Papierkrippenfiguren von Rudolf Füchter aus dem 19. Jahrhundert Alle Fotos: Stadtmuseum Schramberg

Kurz nach der Eröff­nung der Aus­stel­lung „Die Schweizer’sche Weih­nachts­krip­pe“ kann sich das Stadt­mu­se­um Schram­berg über zwei wei­te­re wert­vol­le Papier­krip­pen freu­en. Die Kunst­wer­ke der bei­den Maler Gre­gor Moos­mann und Rudolf Füch­ter stam­men aus dem 19. Jahr­hun­dert, beri­chet Cars­ten Kohl­mann:

Wal­ter und Anne­ro­se Mauch mit den Papier­krip­pen­fi­gu­ren von Rudolf Füch­ter aus dem 19. Jahr­hun­dert

Am Diens­tag nahm zunächst Wal­ter Mauch mit dem Stadt­mu­se­um Kon­takt auf. Der ehe­ma­li­ge Zahn­arzt erzähl­te, dass er eini­ge von Hand bemal­te Papier­krip­pen­fi­gu­ren besit­ze, auf deren Rück­sei­te die Signa­tur „Rudolf Füch­ter“ ste­he. Am Mitt­woch wur­de die Kost­bar­keit von Wal­ter und Anne­ro­se Mauch dem Stadt­mu­se­um geschenkt.

Die Papier­krip­pen­fi­gu­ren stam­men aus dem Nach­lass der Groß­el­tern von Wal­ter Mauch, dem Fla­sch­ner­meis­ter Josef Füch­ter (1881 bis 1931) und sei­ner Ehe­frau Lui­se Füch­ter (1881 bis 1958), die ihr Geschäfts- und Wohn­haus in der Markt­stra­ße 19 hat­ten. In sei­ner Kind­heit in den 1940er-Jah­ren erzähl­te ihm sei­ne Mut­ter Anto­nie Mauch (1908 bis 2004) ein­mal, dass man wie eini­ge ande­re Fami­li­en in Schram­berg so genann­te „Hart­schier­le-Figu­ren“ habe.

Unter die­sem Begriff sind in Schram­berg bis heu­te die Papier­krip­pen­fi­gu­ren des Schil­der­ma­lers Gre­gor Moos­mann (1801 bis 1872) bekannt. Sei­nen Bei­na­men hat­te der in einer Höh­le auf der Hoch­steig hau­sen­de Ein­sied­ler sei­nem Vater Fer­di­nand Moos­mann (1743 bis 1822) zu ver­dan­ken, der als Grenz­wäch­ter („Hart­schier“) an der öster­rei­chisch-würt­tem­ber­gi­schen Gren­ze im Raum Schram­berg ein­ge­setzt war. „Hart­schier­le-Figu­ren“ sind in den städ­ti­schen Samm­lun­gen wie in pri­va­tem Eigen­tum in erfreu­lich gro­ßer Zahl erhal­ten geblie­ben.

Wal­ter Mauch kann sich noch an ein lei­der nicht über­lie­fer­tes Foto der Weih­nachts­krip­pe im Haus sei­ner Groß­el­tern erin­nern. Sie befand sich in einer Zim­mer­ecke auf einem drei­ecki­gen Brett und bestand aus zwei Figu­ren­grup­pen unter­schied­li­cher Art. Die Hei­li­ge Fami­lie, die ver­lo­ren gegan­gen ist, bestand wohl aus Gips oder Holz. Vor dem Stall mit einem Stern mit Strah­len­schweif war eine Art Platz aus Pols­ter­moos ange­legt, den die heu­te noch vor­han­de­nen Papier­krip­pen­fi­gu­ren belebt haben. Von ihnen haben 31 die Zei­ten über­dau­ert: 19 Personen(gruppen), zehn Tie­re und zwei Pflan­zen.

