ROTTWEIL – Belarus, die Ukraine und Russland werden am Mittwoch, 27. April ab 19.30 Uhr in einer Lesung mit Musik im Mittelpunkt stehen. „Wir suchen nach Worten im Krieg. Worte, die helfen aus der Fassungs- und Sprachlosigkeit heraus zu kommen“, so beschreiben die acht Veranstalter ihre Motivation zu der Lesung mit Texten und Gedichten, Liedern und Akkordeonmusik (Dimitri Luca). Veranstaltungsort ist der Festsaal im Alten Gymnasium (Eingang Badgasse). Anmeldungen sind jetzt schon bei der Volkshochschule möglich oder am Abend der Lesung.
Im ersten Teil wird Tatsiana Zelenjuk aus dem Buch „Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution“ lesen. Im August 2020, nach der offensichtlich gefälschten Präsidentschaftswahl, gingen Hunderttausende im ganzen Land für ein freies Belarus, in dem die Menschenrechte gelten, auf die Straße. Die friedlichen Proteste wurden brutal niedergeschlagen. Zehntausende wurden ins Gefängnis gesteckt, Zehntausende flohen vor der Staatgewalt ins Exil. Das Buch beinhaltet Dokumente, Stimmen und Gedichte von Frauen und nimmt die Zuhörer mitten hinein in den Kampf um Freiheit und Demokratie.
Seit dem 24. Februar sind alle Augen voller Entsetzen auf den Angriffskrieg in der Ukraine gerichtet. Die Mehrheit der Belarusen steht nicht hinter dem Krieg, so berichten die Partner in Belarus. Tausende belarusische Aktivisten kämpfen und protestieren dagegen und riskieren dafür Festnahmen und Verurteilungen. Eine Freundin aus Belarus schreibt: „Wieder sind wir Geißeln unseres diktatorischen Regimes und werden von Lukaschenko missbraucht. Man muss unbedingt das Regime und das Volk auseinander halten.“ Bagdasar Khachikyan liest aus Sasha Filipenkos Buch „Die Jagd“, das die Unterdrückung und Menschenverachtung in einem diktatorisch regierten Land beschreibt. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Belarus und des russischen Kriegs gegen die Ukraine, hat Filipenkos 2016 erschienenes Buch eine erschreckende Aktualität bekommen.
Wie kann man mit so viel Leid, Wut und Angst im Gedächtnis weiter leben? Im dritten Teil der Lesung liest Elena Logunova aus Serhij Zhadans Buch „Das Internat“ (2017). In Bildern von großer Eindringlichkeit schildert Zhadan, wie sich die vertraute Umgebung im Donbass in ein unheimliches Territorium verwandelt. Mindestens so eindrucksvoll sind die trotzigen Menschen, die der Angst und Zerstörung im Krieg ihr Verantwortungsgefühl und ihre Selbstbehauptung entgegensetzen und inmitten der grellen Schreckensbilder so etwas Vages wie Hoffnung aufkommen lassen.
Der Eintritt zur Lesung ist frei, die Veranstalter bitten aber um Spenden, die dem Verein „Razam“ und „Refugio“ zu Gute kommen. Razam bedeutet auf Belarusisch „gemeinsam“. Der Verein leistet belarusischen Menschen Hilfe und sammelt Medikamente und Hilfsmittel für ukrainische Krankenhäuser. „Refugio“ ist ein psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge in Villingen-Schwenningen.
Veranstalter: Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung – Volkhochschule Rottweil – Evangelische Kirchengemeinde Rottweil und Katholische Erwachsenenbildung Kreis Rottweil e.V. – amnesty international, OG Rottweil – Freundeskreis Asyl Rottweil e.V. – Initiative Gedenkstätte Eckerwald e.V. – Weltladen Rottweil