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Mittwoch, 23. September 2020

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Entdeckungen im Zwischenreich

Raphael Sbrzesny bespielt das Forum Kunst/ Ein Interview

ROTTWEIL – In Rottweil kennt man ihn vor allem als ekstatischen, vielseitigen Drummer, der mit seiner Band „Parka“ tüchtig einheizt. Dabei profiliert sich der aus Dunningen stammende und in Berlin lebende Raphael Sbrzesny mittlerweile vor allem mit freier Kunst, mit Performances, mit skulpturalen Arbeiten und Video-Installation.

Hier findet er, ein wahres Kraftwerk neuer Ideen, Resonanz und heimst Auszeichnungen ein – angefangen vom Kunstpreis des
Rotary Clubs Rottweil (2010) bis jüngst dem renommierten Karl
Schmidt-Rottluff Stipendium und einem Arbeitsaufenthalt im Bundesatelier der Cité des Arts in Paris. Ab 19. November sind Arbeiten Sbrzesnys im Forum Kunst zu sehen. Die NRWZ hat mit dem kreativen Kopf vorab gesprochen.

NRWZ: Herr Sbrzesny, wie sind Sie von der Musik zur Bildenden Kunst gekommen?

Raphael Sbrzesny: Ich habe an der Musikschule Dunningen bei dem tollen Ralf Reiter Schlagzeug gelernt, in Trossingen als Jungstudent studiert, in Hamburg einen Kontaktstudiengang für Popularmusik belegt und bin letztlich in Stuttgart bei Marta Klimasara gelandet – einer spannenden, tänzerisch
spielenden Percussionistin, die eine feine Qualität abseits des nur generisch männlichen Schlagzeugspiels vertritt. Und dennoch habe ich gemerkt, dass das freie Interpretendasein beschränkt ist. Die Frage war: Wie kann ich das erweitern? Ich wollte noch andere Themen in die Musik einbringen, als immer nur ein Stück im Repertoire aufzurufen. Eine Möglichkeit war die Komposition. Dann habe ich mich jedoch inkognito an der Stuttgarter Kunstakademie beworben, weil ich festgestellt habe: Man muss
nicht klassisch Aktzeichnen können, sondern eine spannende Idee haben, um an die Akademie zu kommen. Ich habe mich mit einer konzeptuellen Arbeit vorgestellt und einen Studienplatz bei Werner Pokorny bekommen, der sich sehr für mich und mein Doppelstudium mit Musik und Kunst eingesetzt hat.
Fasziniert hat mich, dass in der Kunst einerseits die eigenen Ideen Kraft haben müssen, dass sie eine Form finden müssen und man sie verteidigen muss, dass man andererseits aber die Möglichkeit hat, sich mit allem zu beschäftigen: Politik, Design, Kunstgeschichte, soziale Themen, Theorie. Das ist in der Musik so noch immer nicht der Fall. Kunst ist da vor allem in der
Medienvielfalt viel freier.

NRWZ: Welche Spuren des Drummers Sbrzesny, kann man in den Arbeiten des Performance-Künstlers Sbrzesny noch finden?

Raphael Sbrzesny: Ich habe beides immer wieder verbunden. Zum Beispiel habe ich Arbeiten gemacht, in denen ich einem Dilemma der Musikerexistenz nachgegangen bin: Man erarbeitet Werke, die man dann als Interpret aufführen kann. Das so gewonnene Repertoire macht ein gutes Stück der eigenen
Identität aus. Aber man reproduziert letztlich doch nur in engem Rahmen, was vorgegeben ist. Ich habe mich gefragt, wie man über diese Verwertungslogik hinausgehen kann.  Ein Ansatz war, Werke unter „erschwerten Bedingungen“ aufzuführen, als Teil
einer Videoarbeit oder Performance. So habe ich etwa ein virtuoses, technisch schwieriges Wettbewerbsstück auf einem Trimmdichpfad bei Bettlinsbad in Rottweil gespielt oder mich von Luan Krasniqui für ein Stockhausen-Stück trainieren lassen. Es ging darum, eine fordernde Aufgabe zu bewältigen, es kam aber auch eine humorvolle Komponente hinzu, indem Stockhausen als Schwergewicht der Neuen Musik aufgefasst wurde. Ohnehin
halte ich eine gewisse schelmische Herangehensweise für sehr wichtig, weil dann etwas abseits des immer schon Gewussten und Gemachten möglich ist. Die erschwerten Bedingungen erweitern das Gängige plötzlich in ein Ungewisses hinein.

NRWZ: Sie sind zu einem Experten für transdisziplinäres kreatives Arbeiten und für Schnittstellen geworden. Dazu gehört auch die politische Theorie. Mit welchen Fragen beschäftigen sie sich da?

Raphael Sbrzesny: Die politische Dimension ist jüngst stärker geworden, weil ich mich intensiv mit einem sehr anregenden und klugen Buch beschäftigt habe: „Was vom König übrigblieb. Die zwei Körper des Volkes und die Endspiele der Souveränität“ von Eric L. Santner. Der Autor arbeitet an der Schnittstelle von Literatur, Philosophie, Psychoanalyse und Religion und
untersucht, was nach der französischen Revolution mit einer bestimmten Form von psychischem Druck passiert ist, die nicht mehr auf einen König projiziert werden konnte. Dabei geht es letztlich um die Begründung des eigenen Handelns und der eigenen Existenz. Diesen Ansatz habe ich auf die Figur des Interpreten übertragen, der ja immer durch das Werk des
Komponisten legitimiert ist – also letztlich ebenfalls ein königsartiger Übervater, der den Rahmen vorgibt. Ich habe versucht, einen emanzipierteren Interpreten zu denken, der sich vom alles beherrschenden (Komponisten)-Vater löst. Da geht es um Formen von Freiheit und Selbstbestimmtheit, die eminent politisch sind.

