„Aupperle bringt den Rottweilern das Licht“

„Aupperle bringt den Rottweilern das Licht“

Der aktuelle Winter sei der lichtärmste seit langem, sagen Statistiker. Wer ein Gegenmittel sucht, könnte im Forum Kunst fündig werden: Dort macht der Rottenburger Künstler Roger Aupperle mit seiner Reihe „unterwegs“ Station – und bringt jede Menge Licht.

Fotos: Andreas Linsenmann

58 Lampen, um genau zu sein. Als Aupperle anno 2008 im Fahrrad-Anhänger Leuchtkörper nach Tübingen karrte (in der Schau als Video zu sehen), waren es noch 48 – denn der Künstler, geboren 1960 in Oberndorf, koppelt die Zahl an seine Lebensjahre.

Was Aupperle antreibt, als Lichtbringer in Aktion zu treten, leuchtete bei der Vernissage am Samstag der Kulturjournalist Rainer Zerbst aus. Er betonte, dass Licht fundamental für alle Lebensprozesse sei und rief in Erinnerung, dass der griechischen Mythologie zufolge Prometheus den Göttern das Feuer entriss – die Macht über das Licht als Sinnbild für den Beginn der Zivilisation.

Fotos: Andreas Linsenmann

Eloquent fächerte Zerbst auf, was wir sprachlich mit Licht verbinden – etwa als Quelle von Erkenntnis: Nicht von Ungefähr geht jemand „ein Licht auf“, oder es wird im gegenteiligen Fall „zappenduster“.

Genüsslich wies Rainer Zerbst darauf hin, dass Aupperle gleich zweimal Licht in die Universitätsstadt Tübingen gebracht hat – bereits 2007 gondelte er im Dunkeln mit dem Stocherkahn und 47 leuchtenden Lampen am Hölderlinturm vorbei.

Womöglich haben die hochmögenden Professoren den Lichtimport besonders nötig – so der ironische Beiklang für Zerbst. Über den Erleuchtungsbedarf der Rottweiler ließ sich der Laudator indes zu keinerlei Spekulationen hinreißen.

Bei der Vernissage jedenfalls zogen Aupperles Experimente, die wahlweise an Lagerfeuer, an Weihnachten oder den als „Erichs Lampenladen“ bespöttelten Berliner Palast der Republik erinnern mochten, freundliche Aufmerksamkeit auf sich. Ob sie als Therapie gegen den Winterblues taugen, muss sich allerdings noch zeigen.

Fotos: Andreas Linsenmann

Info: Die Ausstellung ist bis 11. März dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie wochenends 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 28. Januar 2018 von Andreas Linsenmann (al). Erschienen unter https://www.nrwz.de/kultur/aupperle-bringt-den-rottweilern-das-licht/193171