James Mor­ri­son im Rott­wei­ler Kraft­werk – das ist schon eine klei­ne Sen­sa­ti­on. Denn ursprüng­lich waren nur vier Deutsch­land­auf­trit­te geplant, in Köln, Ber­lin, Offen­bach und Mün­chen. Ein wei­te­res Kon­zert kam hin­zu, Ham­burg, wegen der gro­ßen Nach­fra­ge. Nun also das ver­schla­fe­ne klei­ne Rott­weil, der Feri­en­zau­ber.

Doch der Soul-Welt­star gibt auch hier alles. Schon nach dem zwei­ten Stück braucht er das Hand­tuch, muss den Schweiß abwi­schen. Greift nach Kaf­fee­be­cher, wech­sel­wei­se der Was­ser­fla­sche. Authen­tisch kommt er rüber, greift nach den Hän­den sei­ner Fans in der ers­ten Rei­he, und auch wenn es nur für eine Berüh­rung der Fin­ger­spit­zen reicht – der Gra­ben ist etwas zu breit – er sorgt für glück­se­li­ge Gesich­ter.

Dabei ist ihm die Show gar nicht so wich­tig, bei James Mor­ri­son steht ein­deu­tig die Musik im Mit­tel­punkt. Und natür­lich sei­ne Stim­me, die­ses Reib­ei­sen, rau­chig wie der Ein­gangs­be­reich des Kraft­werks. Erdig, soulig, kraft­voll. Unter­stützt von sei­nen bei­den beein­dru­cken­den Back­ground­sän­ge­rin­nen, von denen eine in „Bro­ken Strings“ den Part von Nel­ly Furtado über­neh­men darf. Und von einer Band von Kön­nern, die zwar im Hin­ter­grund blei­ben – Mor­ri­son ist der Star – aber ihre Sache abso­lut sou­ve­rän machen.

Mor­ri­son, einst Stra­ßen­mu­si­ker, jetzt unter ande­rem Brit-Awards-gekrönt mit 4,5 Mil­lio­nen ver­kauf­ter Alben, der schon mit Bruce Springste­en und Tom Jones zusam­men­ge­ar­bei­tet hat. Den Jazz­le­gen­de Her­bie Han­cock wegen sei­ner genia­len Stim­me ins Stu­dio hol­te. Mor­ri­son, das Ener­gie­bün­del, vol­ler Lei­den­schaft, reißt sein Publi­kum im aus­ver­kauf­ten Kraft­werk vom ers­ten Ton an mit, mal mit, mal ohne Gitar­re.

Er prä­sen­tiert sei­ne Hits, aber vor allem die Songs sei­nes neu­en Albums „Hig­her Than The­re“, in dem er von sei­ner klei­nen Toch­ter singt, aber auch vom Tod sei­nes Vaters. Und die kom­men genau­so gut an wie sei­ne bekann­ten Sachen. Ein „erhe­ben­des Come­back eines ech­ten Soul-Man“ bezeich­ne­te der Evening Stan­dard sei­nen ers­ten Auf­tritt in Lon­don nach län­ge­rer Live-Pau­se.

In Rott­weil hat er sich die See­le aus dem Leib gesun­gen. Ein­ein­vier­tel Stun­den lang. Dann ver­schwand er von der Büh­ne, ein Roadie hol­te die Gitar­re, doch eigent­lich war klar: Ein­mal muss er noch­mal ran. Und das tat er auch, die Gitar­re kam wie­der an ihren Platz, die Band an ihre Instru­men­te und Mor­ri­son ans Mikro. Noch drei Hits als Sah­ne­häub­chen, dar­un­ter „You Give Me Some­thing“, natür­lich, das hat­te bis­her noch gefehlt, und „Hig­her Than The­re“, Luft­küss­chen und  dann war er weg.

Ein wenig zu kurz, aber inten­siv genug, um 1400 beseel­te Kraft­werks­be­su­cher in den Rott­wei­ler Regen zu ent­las­sen. Was macht es da schon, dass man kei­nen Schirm mit­ge­nom­men hat …