NRWZ: Ihre Ausstellung im Forum Kunst hat den geheimnisvollen Titel „Sophie – das Zwischenreich macht ihnen zu schaffen“. Was verbirgt sich dahinter?

Raphael Sbrzesny: Der Titel bezieht sich lose auf eine Episode aus dem Tagebuchroman „Die Schilderungen des Malte Laurids Brigge“ von Rainer Maria Rilke. Die Hauptfigur Malte tut, um seiner Mutter zu gefallen, so, als sei er ein Mädchen namens Sophie und ruft mit heller Glockenstimme durch die
Tür: „Mutter, ich bin‘s Sophie…“ und ähnliches. Dieser Moment einer Verwandlung war für mich spannend, weil ich in Rottweil unter anderem der Frage nachgehe, wie eine Konzeption des weiblichen Körpers abseits der konventionellen Zuschreibungen aussehen kann. Daher auch der zweite Titelteil mit dem Zwischenreich. Mir geht es um Wahrnehmungen jenseits
ausgestanzter, fertiger „Wahrheiten“ wie rechts-links, Mann-Frau,
gut-schlecht, die Klarheit vortäuschen und die man leicht anwenden kann. Es geht mir um das, was dazwischen ist, was das Leben aber vielleicht auch ausmacht – das macht einem meistens zu schaffen. Die Thematik des weiblichen Körpers taucht auf, weil ich mich mit einem Archiv von Fotos beschäftige,
auf denen ich mich als Spätpubertierender in sehr weiblichen Posen inszeniert habe und das als sehr lustvoll erinnere. Die Frage ist: Welchen Platz räumen wir solchen Phantasien ein?

NRWZ: Eines weiteres Ihrer Themen ist Disziplinierung und Normierung. Sie stecken Körper in Korsetts – warum?

Raphael Sbrzesny: Ich habe mich mit dem  Literaturwissenschaftler Michael Bachtin beschäftigt, der in seinem Buch: „Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur“ vom „zweileibigen Leib“ spricht. Der Zweileibige Körper den Bachtin „grotesk“ nennt, gibt Anlass zu einem
befreienden Lachen und befreit so von den oben beschriebenen Zwängen. Bachtin spricht von einem „Befreien“ von äußeren und inneren „Zensoren“. Beide stehen in engem Zusammenhang, weil der kulturell definierte dem realen Körper Erwartungen aufzwingt – zum Beispiel im Hinblick auf Schönheits- und Geschlechterideale oder Funktionalität. Korsette machen das sinnlich greifbar. Man kann sie wie im Karneval anlegen und damit Körper in groteske Figuren verwandeln, wobei erneut der Humor hinzukommt. Das Korsett, als ursprünglich den Körper normierender Apparat, wird in einer Performance so
plötzlich zu einem Adapter, welcher den Körper des Aufführenden (des Interpreten) ins Groteske verschiebt.

NRWZ: Zwang und Herrschaft über Körper – wird es an dieser Stelle wieder politisch? Was wollen Sie mit Ihrer Kunst über unsere Gesellschaft aussagen?

Raphael Sbrzesny: Das lässt sich nicht auf eine einfache Formel bringen. Ein wesentlicher Teil meiner Entwicklung von der Musik hin zur Bildenden Kunst war, vom Allgemeinen zum Singulären zu kommen. Mich hat stark interessiert, wie man jenseits der Normen wieder eine Aufmerksamkeit für den eigenen
Körper und die eigenen Gedanken entwickeln kann. Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der man sehr sensibel sein muss, weil alles sehr dynamisch ist. Dem kann man nur begegnen, indem man nicht eine bestimmte Ordnung übernimmt, sondern ständig beweglich ist im Denken. Das versuche ich mit und in meiner Kunst produktiv zu machen und das reicht über das eigene Kunstwerk hinaus, ist also wieder politisch.

NRWZ: Die Welt ist im Wandel, auch die der Kunst – 3D-Drucker machen gestalterische Fähigkeiten obsolet, Künstliche Intelligenz (KI) könnte bald den Menschen überrunden. Was soll, was kann Kunst da noch?

Raphael Sbrzesny: Da bin ich völlig unbesorgt. Zum einen sehe ich wie der französische Philosoph Alain Badiou eine zentrale Funktion von Kunst darin, einer Unterbrechung der öffentlichen Diskurse Gestalt zu geben. Das kann Künstliche Intelligenz nicht und das ist wesentlich für das Menschsein. Zum andern bin ich unbesorgt, weil es in der Welt immer ein denkendes Subjekt
geben wird. 3D-Drucker und Künstliche Intelligenz verhandeln Wissen, indem sie Vorhandenes speichern, erweitern, anreichern. Sie repräsentierten ein diszipliniertes Wissen. Was den Menschen in seinen Fragen und Sorgen und Unterbrechungen der eigenen Wünsche ausmacht, ist jedoch ein bewegliches,
dynamisches Denken jenseits von Disziplin und Normierung. Diese schöpferische Anarchie wird uns noch lange von Rechnern und Maschinen unterscheiden.
Die Frage stellte unser Redakteur Andreas Linsenmann.

Info: Die Ausstellung wird am 19. November um 19 Uhr eröffnet und ist bis 1. Januar dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags 17 bis 20 Uhr und wochenends von 10 bis 13 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr geöffnet.

 

 

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