Ingo Goritzki gibt Leitung der Rottweiler „Sommersprossen“ ab

Gründungs-Intendant hört nach 51 Jahren auf

Wird am Donnerstag 79: Ingo Goritzki. Archiv-Foto: al

Eine Ära neigt sich dem Ende zu: Ingo Goritz­ki gibt die Lei­tung der „Som­mer­spros­sen“ ab. Für den Jahr­gang 2018 zeich­net der inter­na­tio­nal renom­mier­te Obo­ist und Musik­päd­ago­ge noch ver­ant­wort­lich, dann ist Schluss. Wer das Klas­sik-Fes­ti­val künf­tig führt, ist offen.

Goritz­ki fei­ert am Don­ners­tag sei­nen 79. Geburts­tag, ein Wech­sel schien daher abseh­bar. Den­noch war es eine klei­ne Sen­sa­ti­on, als Goritz­ki am Mon­tag­abend bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Freun­des­krei­ses Som­mer­spros­sen im Rot­ten­müns­ter sei­nen bal­di­gen Abschied bekannt­gab.
 
Kein Wun­der: Ingo Goritz­ki hat die „Som­mer­spros­sen“ seit Jahr­zehn­ten geprägt. Gemein­sam mit sei­nem Bru­der Johan­nes rief er das Fes­ti­val 1967 unter dem Label „Rott­wei­ler Kam­mer­kon­zer­te“ ins Leben. Bei­de gehör­ten damals zu einem Kreis auf­stre­ben­der Musi­ker um den Gei­ger Sán­dor Végh, die ihre Ver­bin­dung trotz begin­nen­der Kar­rie­ren nicht abbre­chen las­sen woll­ten und sich daher zum gemein­sa­men Musi­zie­ren tra­fen.
 
Aus die­sen Anfän­gen ent­stan­den die „Som­mer­spros­sen“, die rasch über­re­gio­na­le Strahl­kraft ent­fal­te­ten und zu einem Aus­hän­ge­schild für Rott­weil wur­den. Zwei Deka­den lang lei­te­ten die Brü­der das Fes­ti­val im Tan­dem, ehe Ingo Goritz­ki, der neben einer regen Kon­zert­tä­tig­keit Pro­fes­su­ren an den Musik­hoch­schu­len Han­no­ver und Stutt­gart inne­hat­te, 1987 die allei­ni­ge künst­le­ri­sche Stab­füh­rung über­nahm.
 
Seit­her hat er immer wie­der mit inspi­rie­ren­den, ein­falls­rei­chen Pro­gram­men über­rascht und das Fes­ti­val erfolg­reich wei­ter­ent­wi­ckelt. Zuletzt hat­te Goritz­ki, der seit 2012 auf­grund einer Gast­pro­fes­sur an der Korea Natio­nal Uni­ver­si­ty of Arts in Seo­ul eini­ge Mona­te im Jahr in Korea lebt, dem glanz­vol­len 50. Jubi­lä­ums-Jahr­gang 2017 ein span­nen­des Geprä­ge ver­lie­hen.
 
Was die „Som­mer­spros­sen“ von ande­ren Fes­ti­vals unter­schei­det ist nicht zuletzt der Stel­len­wert der Neu­en Musik: Immer wie­der gab es Urauf­füh­run­gen von eigens für das Fes­ti­val kom­po­nier­ten Wer­ken – wodurch Rott­weil über die Jahr­zehn­te ein Stück Musik­ge­schich­te geschrie­ben hat. Die Ver­bin­dung zu den Kom­po­nis­ten ent­stand meist aus per­sön­li­cher Bezie­hung mit Ingo Goritz­ki.

Wie es mit den „Som­mer­spros­sen“ ab 2019 wei­ter­geht, ist momen­tan offen. Kul­tur­fach­be­reichs­lei­ter Mar­co Schaf­fert erklär­te auf Anfra­ge der NRWZ, es ste­he noch nicht fest, wer die künst­le­ri­sche Lei­tung über­nimmt.