Schramberg. Seit dem Wochenende zeigt Podium Kunst das Künstler-Duo Alex Habisreutinger und Verena Freyschmidt. Bei der Eröffnung begrüßte der Vorsitzende Lars Bornschein ein stattliche Schar Kunstinteressierte in der „Bel Etage“ des Schramberger Schlosses.
Die beiden Kunstschaffenden verbinde die Beschäftigung mit naturanalogen Prozessen und raumgreifende Installationen. Sie hätten die Räume im Schloss in einen eigenen Kunstraum verwandelt. Habisreutinger sei leider erkrankt und sei nach dem Aufbau direkt nach Hause gefahren. Dennoch sei es „eine tolle Ausstellung geworden“, fand Bornschein. Er übergab das Wort an Dr. Andreas Gabelmann, Kunsthistoriker, Kurator und Autor.
„Freies Wachstum trifft auf strenge Form. Naturhaftes vermengt sich mit abstrakter Gestaltung.“ In diesem spannungsreichen Aktionsfeld bewegten sich die Schaffenswelten von Verena Freyschmidt und Alex Habisreutinger, so Gabelmann. Unter dem assoziationsreichen Titel „connected – fragments“ sei eine „außergewöhnliche Ausstellung“ entstanden.

Verena Freyschmidt forscht in der Natur
Freyschmidt sei 1975 in Frankfurt geboren, habe zunächst Kunstpädagogik und Geschichte und dann Mainz und Düsseldorf an den Kunstakademien studiert. Seither lebt sie als Dozentin und freischaffende Künstlerin im Raum Offenbach. Ihre Werke entfalteten sich im weiten Spannungsbogen zwischen Zeichnung, Malerei, Druck, Objektkunst und Rauminstallation. „Mit Tusche, Farbstiften und Acrylfarbe entwickelt Freyschmidt auf Papieren feinste lineare und subtile farbliche Strukturen.“

Anregungen für ihre Arbeit finde sie auf Reisen oder Spaziergängen. Sie sage sie verfolge „einen forschenden Ansatz, der auf dem Ergründen von Strukturen, von Organisationen und Zusammenhängen basiert. Vorwiegend suche ich diese in den Entstehungsprozessen der Natur und des Natürlichen“, zitiert er Freyschmidt.
Ihre großen Arbeiten konzipiere die Künstlerin oft für den Ausstellungsort mit einer Art Modulsystem. Das ähnle der Arbeitsweise von Habisreutinger und insofern seien die beiden connected – verbunden. Auch er nenne seine Skulpturens modular. Auch seine Arbeiten kreisten „um die Auseinandersetzung mit naturanalogen Strukturen und Prozessen“.

Alex Habisreutinger inspiriert der Jazz
Habisreutinger sei ebenfalls1975 geboren und zwar in Ravensburg. Heute lebe er in Weingarten. Er hat zunächst eine Tischlerlehre abgeschlossen und anschließend Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Karlsruhe studiert. „Organisches Wachstum und konstruktive Form durchdringen und ergänzen sich in seinem Schaffen zu außergewöhnlichen Skulpturen, Installationen und Zeichnungen.“
In seinen raumbezogenen Holzplastiken entwerfe er lebhafte Strukturen, die an Pflanzliches und Vegetabiles wie an Architektonisches und Technisches denken ließen Der Künstler bezeichne seine Werke gern als Naturarchitektur, inspiriert vom freien Improvisieren im Jazz.
Durch das Material Holz schaffe er Bezüge zur Natur ohne diese nachzuahmen, führte Gabelmann aus. Dabei habe er eine „virtuose Technik“ entwickelt: „Einzelne Elemente, wie etwa Weidenäste mit sorgsam geglätteten Oberflächen, werden präzise zusammengefügt, teils ineinandergesteckt, teils bleiben die Steckverbindungen sichtbar, teils werden die Gelenkstellen verschliffen.“ Die Holzobjekte erinnerten an Wurzelgeflechte, an molekulare Strukturen, an Nervenbahnen, DNA-Stränge oder Nester.
Unter dem Motto „connected – fragments“ entfalte sich“ eine eigens für diesen Ort konzipierte Präsentation, wobei die Arbeiten durch die teils gemischte Hängung einen äußerst ansprechenden, dichten und spannungsreichen Dialog entwickeln“, hob Gabelmann hervor Entstanden sei so ein begehbares Gesamtkunstwerk, das unsere Sinne berührt“.
Mit einem Gläschen Sekt folgten die Besucherinnen und Besucher gern seiner Aufforderung, sich „durch die Räume treiben“ zu lassen – „verflochten und verwoben in einer atmosphärisch aufgeladenen Erlebniswelt“.
Die Ausstellung „connected fragments“ ist im Schramberger Schloss zu sehen bis zum 26. Februar
Öffnungszeiten: Dienstags bis samstags 13 bis 17 Uhr Sonn- und Feiertage 11 bis 17 Uhr. Montags geschlossen.