Um die Hei­li­ge Fami­lie her­um stan­den Schwarz­wald­be­woh­ner des 19. Jahr­hun­derts, die an ihrer dama­li­gen Klei­dung und ins­be­son­de­re an der „Kräz” auf dem Rücken erkenn­bar sind, dem damals weit ver­brei­te­ten Ruck­sack­ge­stell für Trans­por­te aller Art. Die meis­ten Figu­ren sind ori­gi­nä­re Schöp­fun­gen, wohl aber vom Vor­bild „Hart­schier­le” inspi­riert. Es fin­den sich aber auch ein paar kolo­rier­te Dru­cke dar­un­ter. Als Beson­der­heit hat sich zudem ein (wohl aber nicht für die Weih­nachts­krip­pe gedach­tes) Bild mit einer Schaf­her­de erhal­ten.

Der Maler Rudolf Füch­ter (1844 bis 1910) war ein Bru­der des Urgroß­va­ters von Wal­ter Mauch. Er blieb in sei­ner Fami­lie und Hei­mat über sei­nen Tod hin­aus als begab­ter Kunst­ma­ler in Erin­ne­rung. In den letz­ten Jah­ren konn­ten für die städ­ti­schen Samm­lun­gen drei Gemäl­de von ihm erwor­ben wer­den. In den 1870er-Jah­ren zog er nach Nürn­berg und betrieb dort eine Litho­gra­phi­sche Anstalt. Bis zu sei­nem Tod leb­te er in Bay­ern und starb in Mün­chen.

Mar­lies Grü­ner und Cars­ten Kohl­mann mit den Papier­krip­pen­fi­gu­ren von Gre­gor Moos­mann aus dem 19. Jahr­hun­dert

Am Don­ners­tag über­rasch­te die ehe­ma­li­ge Haus­ärz­tin Maria Eli­sa­beth Grü­ner das Stadt­mu­se­um mit einem wei­te­ren Bestand von Papier­krip­pen­fi­gu­ren. Aus dem Nach­lass ihrer Groß­tan­te Mar­ga­re­the Feh­ren­ba­cher (1881 bis 1967), die im Stadt­teil Höf­le ein klei­nes Haus bewohn­te, ist ein Ensem­ble aus ins­ge­samt 99 Papier­krip­pen­fi­gu­ren erhal­ten geblie­ben.

In der Schach­tel, in der sie stil­voll in alte Weih­nachts­ser­vi­et­ten ein­ge­packt waren, ver­bin­den sich ein­drück­lich Hei­mat und Welt. Der Kar­ton stammt aus den USA, die gro­ße Beschrif­tung „Ech­te Haschier­le Krip­pen­fi­gu­ren” [sic!] aus Schram­berg. Der Bestand glie­dert sich in zwei Tei­le: 34 gemal­te Figu­ren aus offen­sicht­lich zwei Zeit­schich­ten (und viel­leicht auch zwei Malern) und 62 gedruck­ten Figu­ren (meis­tens Tie­re). Beson­der­hei­ten sind zwei gedruck­te Papier­fi­gu­ren aus der Zeit nach dem Zwei­ten Welt­krieg als Ein­zel­ob­jekt und ein gemal­ter Baum. Neben Maria und Josef und den hei­li­gen drei Köni­gen fin­den sich auch in die­sem Bestand eini­ge Schwarz­wald­be­woh­ner des 19. Jahr­hun­derts, die eine Spe­zia­li­tät von Gre­gor Moos­mann waren.

Im Stadt­mu­se­um Schram­berg freut man sich sehr über die bei­den neu­en Papier­krip­pen, da sie dazu bei­tra­gen, die­se bedeu­ten­de Tra­di­ti­on im ört­li­chen Weih­nachts­brauch­tum in Zukunft noch viel­fäl­ti­ger dar­stel­len zu kön­nen. Alte Weih­nachts­krip­pen aller Art sind – ins­be­son­de­re auch aus Nach­läs­sen – auch wei­ter­hin jeder­zeit will­kom­men. Kon­takt: 07422/29268 oder museum@schramberg.de

Info: Die Dau­er­aus­stel­lung „Die Krip­pen­samm­lung des Stadt­mu­se­ums Schram­berg“ und die Son­der­aus­stel­lung „Die Schweizer’sche Weih­nachts­krip­pe“ kön­nen bis zum 3. Febru­ar 2019 (Maria Licht­mess) besucht wer­den (Diens­tag bis Sams­tag 13 – 17 Uhr, Sonntag/Feiertag 11 -17 Uhr, Hei­lig­abend, Sil­ves­ter und Neu­jahr geschlos­sen).