Entkorkt: Flaschen für Rottweil-Kunstfest eröffnet

„Nebukadnezar“-Aktion im Bürgersaal

Fasziniert von Flaschen: Kunstfreunde strömten am Samstag in den Bürgersaal. Fotos: Andreas Linsenmann

Sensationeller Andrang im Forum Kunst: Wer am Samstagabend die Vernissage der Aktion „Flaschen für Rottweil“ mit­er­le­ben woll­te, muss­te mit­un­ter Schlange ste­hen. Der Abend jedoch belohn­te dafür.

Und zwar nicht nur mit 93 von Künstlerinnen und Künstlern gewitzt bespiel­ten 15-Liter-Flaschen, die mit ihrer pom­pö­sen Bezeichnung „Nebukadnezar“ dem Projekt den Namen gaben. Auch Laudator Professor Robert Kudielka ver­lieh der Vernissage Würze.

Pointiert führ­te er mit einer klei­nen Kulturgeschichte der Flasche – und des Weingenusses – an das Sujet her­an. Als Kronzeuge dien­te Kudielka dabei der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, der täg­lich um die zwei Liter Wein kon­su­mier­te. Eine gewal­ti­ge  „Nebukadnezar“-Flasche hät­te ihm also rund eine Woche aus­ge­reicht.

Foto: Andreas Linsenmann

Zu die­ser Aktion hat­te das Forum Kunst alle Kreativen ein­ge­la­den, die seit sei­ner Gründung 1970 Einzel- oder Doppelausstellungen bestrit­ten haben. Der Rücklauf spie­gelt die seit­her ver­gan­ge­nen 47 Jahre wider. Mit Klaus Staudt ist einer der ers­ten Gäste von 1970 ver­tre­ten, mit Kim Sun-Rae eine Künstlerin, die erst jüngst im Bürgersaal aus­ge­stellt hat.

International täti­ge Kreative sind eben­so mit von der Partie wie Kunstschaffende aus der Region. Besonders freut man sich auf Veranstalterseite, dass auch Franz Erhard Walter, der bei der dies­jäh­ri­gen Biennale in Venedig mit einem „Goldenen Löwen“ aus­ge­zeich­net wur­de, eine Flasche bei­steu­ert.

Die Künstlerinnen und Künstler nut­zen das Flaschen-Format mit sei­nen Innen- und Außen-Dimensionen häu­fig sehr iro­nisch – und blei­ben ihrer Handschrift meist frap­pie­rend treu. Der mit Vergänglichkeit und Transformationen  expe­ri­men­tie­ren­de Daniel Bräg etwa hat dem Flaschen-König einen Destillations-Aufsatz auf­ge­pfropft und lässt Apfelsaft zu Most ver­gä­ren.

Gerhard Breinlinger hat den Korpus mit den für ihn so cha­rak­te­ris­ti­schen, magi­schen Blautönen über­zo­gen und Willi Bucher (mit einem klei­nen chir­ur­gi­schen Kniff) eine sei­ner Larven hin­ein­ge­pflanzt. Josef Bücheler nimmt das Behältnis als Schaukasten für eines sei­ner Arte-Povera-Segel, Angela M. Flaig bringt das Glas rand­voll mit Samen zum Blühen.

Albrecht Fendrich, der 2016 mit Fotos vom Testturm Furore mach­te, hat Licht- und Prismenwirkungen des 15-Liter-Kolosses erforscht und die für poin­tier­te Portraits bekann­te Cordula Güdemann einen Kretschmann-Trollinger designt, der die Nähe des Landesvaters zu den Auto-Konzernen aufs Korn nimmt.

Tobias Kammerer hat als ein­zi­ger an eine Verformung gewagt und ver­setzt den Korpus mit dem ihm eige­nen Schwung tän­ze­risch in Bewegung. Ganz so weit wie  Roger Aupperle geht er frei­lich nicht – der hat das Mammut-Gefäß kom­plett zer­sto­ßen und prä­sen­tiert nun die Überreste fein säu­ber­lich wie in einem Aservaten-Tütchen.

Der Vernissage schloss sich eine „NEBUKADNEZpARTy“ an, bei der zah­len­den Gästen im Sonnensaal des Kapuziners aus 15-Liter-Flaschen edle Rebensäfte kre­denzt wer­den – musi­ka­lisch flan­kiert vom Magnus Mehl-Trio.

Info: Die Schau ist bis 14. Januar zu sehen, geöff­net diens­tags, mitt­wochs und frei­tags von 14 bis 17 Uhr, don­ners­tags 17 bis 20 Uhr sowie wochen­ends 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr.