Das ehemalige Lichtspielhaus in Schramberg

Präsentation des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg

Das Lichtspielhaus in Schramberg auf einem Gemälde von Franz Hützschke (1893 bis 1945) um das Jahr 1930.Foto: Michael Schick (Laupheim)

SCHRAMBERG (ck) – Zum dies­jäh­ri­gen Stadt­ju­bi­lä­um lädt der Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg in sei­nem neu­en Jah­res­pro­gramm zur Ent­de­ckung zahl­rei­cher Kost­bar­kei­ten aus 150 Jah­ren Stadt­ge­schich­te ein. Als ers­te Kost­bar­keit wird am nächs­ten Frei­tag das ehe­ma­li­ge Licht­spiel­haus vor­ge­stellt. Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann schreibt dazu:

 

Das ehe­ma­li­ge Licht­spiel­haus auf dem Para­dies­platz im Stil der „Neu­en Sach­lich­keit“ ist eines der wert­volls­ten Kul­tur­denk­ma­le in Schram­berg aus dem 20. Jahr­hun­dert. Mit der Pla­nung beauf­trag­te die Lauphei­mer Licht­spiel­be­triebs GmbH, eine deut­sche Toch­ter der von dem deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Film­in­dus­tri­el­len Carl Laemm­le (1867 bis 1939) gegrün­de­ten Uni­ver­sal Pic­tures Cor­po­ra­ti­on in Hol­ly­wood, den renom­mier­ten Kino­ar­chi­tek­ten Paul Dari­us (1893 bis 1962).

Nach dem Bei­spiel ame­ri­ka­ni­scher Film­pa­läs­te setz­te das Licht­spiel­haus in Schram­berg einen her­aus­ra­gen­den Akzent  moder­ner Groß­stadt­ar­chi­tek­tur und steht des­halb auch unter Denk­mal­schutz. Im Jahr 2011 wür­dig­te die Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin Sabi­ne Steid­le das Gebäu­de in einer Publi­ka­ti­on zum The­ma „Kino­ar­chi­tek­tur als Chif­fre für groß­städ­ti­sches Leben und Moder­ni­tät in der Wei­ma­rer Repu­blik“ fol­gen­der­ma­ßen: „Film­pa­läs­te und Pre­mie­ren­ki­nos waren aus­ge­spro­chen groß­städ­ti­sche Phä­no­me­ne …Dass die …dezi­diert  groß­städ­ti­sche Bau­form des Licht­spiel­thea­ters in Ein­zel­fäl­len Ende der 1920er-Jah­re begann, die Pro­vinz zu erobern, lässt sich am Bei­spiel des Schram­ber­ger Licht­spiel­thea­ters bele­gen.“

Der Kino­be­trieb wur­de durch den lang­jäh­ri­gen Eigen­tü­mer Alex­an­der Steib (1930 bis 2016) im Jahr 2005 ein­ge­stellt.

Alex Steib auf einem Film­pla­kat an „sei­nem” Kino. Foto: him

Nach sei­nem Tod wird in der Bür­ger­schaft immer wie­der über das Gebäu­de gespro­chen, das als sel­te­nes Bei­spiel moder­ner Groß­stadt­ar­chi­tek­tur in einer Klein­stadt aus dem Zeit­al­ter der Indus­tria­li­sie­rung unter Denk­mal­schutz steht.

Der Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg möch­te des­halb mit einer Prä­sen­ta­ti­on zur Geschich­te des Licht­spiel­hau­ses einen Impuls zur Dis­kus­si­on über die Zukunft des Kul­tur­denk­mals geben. In der Prä­sen­ta­ti­on wer­den die Ergeb­nis­se eines Pro­jek­tes im Stadt­ar­chiv Schram­berg vor­ge­stellt, an dem Andre­as Herr, der momen­tan einen Teil sei­nes „Frei­wil­li­gen Kul­tu­rel­len Jah­res“ dort ableis­tet, und Robin Wuß­ler als Schü­ler des Gym­na­si­ums Schram­berg mit­wir­ken.

Die Prä­sen­ta­ti­on fin­det am Frei­tag, 28. April, um 19 Uhr im Gast­haus „Rosen­gar­ten“ (Para­dies­gas­se 17) statt. Ergän­zend kann am Sams­tag, 29. April, die Son­der­aus­stel­lung „Carl Laemm­le pres­ents. Ein jüdi­scher Schwa­be erfin­det Hol­ly­wood“ im „Haus der Geschich­te“ des Lan­des Baden-Würt­tem­berg in Stutt­gart besucht wer­den. Es ist eine gemein­sa­me Bahn­fahrt von Obern­dorf am Neckar nach Stutt­gart um 8.16 Uhr mit Rück­fahrt um 15.18 Uhr geplant. Anmel­dung bit­te beim Stadt­ar­chiv Schram­berg (Tele­fon: 07422/29263 – E-Mail: stadtarchiv@schramberg.de)