Foto: Museum

Das Auto und Uhren­mu­se­um eröff­net  am Frei­tag, den 8. Juni um 18 Uhr sei­ne neue Son­der­aus­stel­lung: „His­to­ri­sche Email­le Rekla­me­schil­der – vom Rekla­me­schild zum Samm­ler­stück“. Dar­über heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung des Muse­ums:

Schon in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­dert beherrsch­ten Email­le-Schil­der die Fas­sa­den von Geschäfts­häu­sern, sie flan­kier­ten Stra­ßen und Eisen­bahn­li­ni­en und leis­te­ten sozu­sa­gen Dau­er­re­kla­me für die Pro­duk­te vie­ler Unter­neh­men.

Die Tech­nik des Email­lie­rens von Edel­me­tal­len mit far­bi­gem Glas ist schon seit der Anti­ke bekannt. Doch erst mit dem her­auf­zie­hen­den Zeit­al­ter der Indus­tria­li­sie­rung, Mit­te des 19. Jahr­hun­dert, gelang es Eisen­ble­che so zu behan­deln, dass die Email­le­schicht wäh­rend des Brenn­vor­gan­ges, bei dem Tem­pe­ra­tu­ren bis zu 1000 Grad Cel­si­us erreicht wer­den, nicht sofort wie­der vom Trä­ger­ma­te­ri­al abplatz­te.

Der Ers­te, der Email­le­schil­der zu Rekla­me­zwe­cken nutz­te war der Scho­ko­la­den-Fabri­kant Stoll­werck. Fas­zi­niert von der Idee, ein wit­te­rungs­be­stän­di­ges Dau­er­pla­kat für die Außen­wer­bung zu schaf­fen, ließ er bereits 1893 die ers­ten deut­schen Rekla­me­schil­der pro­du­zie­ren.

Wei­te­re gro­ße Unter­neh­men erkann­ten die Wirk­sam­keit des neu­en Wer­be­trä­gers und zogen nach. So ent­wi­ckel­te sich in den 1890er-Jah­ren ein neu­er Zweig der Wer­bung, die im Gegen­satz zu heu­te auf Dau­er­haf­tig­keit und Sta­bi­li­tät des bewor­be­nen Arti­kel und des dama­li­gen Kon­sum­ver­hal­ten setz­te. Die Her­stel­lungs­kos­ten der Schil­der, in denen die Oma den  Herd noch mit „Ena-Blitz“ blank schrubb­te, das klei­ne Kapu­zi­ner­äff­chen den ele­gan­ten Mer­ce­des-Schuh bewun­der­te und die wei­ße Frau von Per­sil für die wei­ßes­te Wäsche über­haupt warb, waren für die dama­li­ge Ver­hält­nis­se enorm hoch. Trotz­dem wur­de in die­ser Zeit das Land flä­chen­de­ckend bis hin zum kleins­ten Tan­te Emma-Laden mit Email­lere­kla­me über­zo­gen. Vie­le spra­chen damals schon von der “Blech­pest”.

Anfangs waren es noch rei­ne Schrift­schil­der, die zwei oder drei­far­big ver­such­ten die Kon­su­men­ten zu über­zeu­gen, schnell kamen far­bi­ge Pro­dukt­ab­bil­dun­gen hin­zu. Die groß­for­ma­ti­gen Schil­der an den Bahn­li­ni­en wur­den bald auf das Wesent­li­che redu­ziert, damit die Pro­dukt­bot­schaft beim Vor­bei­fah­ren unbe­schwert erkannt wer­den konn­te.

Klar war auch, dass künst­le­risch und anspruchs­voll gestal­te­te Schil­der reiz­vol­ler auf das Auge des Betrach­ters wirk­ten. So ent­stan­den vie­le hoch­wer­ti­ge und gra­fisch fas­zi­nie­ren­de Rekla­me­schil­der mit oft lus­ti­gen, aus­ge­fal­le­nen und exo­ti­schen Moti­ven, die ech­te Design­ge­schich­te geschrie­ben haben.

Eine Iko­ne unter den Email­le-Schil­dern die­ser Zeit ist sicher­lich die “Wei­ße Dame” von Per­sil, deren Ent­wurf von Kurt Hei­li­gen­sta­edt auf das Jahr 1922 zurück­da­tiert wer­den kann. Hier fin­det die Ver­schmel­zung von Eigen­schaf­ten wie strah­len­des Weiß und Fri­sche mit dem Wasch­mit­tel in per­fek­ter Wei­se statt. Kein Wun­der, dass gera­de die­ses Email­le-Schild als eines der popu­lärs­ten Schil­der auch bei den Schil­der-Lieb­ha­bern gilt.

In den 30er Jah­ren gab es allein in Deutsch­land über 300 Email­lier­wer­ke. Der zwei­te Welt­krieg berei­te­te dem Indus­trie­zweig ein jähes Ende. In den 50ern wur­de das Email­le-Schild  wegen der im Ver­gleich zum Papier­pla­kat viel höhe­ren Pro­duk­ti­ons­kos­ten  aber auch auf­grund der ver­än­der­ten Gege­ben­hei­ten eines wach­sen­den ame­ri­ka­ni­sier­ten, schnell­le­bi­gen Kon­sum­mark­tes fast voll­stän­dig aus dem Stra­ßen­bild ver­drängt.

Emaille-Schilder mittlerweile begehrte Sammlerobjekte

Die Son­der­aus­stel­lung im Auto- und Uhren­mu­se­um zeigt Email­le-Schil­der aus der Samm­lung  Ger­hard Ding­ler. Eini­ge der aus­ge­stell­ten Schil­der wur­den noch in Schram­berg von der Fir­ma Schwei­zer, heu­te Schwei­zer Elec­tro­nic AG her­ge­stellt. Das welt­weit agie­ren­de Elek­tro­nik-Unter­neh­men mit Stamm­sitz in Schram­berg,  wid­me­te sich in sei­nen Anfangs­jah­ren der Pro­duk­ti­on von Zif­fer­blät­tern für die Uhren­in­dus­trie und der Her­stel­lung von Metall­schil­dern.

Auch zwei der ältes­ten Email­le-Schil­der des Schwarz­wäl­der Boten wer­den zu sehen sein.