Die Kunststiftung Erich Hauser steckt in einer Krise. Dass Hausers Wohn-Pyramide für 400.000 Euro saniert werden muss – wozu die Stadt im Januar einen Zuschuss von 100.000 Euro bewilligt hat –, stellt wohl nur die Spitze eines Eisbergs dar.

Dr. Andrea Hauser. Foto: pm

Um fehlende Zinserträge zu kompensieren, soll das Areal womöglich weit stärker als bereits bisher der Rottweiler Eventagentur Trendfactory zur Verfügung gestellt werden. Dagegen gibt es jedoch erhebliche Einwände. Andrea Hauser, die Tochter des 2004 verstorbenen Künstlers, fürchtet einen „Ausverkauf“ (siehe Interview).

Die Rahmenbedingungen sind bekannt: Mickrige Zinsen untergraben das Finanzierungsmodell vieler Stiftungen, die auf Kapitalerträge aus ihren Vermögen angewiesen sind. Nicht von ungefähr steht nach dem früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth und Alt-Landrat Manfred Autenrieth mittlerweile ein Banker an der Spitze der Hauser-Stiftung, Wilhelm Freiherr von Haller.

Noch vor zwei Jahren gab von Haller sich optimistisch: „Wir sehen uns, trotz des länger anhaltenden Niedrigzinsumfeldes, für die aktuellen Herausforderungen gut gewappnet“, hatte er in einem Interview mit der NRWZ bekundet. Mittlerweile stellt sich die Lage indes als sehr angespannt dar. Es bestehe „Handlungsbedarf“, erklärte im Gespräch mit der NRWZ der Sprecher des Vorstands der Stiftung, Wilhelm Rieber. Er bestätigte, dass Abhilfe durch eine verstärkte Freigabe des Areals zur externen Nutzung geschaffen werden soll.

Noch sei kein Vertrag unterschieben. Aber binnen „sechs bis acht Wochen“ sollen die Weichen gestellt sein. Mit wem die Stiftung ins Geschäft kommen könnte, wollte Rieber nicht sagen. Er sei „mit verschiedenen Anbietern im Gespräch“. Dass die Trendfactory der favorisierte Kandidat sei, dementierte er gleichwohl nicht – auch der Rottweiler Event-Planer widersprach dem auf Anfrage der NRWZ nicht.

Zu dem, was nach einem Vertragsabschluss folgen soll und könnte, gibt es zwei Lesarten: Eine, die kaum Auswirkungen auf die bisherigen Angebote der Stiftung für die Öffentlichkeit erwartet. Und eine, wonach gravierende Einschnitte zu erwarten sind, die das Profil des Hauser-Areals auf der Saline radikal verändern würden.

Rieber glaubt, dass ein Spagat zwischen Stiftungsaktivitäten und intensivierter kommerzieller Nutzung gelingen kann. Er betont, dass die bisherigen Veranstaltungen „auch in Zukunft stattfinden“ werden. Andrea Hauser wiederum hält dies für illusorisch. Ein „regulärer Betrieb“ sei nicht mehr zu gewährleisten, argumentiert sie, sieht das Erbe ihres Vaters akut gefährdet und fordert, weiter nach alternativen Modellen zu suchen.

- Anzeige -

Seitens der Stiftung, die die Vorgänge bisher nach außen mit größtmöglicher Diskretion handhabt, ist dazu allerdings keine Bereitschaft zu erkennen. Die Bitte um eine Stellungnahme an Wilhelm von Haller blieb bislang unbeantwortet.

 

 

 

-->