­ste­hen und zwar für alle Men­schen, ob jung oder alt, ob gesund oder krank, ob gebo­ren oder unge­bo­ren.“

Dies war die Leit­schnur, an der ent­lang Franz Sau­ter ein Leben lang han­del­te und wirk­te. Und bei allem Wis­sen um die Ernst­haf­tig­keit sei­nes Anlie­gens nahm er sich selbst nie zu wich­tig, stell­te sich aber ein Leben lang in den Dienst der Sache und der Über­zeu­gun­gen, für die er mit Lei­den­schaft ein­trat. Und doch ver­gaß er nie sei­nen Humor, sei­ne oft­mals fei­ne Iro­nie, mit der er manch­mal einer poli­ti­schen Debat­te ihre Schär­fe nahm. Grad­li­nig ver­trat er sei­ne Poli­tik, doch nie ver­bis­sen; immer mit Respekt auch vor dem oder ande­ren. Man kann sich gar nicht vor­stel­len, dass Franz Sau­ter poli­ti­sche Mit­wer­ber ver­letzt hät­te. Dar­an ver­schwen­de­te er nicht ein­mal einen Gedan­ken.

Franz Sau­ter leb­te sei­ne Grund­sät­ze, und er leb­te aus sei­nen Grund­über­zeu­gun­gen her­aus. Zu ihnen gehör­te auch die Über­win­dung der unmensch­li­chen Tei­lung Deutsch­lands in einen frei­en und einen unfrei­en Teil. Dar­um konn­te es kein Zufall sein, dass am 9. Novem­ber 1989, dem Tag des Mau­er­falls in Ber­lin, er wäh­rend der Sit­zung des Deut­schen Bun­des­tags zusam­men mit zwei Uni­ons­kol­le­gen spon­tan die deut­sche Natio­nal­hym­ne anstimm­te. Dar­auf ange­spro­chen, wun­der­te er sich im Nach­hin­ein immer wie­der dar­über, dass sich die Grü­nen dabei „doch recht schwer getan haben und sehr zöger­lich damit umge­gan­gen sind.“

Ein Leben lang blieb Franz Sau­ter sei­nen Über­zeu­gun­gen, sei­nen Idea­len treu. Und auch dar­um, weil er als unver­wech­sel­ba­re Per­sön­lich­keit sei­nen gra­den Weg ging, blieb sein Name auch vie­le Jah­re nach sei­nem Aus­schei­den aus der Bun­des­po­li­tik in Bonn und spä­ter in Ber­lin ein Begriff für genau die­se Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, die ihn kenn­zeich­ne­ten.
Als der Land­wirt­schafts­meis­ter, der früh sei­nen elter­li­chen Betrieb in Epfen­dorf über­neh­men muss­te, in Poli­tik, Kir­che und Gesell­schaft ganz viel­fäl­tig ver­ant­wort­lich tätig war und stets der Glei­che blieb.

Mit unse­rem Ehren­vor­sit­zen­den Franz Sau­ter ver­liert der CDU Kreis­ver­band Rott­weil eine her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­keit. „Wir füh­len uns sei­nem Erbe und Wir­ken ver­pflich­tet“, so der Kreis­vor­sit­zen­de und Abge­ord­ne­te Ste­fan Teu­fel.