Wie­der hat­te Rott­weil Stars der Bran­che, zum Teil gar Welt­stars, zu Gast und wie­der ström­te das Publi­kum in Scha­ren: Es war das 30. Rott­wei­ler Jazz­fest – und die Erfolgs­ge­schich­te setz­te sich fort. Claus Gams, einer der Grün­dungs­vä­ter und bis heu­te der Pro­gramm-Macher, ist jeden­falls hoch­zu­frie­den. Rund 6000 Besu­cher füll­ten die Stall­hal­le mit 650 Sitz­plät­zen und wei­te­ren Steh­plät­zen bei den neun Kon­zer­ten, einen Aus­fall gab es nicht. Hin­zu kamen die 3500 bei der 25. Auf­la­ge von Jazz in Town.

Das war ein idea­ler Auf­takt und hat bei bes­tem Wet­ter unse­re Erwar­tun­gen über­trof­fen, nach­dem wir in den letz­ten bei­den Jah­ren Pech mit Regen hat­ten“, sagt Gams. Kein Wun­der, dass sei­ne Bilanz durch und durch posi­tiv aus­fällt. „Man steht ja im Vor­feld unter einer wahn­sin­ni­gen Anspan­nung“, sagt Gams: „Kom­men die Kon­zer­te an? Klappt es mit den Künst­lern und Bands? Kom­men sie recht­zei­tig an?“ Aber dann hat es bes­tens funk­tio­niert. Das Jazz­fest wur­de sei­nem Namen gerecht, im bes­ten Wort­sinn – mit drei­wö­chi­ger Halt­bar­keits­ga­ran­tie.

Axel Prahl und sei­ne Band bei­spiels­wei­se haben die Besu­cher, vor allem Frau­en, gera­de­zu ver­zückt. Und wenn die Rede auf den 81-jäh­ri­gen Klaus Dol­din­ger kommt, dann gerät selbst ein Pro­fi wie Klaus Gams ins Schwär­men: „Eines der bes­ten Kon­zer­te, die ich je erlebt habe!“
Dol­din­ger hat tat­säch­lich eine ziem­lich ein­zig­ar­ti­ge Vor­stel­lung gebo­ten: Er wag­te sich zusam­men mit dem Orches­ter der Kam­mer­oper Mün­chen auf die Büh­ne. Und Rott­weil erleb­te neben Mün­chen den ein­zi­gen Auf­tritt in die­ser Kon­stel­la­ti­on.

Das ist ein wei­te­rer Beleg dafür, dass das Jazz­fest Rott­weil längst zu den renom­mier­tes­ten Fes­ti­vals in Baden-Würt­tem­berg zählt. Dabei wird nicht durch­gän­gig Jazz gebo­ten, son­dern auch eine Mischung aus ande­ren Stil­rich­tun­gen – Axel Prahl schreck­te gar vor einer Ver­si­on von Roy Blacks „Du bist nicht allein“ nicht zurück. Aber gera­de das macht den Erfolg aus. Das legen­dä­re „VS swingt“ konn­te mit Jazz pur nicht über­le­ben.

Die Rott­wei­ler Alter­na­ti­ve zieht. Etwa zwei Drit­tel der Besu­cher kom­men aus einem Umkreis von etwas 30 bis 40 Kilo­me­tern, also aus den Land­krei­sen Rott­weil. Tutt­lin­gen, Zol­lernalb, Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen. Das rest­li­che Drit­tel nimmt eine wei­te­re Anrei­se in Kauf. Wer über die Park­plät­ze geht, der fin­det Auto­kenn­zei­chen von Aalen bis Frei­burg und in die Schweiz, sogar aus dem Elsaß.

Das teils anspruchs­vol­le, teils mas­sen­taug­li­che Pro­gramm ist das eine Erfolgs­ge­heim­nis. Die spe­zi­el­le Atmo­sphä­re in der Stall­hal­le das ande­re. Und dann kommt noch die Gemein­schafts­leis­tung hin­zu: Rund 50 frei­wil­li­ge Hel­fer enga­gie­ren sich und neun Res­sort­lei­ter, von Auf- und Abbau über Finan­zen bis hin zu Künst­ler-Betreu­ung, sor­gen für eine pro­fes­sio­nel­le Arbeit in allen Berei­chen.

Da kann der Jazz­fest-Ver­ein, den mehr als 400 Mit­lie­der mit Simon Busch an der Spit­ze tra­gen, auch mit ver­ein­zel­ter Kri­tik leben. Manch einer hat gebrud­delt, weil der Ein­tritt für Jazz in Town seit drei Jah­ren von zehn auf zwölf Euro gestie­gen ist. Claus Gams bringt dafür kein Ver­ständ­nis auf. Mehr als 30 Bands hät­ten in eben­so­vie­len Loka­len gespielt, sagt er. „Da ver­lan­gen ande­re für weni­ger deut­lich mehr Geld.

Es gab Zei­ten, da droh­te dem Jazz­fest wegen der Finan­zen das Aus. 1992 hat­te der Ver­ein 20.000 Euro Schul­den – und das Ende unmit­tel­bar vor Augen. 1993 gab es kein Jazz­fest, doch dann gelang die Ret­tung doch noch.

Jetzt sei die schwar­ze Null das Haupt­ziel, sagt Gams. In die­sem Jahr dürf­te es deut­lich mehr sein. Dafür sorg­te auch die Gas­tro­no­mie, die 850 Fla­schen Wein, 400 Fla­schen Sekt und 400 Fäs­ser Bier aus­schenk­te. „Hin­zu kommt, dass wir einen Zuschuss von der Stadt bekom­men und ver­läss­li­che Spon­so­ren haben“, sagt Klaus Gams. Der Etat liegt zwi­schen 250.000 und 300.000 Euro.