Zweckverband Wasserversorgung Oberer Neckar: Wasserpreis steigt auf 1,60 Euro

Verbandspfleger Hans Mauch (links) wurde nach 34 Jahren von Wellendingsns Bürgermeister Thomas Albrecht verabschiedet. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN – Über 15 Mil­lio­nen Euro muss der Zweck­ver­band Was­ser­ver­sor­gung Obe­rer Neckar (ZVON) in den kom­men­den Jah­ren inves­tie­ren. Das erläu­ter­te am Don­ners­tag­abend Wel­len­din­gens Bür­ger­meis­ter Tho­mas Albrecht bei der Sit­zung des Ver­bands im Deiß­lin­ger Hotel Hirt.

Allein die nöti­ge neue Ring­lei­tung zwi­schen den Gemein­den, die der Ver­band ver­sorgt, wird acht Mil­lio­nen kos­ten und damit fast zwei Mil­lio­nen mehr als 2016 geplant. Damals wur­den bekannt, dass der Ver­band vie­le Jah­re Inves­ti­tio­nen ver­schla­fen hat­te und Hoch­be­häl­ter, Lei­tun­gen und das Was­ser­werk an der Neckar­burg teils maro­de waren. Damals ver­such­ten meh­re­re Gemein­den, dar­un­ter Deiß­lin­gen, des­sen Orts­teil Lauf­fen mit Neckar­was­ser ver­sorgt wird, aus dem Zweck­ver­band aus­zu­stei­gen, was aber nicht mög­lich war. Ver­sorgt wer­den vom ZVON neben Lauf­fen die Gemein­den Wel­len­din­gen, Die­tin­gen, Fritt­lin­gen, Zim­mern unter der Burg, sowie Rott­weils Stadt­tei­le Neu­kirch, Zepfen­han, Fecken­hau­sen und Neuf­ra.

Eini­ges wur­de bereits saniert, so die maro­de Quell­fas­sung und eine schad­haf­te Stütz­mau­er am Was­ser­werk Neckar­burg, das berich­te­te Gerd Schill von der Fir­ma Fritz Pla­nung aus Bad Urach. Posi­ti­ve Nach­richt dabei: Die Quell­schüt­tung war höher, was im hei­ßen und tro­cke­nen Som­mer half. Auch die Que­rung von B 14 und Bahn­stre­cke bei Neuf­ra sei erle­digt, außer­dem habe man die Feri­en­haus­sied­lung bei Fecken­hau­sen neu ange­schlos­sen – für 930.000 Euro. Schill beton­te, dass meh­re­re maro­de Hoch­be­häl­ter still­ge­legt wür­den und nur der bei Neu­kirch saniert wer­de. Eigent­lich habe man vor­ge­habt, die bestehen­den Lei­tun­gen zu rich­ten, doch das habe man inzwi­schen ver­wor­fen und wer­de statt­des­sen die Ring­lei­tung neu ver­le­gen. Was aller­dings mit sehr hohem Auf­wand ver­bun­den sei, denn das Land­rats­amt Rott­weil sei sehr gründ­lich, und so müs­se man nun ein Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren durch­zie­hen, mit Umwelt­pla­nung, Arten-, Land­schafts- und Denk­mal­schutz und vie­lem mehr. „Das ist eine hohe Hür­de!”, so Schill.

