Die Chorgemeinschaft bei ihrem Konzert im Mai vorigen Jahres im Pflugsaal. Archiv-Foto: wede

ROTTWEIL – Zum Anlass ihres 190-jäh­ri­gen Bestehens lädt die Chor­ge­mein­schaft Rott­weil unter dem Mot­to „Pop, Gos­pel, Roman­tik, Film“ zu ihrem Jah­res­kon­zert am Sams­tag, 12. Okto­ber, ab 19 Uhr in den Musik­pa­vil­lon der Kon­rad-Witz-Schu­le ein.

Zu die­sem Anlass wur­de von Prof. Hel­mut Cromm ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm zusam­men­ge­stellt. Zusam­men mit dem Pop­chor Let’s Fezz aus Dun­nin­gen singt die Chor­ge­mein­schaft Gos­pels wie Rock vor Free­dom oder Somebody’s kno­cking, beglei­tet von dem Pia­nis­ten Mar­kus Helm und dem Schlag­zeu­ger Frank Neu.

Vor­ge­tra­gen wer­den Lie­der der Roman­tik von Franz Schu­bert und Franz Liszt und Lie­der des Barocks das J.S. Bach – Menu­ett, die neu arran­giert wur­den von Prof. Cromm .

Es wer­den Film­me­lo­di­en aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Ennio Mor­rico­ne und Gabrie­las Song erklin­gen sowie Lie­der aus „ Das gro­ße Lalu­la“, einem Lie­der­zy­klus von Hel­mut Cromm mit Gedich­ten von Chris­ti­an Mor­gen­stern. „Fezz„iges wird der Pop­chor aus Dun­nin­gen zum Bes­ten geben.

Um dem Kon­zert einen fest­li­chen Rah­men zuge­ben, wird in der Pau­se Sekt spen­diert.

Beginn als Männergesangverein

Die Chor­ge­mein­schaft Rott­weil 1829 kann auf eine beweg­te Geschich­te zurück­bli­cken. Nach dem Vor­bild des „Lie­der­kranz“ Stutt­gart von 1824 ent­stan­den im König­reich Würt­tem­berg als­bald zahl­rei­che Män­ner­ge­sang­ver­ei­ne zur Pfle­ge des Gesangs und der Gesel­lig­keit. Die­se waren mit der Ziel­set­zung mit der bür­ger­li­chen Frei­heit und staat­li­chen Ein­heit Deutsch­lands ver­bun­den. Im Jahr 1829 wur­de der Rott­wei­ler Män­ner­ge­sang­ver­ein erst­mals erwähnt. Nach eini­gen schwie­ri­gen Anfangs­jah­ren erfolg­te 1841 eine Neu­grün­dung. Roman Gass über­nahm die Lei­tung des Män­ner­chors.

Der dama­li­ge Män­ner­ge­sang­ver­ein wuchs sehr rasch zu einem bedeu­ten­den Chor her­an. Unter Lei­tung des Musik­di­rek­tors Micha­el C. Heim führ­te der Chor bedeu­ten­de Kon­zer­te auf wie Ora­to­ri­en von Joseph Haydn und Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy. 1865 rich­te­te der Män­ner­ge­sang­ver­ein das Lie­der­fest des Schwä­bi­schen Sän­ger­bun­des in Rott­weil aus. 1871 erfolg­te die frü­hes­te Erwäh­nung von Sän­ge­rin­nen in einem gemisch­ten Chor. Musik­di­rek­tor Hein­rich von Bese­le, Kom­po­nist des Rott­wei­ler Nar­ren­mar­sches, hat den Chor um 1877 eini­ge Jah­re gelei­tet. 1899 ent­stand die heu­ti­ge Ver­eins­fah­ne nach einem Ent­wurf von Pro­fes­sor Kolb aus Stutt­gart.

Freundschaft mit Brugg

Die Begrün­dung der Städ­te­part­ner­schaft Brugg/Rottweil erfolg­te durch einen Besuch des Män­ner­chors Froh­sinn Brugg beim Män­ner­ge­sang­ver­ein Rott­weil im Jah­re 1913. Ein Jahr spä­ter unter­nahm der Män­ner­ge­sang­ver­ein Rott­weil am 28./29. Juni den Gegen­be­such in Brugg. An die­sem Wochen­en­de wur­de in Sara­je­wo der öster­rei­chi­sche Thron­fol­ger Franz Fer­di­nand erschos­sen, was dann zum Ers­ten Welt­krieg führ­te. Nach dem Welt­krieg nahm 1919 der Män­ner­ge­sang­ver­ein sei­ne Arbeit wie­der auf. 1928 erfolg­te die Teil­nah­me des Ver­eins beim Deut­schen Bun­des­sän­ger­fest in Wien, mit dabei der dama­li­ge Rott­wei­ler Bür­ger­meis­ter, Josef Abrell.

Neubeginn nach dem Zusammenbruch

Nach dem zwei­ten Welt­krieg erfolg­te wie­der ein zag­haf­ter Neu­be­ginn im Jah­re 1946 mit einem Kon­zert am 10. Novem­ber 1946 unter der Lei­tung von Musik­di­rek­tor Erich Stel­se. 1947 wur­de dann offi­zi­ell ein Frau­en­chor im Män­ner­ge­sang­ver­ein Rott­weil gegrün­det. Unter dem lang­jäh­ri­gen Chor­lei­ter des Ver­eins, Sepp Klai­ber, fand 1966 das Schwarz­wald-Gau-Lie­der­fest in Rott­weil statt. Dabei führ­te der Chor das Ora­to­ri­um „Das geseg­ne­te Jahr“ in der Sta­di­on­hal­le auf. 1970 war der MGV an der Städ­te­part­ner­schaft Rott­weil-Hyè­res betei­ligt. Er grün­de­te mit dem dor­ti­gen Chor „Bri­se Mari­ne“ eine Sän­ger­freund­schaft, die bis heu­te anhält.

1971 unter­nahm der Chor zusam­men mit dem Lie­der­kranz Spai­chin­gen unter der Lei­tung von Sepp Klai­ber eine Kon­zert­rei­se nach Rumä­ni­en. In der Phil­har­mo­nie in Temes­war führ­ten die bei­den Chö­re die „Car­mi­na Burana“ von Carl Orff auf.

Nach­dem Frau­en­stim­men zwi­schen­zeit­lich fes­ter Bestand­teil des Cho­res waren, wur­de der Män­ner­ge­sang­ver­ein im Jah­re 1972 in „Chor­ge­mein­schaft Rott­weil 1829 e.V.“ umbe­nannt.

Im März 2004 fei­er­te die Chor­ge­mein­schaft Rott­weil ihr 175-jäh­ri­ges Bestehen mit einer Aus­stel­lung im Alten Rat­haus sowie einem Fest­abend in der Turn­hal­le Rott­weil-Alt­stadt. Hier waren neben den Rott­wei­ler Gesang­ver­ei­nen auch Gäs­te aus Brugg und Hyè­res anwe­send.

Der Chor wird musi­ka­lisch gelei­tet von Pro­fes­sor Hel­mut Cromm, der den Chor bereits von 1988 bis 2000 lei­te­te. Vor­sit­zen­de ist Sil­ke Brol­de, die 2015 den Vor­sitz über­nahm, nach­dem Micha­el Leuchs­ner 40 Jah­re lang die Chor­ge­mein­schaft geführt hat­te.