90 Pro­zent der Tras­se sei­en bereits ver­mes­sen, ein spe­zia­li­sier­tes Büro seit Mai in Sachen Arten­schutz unter­wegs und sei zwi­schen Die­tin­gen und Irs­lin­gen auf Hasel­mäu­se gesto­ßen, außer­dem sei die Spelz-Tres­pe, ein schüt­zend­wer­tes Acker­kraut, ent­deckt wor­den. Ziel der Pla­ner sei es, die gesam­ten Unter­la­gen bis zum Früh­jahr 2019 beim Land­rats­amt ein­rei­chen zu kön­nen. Auch am Was­ser­werk sei noch viel zu tun, unter ande­rem müss­ten die undich­ten Wehr­klap­pen saniert wer­den. Ein Berufs­tau­cher wer­de sich das jetzt von unten anschau­en, so Schill, er hof­fe, dass die dafür ange­setz­ten 60.000 Euro reich­ten und die undich­ten Stel­len mit ein paar auf­ge­schaub­ten Ble­chen in den Griff zu bekom­men sei­en. Pro­ble­me mach­ten auch die Steue­run­gen der Hoch­be­häl­ter. die sei­en so in die Jah­re gekom­men, dass es kei­ne Ersatz­tei­le mehr gebe – auch des­halb die Ent­schei­dung, nur den in Neu­kirch zu sanie­ren und die ande­ren still­zu­le­gen.

15 Mil­lio­nen sind viel Geld”, kon­sta­tier­te dann auch Ver­bands­vor­sit­zen­der Albrecht, aber man sei auf einem guten Weg. „Ich wer­de nicht müde dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das uns­re Bür­ger deut­lich mehr kos­ten wird!” so Deiß­lin­gens Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich. Ohne Groll zwar, wie er beton­te, aber bei den vor­ge­se­he­nen 15 Mil­lio­nen feh­le schließ­lich noch die Lei­tung nach Lauf­fen. Man habe bei der Bür­ger­ver­samm­lung den Betrag von maxi­mal zwei Euro für den Kubik­me­ter Was­ser an die Wand gewor­fen, „aber das wird nicht rei­chen!” Schät­zungwei­se 20 Mil­lio­nen wer­de man rei­ßen, stimm­te ihm Tho­mas Albrecht zu. „Das ist dem geschul­det, dass der Ver­band zusam­men­ge­blie­ben ist.”

Auch Die­tin­gens Bür­ger­meis­ter Frank Scholz kri­ti­sier­te die lan­ge Zeit der Nicht-Inves­ti­tio­nen, doch nun sei es wich­tig, dass die Bür­ger kla­re Zah­len auf den Tisch bekä­men. Ob die ange­setz­ten ein bis zwei Jah­re für den Bau der neu­en Ring­lei­tung aus­reich­ten, bezweif­le er. „Das kann sich genau­so­gut über vie­le Jah­re erstre­cken!” Sein Kol­le­ge Albrecht ver­sprach, beim Land­rats­amt Druck zu machen: „Wir wer­den in aller Deut­lich­keit sagen, wor­um es hier geht: Um die Was­ser­ver­sor­gung vie­ler Men­schen!” Immer­hin wür­de bei der Ver­sor­gung mit Glas­fa­ser mit­ten durch den Wald gefräst. Und schnel­les Inter­net kön­ne man eben nicht trin­ken.

Der schei­den­de Ver­bands­pfle­ger Hans Mauch stell­te dann die Jah­res­rech­nung vor, die immer­hin einen posi­ti­ven Aspekt hat: Es wur­de mehr Was­ser ver­kauft. Den­noch müs­sen die Bür­ger am dem kom­men­den Jahr zehn Cent mehr und damit 1,60 für den Kubik­me­ter Neckar­was­ser zah­len. Eine schmerz­haf­te Maß­nah­men nann­te das Frank Scholz, dem geschul­det, dass der Was­ser­preis über vie­le Jah­re nicht erhöht wur­de. Er kri­ti­sier­te dann auch die Begrün­dung der Erhö­hung in Mauchs Bericht, nach dem Zin­sen und Til­gun­gen schuld am Anstieg sei­en.
Trotz all des Ärgers stimm­ten die Ver­bands­mit­glie­der ein­stim­mig für die Jah­res­rech­nung. Nach­fol­ger Mauchs, der 34 Jah­re für den Ver­band tätig war und mit einem Geschenk­korb ver­ab­schie­det wur­de, ist Phil­ip­pe Lie­ber­mann, Wel­len­din­gens Käm­me­rer. Der Ver­band wähl­te ihn ein­stim­mig.